Mit Weihnachtsliedern um die Welt

"German Brass" ernteten mit "Christmas around the world" Ovationen im Amberger Stadttheater. Bild: Steinbacher

Sie ziehen eine richtig gute Show ab, die zehn Bläser von "German Brass", die im "Kür-Teil" von einem Schlagzeuger ergänzt werden. Und sie haben alles im Gepäck, was man sich von einem renommierten Blechbläserensemble erwartet.

"German Brass" füllen das Amberger Stadttheater fast bis auf den letzten Platz. Kein Wunder, denn "Goldener Blechbläserklang im Advent" war angekündigt und unter das Motto "Christmas around the world" gestellt. Aber auch Klassik und viel swingende, jazzige winterlich-geprägte Moderne haben die Musiker mitgebracht.

Bei Johann Sebastian Bach, in Arrangements des Trompeters Matthias Höfs, füllen strahlende, festliche Klänge bei der Ratswahlkantate den Raum und lassen barocken Glanz entstehen. Allerdings kann die Geschmeidigkeit der Streicher und Holzbläser des Originals auch nicht vom versiertesten Blech eingefangen werden. Und auch exzellenten Virtuosen unterlaufen Unkorrektheiten im rhythmischen Zusammenspiel. So sind die ersten beiden Bach-Stücke wohl ein "Pflichtteil". Gut eingefangen wird dagegen der Klang bei der berühmten "Air". Hier imitieren Trompete und Horn im Wechsel die sensiblen Bögen in beeindruckender Weise. Die Streicher des Originals werden "vom Blech" einfach schön "nachempfunden".

Vivaldi als Glanzstück

Ein Glanzstück ist das Concerto von Vivaldi. Da laufen die Musiker zu toller Form auf: faszinierend die Beweglichkeit, die dynamischen Wechsel, der Übergang von üppigster Klangfülle zu verhaltenen piano-Stellen und ein prachtvoller Schluss des ersten Satzes.

Und im Schlusssatz brilliert der Trompeter Matthias Höfs in atemberaubender, unglaublicher Virtuosität. Wie er in hohen Lagen ein pianissimo ansetzt, um dann mit wahnsinnigen Läufen und einer frappierenden Dynamik barocken Glanz zu erspielen, das ist ganz große Klasse.

Auch das berühmte Orgelwerk Bachs, die Toccata und Fuge d-moll kommt in einer gut arrangierten Adaption zum Klingen. Wesentlichen Anteil an diesem Konzert hat Klaus Wallendorf als Moderator. Gereimt und in eleganter Prosa stellt er die Stücke vor, lässt Anna Magdalene Bach sächselnd zu Wort kommen, verkündigt sowohl im sächsischen Dialekt als auch im Rheinischen die Ankunft des Christkindes um halb Vier und wandelt die Vorgabe einer Reimvermeidung bei "leise rieselt der Schnee" in eine verballhornende Prosa - das Publikum hat seine helle Freude an seinen Auftritten.

Die Bläser zeigen vor der Pause mit "Little Christmas Fantasy" den Beginn ihrer "Kür", die mit Adaptionen von Händel, Mendelssohn-Bartholdy und dem Weihnachtslied "Adeste fideles" schon einstimmt auf das ,was nach der Pause kommt. Denn da scheinen die Musiker und Schlagzeuger so richtig in ihrem Element zu sein. "Christmas around the world" - eine musikalische Weltreise in Weihnachtsliedern.

Hier erklingen Ohrwürmer wie "Jingle Bells",und "Wandern durch den Winterwald" in swingendem, oft jazzigem Sound ebenso faszinierend wie ein kreolisches Weihnachtslied in fetzigem Rhythmus. Auch die Stimmung der Taiga in einem nordschwedischem Küstengebiet wird fesselnd nachempfunden.

Der Moderator stellte seine Musiker in gereimter Form vor: Am Schlagzeug Herbert Wachter, an der Tuba Stefan Ambrosius, Alexander Erbrich-Crawford, Fritz Winter, Uwe Füssel an den Posaunen, Christoph Baerwind, Werner Heckmann, Uwe Köller an den Trompeten. Eine ausgiebige gereimte Hommage erhielt Matthias Höfs, der als Arrangeur Lorbeeren verdient und als begnadeter Trompeter den Glanz des Ensembles prägt.

Euphorischer Beifall

Nat King Coles "The Christmas-Song" wurde mit viel Schmalz gespielt und Tschaikowskis "Schwanensee"-Musik in verjazzter Form völlig neu interpretiert, wobei ein fulminantes Schlagzeug-Solo die Zuhörer in Extase versetzt. Zugaben natürlich: Ein Posaunist singt im Entertainer-Stil einen weihnachtlichen Song und bei der U-Bahn-Polka, in Japan kreiert, sagt der Moderator auf japanisch im U-Bahn-Tempo alle 19 Stationen an. Euphorischer Beifall - dieses Ensemble versteht es, sein Publikum zu fesseln.
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