Nach der Macht bleibt Uneinsichtigkeit

Reinhild Solf, Ole Eisfeld, Doris Kunstmann und Saskia Valencia (von links) brachten mit Theresia Walsers Komödie "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" eine gelungene Satire auf die Bühne des Amberger Stadttheaters. Bild: Steinbacher

First Ladys neigen mitunter zur Eitelkeit. Auch wenn sie lange nicht mehr in dieser Position sind. Im Stadttheater Amberg sah das Publikum eine gelungene Satire über drei ehemalige Machthabersgattinnen.

Bitterböse, zynisch, selbstgerecht und uneinsichtig, aber auch originell, mit Ironie gespickt, so waren die Dialoge, die die Autorin Theresia Walser in ihrer satirischen Komödie "Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel" den Protagonistinnen auf den Leib geschrieben hatte. Drei Ehefrauen ehemaliger Diktatoren sind zusammengerufen worden, um sich anlässlich der Verfilmung ihres Lebens einer Pressekonferenz zu stellen.

Während sie auf deren Beginn warten, geben sie ihre jeweilige Bedeutung in geschönten Statements zum Besten und versuchen, ihre Partnerinnen damit zu übertrumpfen. Natürlich muss ein Dolmetscher bemüht werden, denn es werden ja aufgeboten: die aus Sachsen stammende Margot (Honecker), Witwe des ehemaligen DDR-Machthabers, Imelda (Marcos), Frau des Diktators Ferdinand Marcos aus Manila, und Leila Trabelsi, Frau des Scheindemokraten Zine el-Abidine Ben Ali aus Tunesien. Dieser Dolmetscher Gottfried muss jeweils blitzschnell entscheiden, ob eine wortgetreue Übersetzung oder eine freie Interpretation des Gesagten ratsam ist und welche Bemerkungen er auf keinen Fall übersetzt, sondern vorsichtshalber ins Gegenteil verkehrt.

Margot will "Gola"

Denn die Ex-First-Ladys sind alles andere als geknickte Personen. Margot ist noch immer von der Richtigkeit "ihres sozialistischen Staates" überzeugt und verteidigt ihn mit fast unvorstellbarer Härte. Die Mauertoten haben ihrer Meinung nach "ihre Dummheit mit dem Leben bezahlt". Grotesk demgegenüber ihre ständige Frage: "Gibt's hier geene Gola?"

Imelda schwelgt noch immer in ihrer Märchenwelt. "Bisher waren immer Blumen. Wo ich saß, waren Blumen. Undenkbar, dass ich hier sitze ohne Blumen." Ihre Lebensgeschichte müsse in einer dramatischen Oper nachgezeichnet werden, schließlich habe sie schon in Ibsens Drama "Nora" auf der Bühne gestanden. Und für Leila war es wichtig, dass sie französische Literatur studiert hat und ihr Bild als Cover den bedeutendsten Gazetten gedient habe.

Dolmetscher in Nöten

Das alles, die oft boshaft provozierenden gegenseitigen Fragen, die maliziösen Sticheleien mussten übersetzt werden. Hier hatte der Dolmetscher seine großen Szenen. Teilweise widersinnige, sowohl verkürzende wie ausufernde Übertragungen der ursprünglichen Reden brachten die Themen in andere Richtungen und ihn in erkennbare Verlegenheit, machten aber umgekehrt die betreffenden Damen zunehmend misstrauisch.

Die Darsteller brachten dieses Spiel eindrucksvoll über die Bühne. Reinhild Solf verkörperte herrlich sächselnd die harte, spröde sprechende und sich eckig bewegende Margot. Doris Kunstmann als Frau Imelda überzeugte mit einer unantastbaren, ruhigen Souveränität. Sie war der Mittelpunkt der Handlung, "verteilte" gewissermaßen die Kommunikation und lenkte damit das Geschehen. Saskia Valencia war die attraktive, sich im farbigen Kostüm mit knappem Rock jugendlich darstellende Leila, die die Naivität ihrer Rolle treffend umsetzte. Und Ole Eisfeld lieferte ein Meisterstück ab in der Rolle des teils komödiantischen, teils verlegenen, aber durchaus eitlen Dolmetschers Gottfried.

In dieser insgesamt spritzigen Satire gab es auch einige Längen, weil doch manche Szenen vorhersehbar waren. Aber die Regie (Hans Hollmann) kriegte im zweiten Teil effektvoll die Kurve, als nämlich Frau Margot plötzlich die Urne ihres Erich präsentierte, mit der sie fotografiert werden wollte. Die Ungeschicklichkeit Gottfrieds, der dieses "heilige Stück" fallen und dadurch zerbersten ließ, führte zu einem turbulenten Schluss, der mit dem Gong zur Pressekonferenz endete.

Ein Charakterspiegel

"Ich bin noch nie von rechts nach links gegangen" (Margot), "Müssen wir winken?" (Leila) und "Wo kein Volk ist, muss auch nicht gewunken werden" (Ismelda) - mit Zitaten wie zu Beginn verließen die Akteure die Bühne. Eine Komödie? Eine Satire? Wohl beides, aber auch ein unterhaltsamer, entlarvender Spiegel über den Charakter ehemaliger First Ladys.
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