Musik von einem anderen Stern

Die Musiker des Alien Ensemble spielten im Luftmuseum Amberg Jazz in ihrer ganz eigenen Kategorie. Bild: Huber

Wie Außerirdische sehen sie ja nicht aus, die Herren vom Alien Ensemble. Dafür scheint die Musik, die sie machen, von einem anderen Stern zu kommen.

In der Rubrik Jazz gibt es unzählige Spielarten. Be- und Hard-Bop, Dixieland und Swing, Modern Jazz, Urban Jazz, Free Jazz und jede Menge Subgenres dazu. Aber keiner dieser Begriffe trifft das Wesen der Musik des Alien Ensembles. Selbst der arg strapazierte und doch nichtssagende Terminus "Weltmusik", der immer gerne benutzt wird, wenn gerade keine passende Schublade offensteht, versagt hier seinen Dienst. Sollte man vielleicht eine neue Bezeichnung finden? Space Jazz würde vielleicht passen.

Typische Jazzinstrumente

Die Instrumente der Aliens sind - mit einigen Ausnahmen - die einer typischen Jazzkapelle. Band-Leader Micha Acher bläst Trompete und Flügelhorn und unternimmt gelegentlich Ausflüge zum Harmonium. Die "Unterlage" kommt vom Schlagzeuger Andi Haberl und Benn Schäfer am Bass. Die "himmlischen" Töne kommen aus der Flöte von Oliver Roth und dem Vibraphon, das Karl Ivar meisterhaft nicht nur mit den Schlägeln, sondern auch mal mit dem Geigenbogen bearbeitete.

Stefan Schreiber an der Bassklariniette und dem Tenorsaxofon sowie Posaunist Matthias Götz komplettieren das Septett und versetzten die Luft im Luftmuseum in tönende Schwingungen, die faszinierten und die Zuhörer in einen schier unlösbaren Bann zog.

Die Konzeption der Stücke des Alien Ensembles zielte direkt darauf ab. Mit schmeichelnd stillen und jazz-untypischen Klangfarben huben die einzelnen Segmente, die durch ebenso leise und meditativ wirkende Intermezzi verbunden waren, an. Und wenn denn allmählich die anderen Instrumente einsetzten, nahm die Musik, die zunächst nur aus einem sich aufbauenden Rhythmus bestand, vollständig gefangen. Selbst die Bläser fielen in die hart akzentuierten Stakkati mit ein, bevor sie aus ihren Instrumenten Klänge von unvergleichlicher Schönheit und höchst einfallsreiche und phantasievolle Melodien zauberten.

Selbst in den jazzverwandten polyphonen Strukturen wurde die Meisterschaft, die jeder der Musiker an seinem Instrument entwickelt hat, deutlich. Die Töne ließen sich klar unterscheiden, da gab es keine Möglichkeit, eigenes Unvermögen zu verbergen. Und das hatten die Alienst auch gar nicht nötig, denn ihr spezieller Sound ist auf Klarheit und Harmonienreichtum aufgebaut.

Spiel, Spaß und Spannung

Es ist die Spannung, der Tempo- und Dynamikwechsel, der die Musik der Band ausmacht. Wenn die Flöte mit dem Vibraphon kommuniziert und kleine Glöckchen klingen, kommen unweigerlich Gedanken an New Age-Musik auf. Die verfliegen aber bald, nämlich spätestens, wenn die Bläser einsteigen und allmählich das Regiment übernehmen oder Andi Haberl mit einem furiosen Schlagzeugsolo die Wände zum wackeln bringt.
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