Musik schafft ein Miteinander

Kantor Ezra Meyer und Pianist Doron Burstein zeigten, welch schöne hebräischen und jiddischen Lieder es gibt. Es sei den tollen Musikern gelungen, "unsere Herzen zu öffnen", erklärte Rabbiner Elias Dray nach dem gut zweistündigen Konzert. Bild: Steinbacher

Das Leid der Juden, aber auch ihre Hoffnung, kam in den Liedern zum Ausdruck. Begeistert vom musikalischen Können der beiden Künstler aus Israel waren zahlreiche Besucher des Konzerts.

Rabbiner Elias Dray freute sich über die zahlreichen Gäste, die zum Konzert in den Saal der israelitischen Kultusgemeinde gekommen waren. Dank finanzieller Unterstützung durch den Zentralrat der Juden in Deutschland hat die Gemeinde zwei sehr begabte Musiker aus Israel eingeladen: Kantor Ezra Meyer und Pianist Doron Burstein. Meyer war öfters an den hohen jüdischen Feiertagen in der Münchner Hauptsynagoge zu Gast, um dort zu singen. Burstein hat die Auftritte vieler bekannter Künstler begleitet.

"Wir wollen ein Zeichen der Völkerverständigung setzen, dass wir alle Brüder sind", sagte Dray und meinte damit nicht nur die Musik als verbindendes Element, sondern auch eine konkrete Unterstützung. Denn der Erlös aus dem Konzert geht an die Amberger Tafel, zweckgebunden für Flüchtlinge, die überwiegend muslimischen Glaubens sind.

Deshalb waren auch stellvertretende Tafel-Vorsitzende Irmgard Buschhausen und Kassier Günter Preißl gekommen. Buschhausen wertete diese Geste als "großen Akt der Solidarität und Nächstenliebe". Sie wünsche sich, dass der Friedensgedanke, den Kantor Ezra Meyer in vielen seiner jüdischen Lieder besang, in die Welt hinausgetragen wird. Laut Günter Preißl zählen zu den Tafelkunden auch 250 Flüchtlings-Haushalte. Die Menschen kommen überwiegend aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Vom Geld der israelitischen Kultusgemeinde sollen sie Gutscheine für Kleidung und Schuhe erhalten. Die Stücke, die Meyer vortrug und die Burstein spielte, waren ein Streifzug durch die jüdische Musik. Synagogale Lieder waren ebenso dabei wie traditionell Jiddisches und Songs, die in Israel populär geworden waren. Elias Dray gab Erläuterungen zu dem, was das Duo jeweils vortrug. In den ersten synagogalen Liedern (eines, das am Neujahrstag zu hören ist, ein anderes, das am Schabbat gesungen wird) stand die Dankbarkeit Gott gegenüber, der alles erschaffen hat, im Mittelpunkt. Dray erklärte die Bedeutung des Schabbats. Er ist ein Ruhetag und Gott gewidmet. Fromme Juden verrichten an diesem Tag keine Arbeiten, benutzen auch kein Handy. "Das ist gut für die Familie, weil man ganz für sie da sein kann", sagte der Rabbiner. An diesem Tag, es ist der Samstag, werde auch nicht fern gesehen. "Alle frommen Juden sind Fans der 2. Fußball-Bundesliga, weil die Spiele am Sonntag sind." Auf jiddisch sang Meyer das Lied von der "jüdischen Mame", der Mutter, die ihr Leben gibt für ihre Kinder.

Mit den Worten "Jetzt haben wir viel für die Seele getan, jetzt müssen wir auch etwas für den Körper tun", leitete Dray zur Pause über. Die israelitische Kultusgemeinde reichte ein paar Häppchen zum Wein, ehe es mit wunderschönen Liedern weiterging. Unter anderem mit einem ganz besonderen Lied, nämlich eines aus dem Film "Schindlers Liste": "Oyfn Pripetshik" (Im Ofen brennt ein Feuerchen). Damit lernen laut Dray Kinder das hebräische Alphabet. Spätestens bei den letzten zwei Liedern war klar, warum jüdische Musik so populär ist. Begeistert sangen die Zuhörer bei "Jeruschalajim schel Sahav" ("Jerusalem aus Gold") den Refrain mit.

Das 1967 für ein Festival von Naomi Schemer getextete Lied handelt von der jüdischen Sehnsucht nach Jerusalem und stammt aus einer Zeit, als die Altstadt - und damit auch die Klagemauer - für die Juden unzugänglich war. Wie Rabbiner Elias Dray erklärte, fügte die Verfasserin drei Tage nach dem gewonnenen Sechstagekrieg noch zwei Strophen hinzu - fortan war es ein Symbol des Sieges. Beim letzten Lied, der isrealischen Nationalhymne Hatikwa (Hoffnung) standen alle Zuhörer von den Plätzen auf. "Lasst uns für uns alle singen", bat Dray. "Für die Hoffnung, dass wir alle in Frieden miteinander leben können."
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