Musical im Stadttheater
"Sissi" erwärmt Herzen erst am Schluss

Es sind weniger die Erlebnisse der historischen Sissi als die der Kultfilme mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm, die im Stadttheater Amberg aufgeführt werden. Nach Anfangsschwierigkeiten bietet das Musical "Sissi" unkomplizierte, opulent inszenierte und farbenprächtige Unterhaltung.

Amberg. Mittels einer ausgeklügelten Licht- und Projektionstechnik sieht man die Originalschauplätze auf dem Bühnenhintergrund, plastisch, perfekt in den Handlungsrahmen passend. Über 140 Kostüme wurden für diese Produktion hergestellt, die Bühnendekoration nach Fotos von den Originalschauplätzen angefertigt. Das ist effektvoll und große Klasse. Der österreichische Komponist George Amade schafft dazu eine Musik im Stil dieser Zeit, die, wie nicht anders erwartet, vom Band gespielt wird. Für Buch und Liedtexte ist Jean Müller verantwortlich. Die handelnden Personen sind wie gute Bekannte aus den "Romy-Schneider"-Filmen: Sissi, ihre Eltern und ihre Schwester, der junge Kaiser Franz, dessen harte Mutter Erzherzogin Sophie, der ungarische "Revolutionär" Graf Andrassy und der etwas trottelig dargestellte Adjutant Major Krespl. Dazu kommen prächtig kostümierte Darsteller, die die Wiener Hofgesellschaft, das "Bayerische Volk" - leider klischeehaft nur schuhplattelnd und trinkend dargestellt - und ungarische Revolutionäre verkörpern.

"Aha"-Szenen fehlen


So erlebt man die Lebensgeschichte der Elisabeth von Bayern, die als "Kaiserin der Herzen" in die Geschichte einging. Das beginnt zunächst etwas schwunglos mit der ersten Begegnung am Hof in Wien. Und auch die Entwicklungen bis zur Hochzeitsvorbereitung kommen nicht so recht in Fahrt. Der eher freundlich gehaltene Szenenapplaus ist dafür zuverlässiger Seismograph. Wohl können Sissi, ihre Schwester und vor allem die harte Sophie durchaus singend und spielend überzeugen. Aber es fehlen die Überraschungseffekte, die "Aha"- Szenen. Auch die slapstickhafte Komik des Majors bringt nur gedämpfte Heiterkeit ins Auditorium. Dazu kommt, dass manche Sprechtexte nur undeutlich zu verstehen sind.

Im zweiten Teil ist das deutlich besser. Bei Sissis "Heimwehlied" etwa und auch bei der Begegnung ihrer Schwester mit Kaiser Franz werden Emotionen glaubhaft, und die Handlung spannend. Laura Voith kann die Entwicklung von der unbeschwerten Sissi zur gereiften Kaiserin glaubhaft deutlich machen. Ihre Songs "Ich hab Heimweh nach dem Starnberger See" und "Mein Versprechen" sind stark.

Sehr gut ist Adelheid Brandstetter als Kaiserinnenmutter Sophie. Bei ihr passen Härte der Darstellung mit Sprache und Gesangsstimme absolut zusammen. Paulus Fina als junger Kaiser Franz kann überzeugen, bleibt aber etwas blass in der Ausstrahlung, zumal das Timbre seiner Sprechstimme nicht mit dem beim Singen übereinstimmt, was bei Sascha Littig als Graf Andrassy ebenfalls zu bemängeln ist. Eindrucksvoll in ihrer Enttäuschung ist Sandra Maria Miklautz als Sissis Schwester Néné. Sissis Vater Erzherzog Max wird von Alois A. Walchshofer mit Vitalität und väterlicher Sorge ausgezeichnet verkörpert, und Margot Loibnegger ist glaubwürdig, auch singend überzeugend seine Frau Erzherzogin Ludovika. Für Heiterkeit sorgt der beweglich und so herrlich schusselig agierende Kurt Hexmann als Adjutant Major Krespl.

Letztlich sehr zufrieden


Während der als Schlussszene eindrucksvoll dargestellten Krönung Sissis als ungarische Kaiserin wird in einer Bildprojektion der weitere, tragische Lebensweg Sissis angedeutet. "Behaltet mich so in Erinnerung, wie ich heute bin", ist zu hören, als Hinweis auf zukünftigen verblassenden Glanz. Der starke Schlussapplaus zeigt: Das Publikum ist letztlich zufrieden.
Weitere Beiträge zu den Themen: Musical (77)Sissi (4)Stadttheater (26)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.