Mit Feuer und voll Leidenschaft

Con Brio

Ensemble Con brio, das sind zwei plus zwei Musikerinnen und Musiker mit Ideen, Leidenschaft und Überraschungen. Ihre 23-jährige Erfolgsgeschichte setzten sie am Freitagabend bei ihrem Traditionskonzert im Kongregationssaal in Amberg fort.

Con Brio ist ein Begriff aus der Musik und bedeutet "mit Feuer". Er wird verwandt, wenn eine Passage temperamentvoll und begeisternd gespielt werden soll. Diesen Anspruch hat sich das Streichquartett Ensemble Con Brio - kurz "ECB" - auf die Fahnen geschrieben und diesem Anspruch werden sie auch stets gerecht.

Die Vier sind ein eingespieltes Team, mit hohem Niveau und langer Erfahrung. Flexible Übergänge, schwierige Tempowechsel oder sensibel gestaltete Passagen gelingen blind. Tief ist das Einverständnis, mit dem Gerda Machmor-Geer und Heidi Braun (Violine), Franz Rauch (Viola) und Peter Donhauser (Violoncello) die unterschiedlichen Kompositionen gestalten. Den gemeinsamen musikalischen Weg gehen die Vier in der derzeitigen Besetzung seit 2002. Die Gründung allerdings liegt schon länger zurück: 1991 hat man sich als Klaviertrio gefunden.

Filethäppchen serviert

In ihrem Repertoire haben sie selbstverständlich Klassik-Standards wie Mozart oder Brahms. Immer wieder überraschen die Musiker allerdings mit weniger bekannten Komponisten. Ein besonderes Filethäppchen des diesjährigen Konzerts im festlichen Ambiente des Kongregationssaals waren "Fünf Stücke für Streichquartett" von Erwin Schulhoff.

Der Komponist wurde am 8. Juni 1894 in Prag geboren. Unter anderem studierte er Komposition bei Max Reger. In den Zentren der europäischen Avantgarde war Schulhoff ein gefragter Pianist und Komponist, gefeiert als einer der talentiertesten jungen Musiker Mitteleuropas. Seine Musik klang aufregend neu, Konventionen interessierten ihn nicht. Er ließ sich vielmehr von den damals aktuellsten und radikalsten Kunstströmungen inspirieren, vom Expressionismus und vom Dadaismus. Von den Nationalsozialisten als Jude und als Komponist "entarteter" Musik verfolgt, starb Erwin Schulhoff 1942 in einem bayerischen Internierungslager an Tuberkulose.

Seine Streichquartette entstanden in den 1920er Jahren, lange vor diesem dunklen Schlusskapitel seiner Biografie. Das Ensemble Con Brio stürzte sich mit Vehemenz in das Abenteuer Schulhoff. Mit jugendlicher Frische und jubelnden Instrumenten servierten sie die musikalische Delikatesse voll ironischer Seitenhiebe, volksmusikalischer Inspiration und frech gesetzter Noten. So perfekt interpretiert und modern angerichtet schmeckt zeitgeistige Musik ganz hervorragend.

Am Anfang jedoch stand Mozart, der in seinem Es-Dur-Quartett, KV 428, Joseph Haydn ein Denkmal gesetzt hat. Inspiriert vom großen Komponistenfreund schuf er eine eigene Welt des Quartettstils und -klangs. ECB meisterte die ersten zwei äußerst anspruchsvollen Sätze gut, um dann das Menuetto allegro und das Finalthema im Allegro vivace voll zur Geltung zu bringen.

Dicht gewebtes Spiel

Für beste Laune sorgte auch das Vivace im Streichquartett Nr. 3 B-Dur op 67 von Johannes Brahms, das den Konzert-Schlusspunkt setzte. Die Kraft der Komposition schweißte die vier Könner ihres Fachs zusammen. So entstand ein dicht gewebtes Spiel mit zwingender Phrasierung, glasklarer Artikulation, atemberaubendem Tempo, ausgefeiltem Bratschensolo und absoluter Übereinstimmung im dynamischen Ablauf.

Nachdem der letzte Takt verklungen war, gab es viel Bewunderung und Beifall für ein beeindruckendes Konzert, das mehr Besucher verdient gehabt hätte.
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