Mit der Urkunde zur Großen Hammereinung fängt es an
Mittelalter geht ins Netz

Von Flammen bis zum Eberkopf - die 70 Bienenwachs-Siegel verraten zweifelsfrei ihre Eigentümer. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
07.10.2016
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Immer am Lilienwappen zu erkennen: Sulzbach. Bild: Hartl

Im Stadtarchiv vermutet man, dass die Urkunde zur Großen Hammereinung von 1387 das bekannteste Dokument ist, das man hier verwahrt. Sie hat aber einen nicht unerheblichen Schönheitsfehler: Von ihren 70 Siegeln fehlt ausgerechnet das Amberger.

"Wir wissen nicht warum", muss selbst Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger bei der Frage nach dem Grund passen. Aber in 629 Jahren kann natürlich viel passieren.

Für die Zukunft jedoch ist jetzt ausgeschlossen, dass ein Nutzer sich ein Siegel, das ihm gefällt, unter die Nägel reißt: Die ohnehin unhandlich große Urkunde (73 x 52 Zentimeter) wurde am Freitag in allen Details fotografiert und steht künftig den Interessenten in digitaler Form zur Verfügung. Nicht dass das gute Stück besonders oft nachgefragt würde, und wenn, dann legt das Stadtarchiv erst einmal ein älteres Digitalisat davon vor. Doch ganz unbehelligt blieb die Urkunde nie, sie wurde sogar schon ausgestellt. "Und es ist jedes Mal problematisch, wenn man sie aus ihrer klimatisierten Aufbewahrung rausholen muss", sagt Laschinger.

Bald kommt noch mehr


Anlass für die Digitalisierung ist, dass zwei der Siegel für eine Publikation des Historischen Lexikons Bayerns benötigt werden. Und weil man bisher eben nur alte Aufnahmen des Dokuments hatte und irgendwann dessen Digitalisierung ohnehin angestanden wäre, macht man es gleich. Zudem sitzt man im Stadtarchiv derzeit an einem Gesamtkonzept, welche der Archivalien in digitalisierter Form ins Internet kommen sollen.

Das kann zwar noch etwas dauern, doch 144 000 Digitalisate aus dem Stadtarchiv - vor allem alte Meldeunterlagen - sind über www.digital readingroom.org bereits online zugänglich. Ab nächster Woche kann man dort sogar gezielt nach Namen und Begriffen suchen, weil die Archivalien mit einer speziellen Software für einen Suchfilter lesbar gemacht wurden, verrät Alma Mollemans. Der Fotograf arbeitet für die Firma EA Digital GmbH, die weltweit Bestände von Bibliotheken, Archiven oder Sammlungen digitalisiert, und drapiert sorgfältig jedes einzelne Siegel auf einen schwarzen Hintergrund, bevor er es ablichtet. Er weiß: "Amberg ist ganz vorne dabei, was die Digitalisierung der Bestände betrifft." Übrigens ist die Urkunde zur Großen Hammereinung von 1387 nicht die älteste im Stadtarchiv. Das ist die von 1294, mit der Rudolf I. Amberg das Stadtrecht verlieh beziehungsweise bestätigte. "Die ist auch schon digitalisiert", sagt Dr. Johannes Laschinger. Natürlich.

HammereinungDie Urkunde zur Großen Hammereinung gab es ursprünglich in dreifacher Ausfertigung: für die Amberger, für die Sulzbacher und für die Hammerbetreiber aus dem Raum Nürnberg. Erhalten geblieben ist nur das Amberger Dokument. Es begründete einen Wirtschaftsverband, wenn man so will ein Kartell, das die Zahl und Produktion der Schienhämmer (sie schmiedeten Eisen) begrenzen sollte. Alle Schienhämmer aus der Oberpfalz bewegte man zum Beitritt, indem man ihnen für den Fall einer Weigerung mit einer Erzsperre drohte - sie bekamen dadurch weder vom Amberger noch vom Sulzbacher Berg Erz. (ll)
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