Neue Dauerausstellung im Amberger Stadtmuseum
Prechtls einzigartiges Erbe

 
Aus Wolfenbüttel war Margarete Strelow, die Schwester des 2003 verstorbenen Künstlers zur Eröffnung der Prechtl-Schau "A tribute to Prechtl" angereist. Oberbürgermeister Michael Cerny überreichte ihr Blumen.

"Ich versuche, Kunst ins Leben zu bringen und Leben in die Kunst." Das sagte Michael Mathias Prechtl vor 46 Jahren. Wie sehr ihm dies gelang, ist künftig im Stadtmuseum zu sehen.

Die Freude war förmlich zu spüren, und auch der Stolz, genau das geschafft zu haben: Der Nachlass von Michael Mathias Prechtl, der rund 500 Stücke umfasst, ist als Dauerleihgabe an das Stadtmuseum übergegangen.

Vieles erstmals zu sehen


Und aus dem früheren Prechtl-Kabinett ist eine einzigartige Schau geworden, die sich mit dem Leben des Künstlers, seinem Schaffen, aber auch mit MMP als Mensch befasst. Zur Eröffnung am Sonntagvormittag war auch Prechtls in Wolfenbüttel lebende Schwester Margarete Strelow gekommen. Ihr, aber auch Paul Will, Steuerberater aus Neumarkt, der Prechtls Witwe Frydl Zuleeg vertritt, galt ein besonderer Dank von Oberbürgermeister Michael Cerny, Kulturreferent Wolfgang Dersch und Museumsleiterin Judith von Rauchbauer. Denn die Familie hat es ermöglicht, dass der umfangreiche Prechtl-Nachlass ab sofort in Amberg zu sehen ist. 500 Objekte und Arbeiten umfasst er, 200 davon (darunter auch vieles, was überhaupt noch nie gezeigt wurde) sind ausgestellt.

Cerny bezeichnete "A tribute to Prechtl" als wichtigste Ausstellung über das Leben und Werk Prechtls weltweit und würdigte den gebürtigen Amberger, der auch in seiner Heimatstadt begraben ist, als "außergewöhnlichen Künstler". "Endlich ist es soweit", freute sich Museumsleiterin Judith von Rauchbauer. Sie blickte zurück auf die harte Arbeit bezüglich des Vertrages ("Das dauerte fast ein Jahr") und bedauerte, dass nicht mehr Werke gezeigt werden können. "Manchmal, wenn ich ins Depot schaue, tut mir das richtig leid." Sie formulierte einen Wunsch, den später auch der Kulturreferent aufgriff: ein eigenes Haus für Prechtls Werk.

Erbe am richtigen Platz


Wolfgang Dersch sprach von einer spektakulären Dauerausstellung. Er hob besonders das Engagement des 2013 anlässlich des zehnten Todestags von Prechtl gegründeten Förderverein hervor. "Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir heute sind." Ebenso dankte er Paul Will, Steuerberater aus Neumarkt und Vertreter von Prechtls Witwe Frydl Zuleeg. "Er war stets vom Gedanken getragen, Prechtls künstlerisches Erbe hätte in Amberg seinen richtigen Platz." Und Will hatte sogar noch das letzte Ausstellungsstück mitgebracht: den Kulturpreis, den die Stadt Amberg dem Künstler 2011 posthum verliehen hatte.

Und weil Prechtl ein großer Klassik-Fan war, spielten Bernhard Müllers und Franz Badura Stücke von Mozart und Bach. Nur eines nicht, Prechtls Lieblings-Stück "Toccata und Fuge in d-Moll" von Johann Sebastian Bach. "Die Orgel von St. Martin wollten wir dann doch nicht ausbauen", sagte Dersch scherzhaft. Prechtl brachte Leben in die Kunst und die Kunst ins Leben - doch am Sonntagvormittag kamen alle zu ihm und seiner Kunst. Und bereut hat es niemand.

MMP zurück in der Heimat

Angemerkt von Kristina Sandig

Außergewöhnlich, sensationell, einzigartig: Superlative waren am Sonntagvormittag im Stadtmuseum zu hören. Und sie haben zweifelsohne ihre Berechtigung. Denn mit dem künstlerischen Nachlass von Michael Mathias Prechtl als Dauerleihgabe hat das Stadtmuseum etwas von unschätzbarem Wert. Der Neid anderer wird Prechtls Geburtstadt sicher sein.

"A tribute to Prechtl" bietet nicht nur Einblicke in das Werk des Künstlers, der international bekannt war als Porträtzeichner, Plakatgestalter und Buchillustrator, sondern bietet auch eine Annäherung an den facettenreichen Menschen Michael Mathias Prechtl und an sein Leben. Es war ein Stück harte Arbeit, den Nachlass zu bekommen. Doch die dafür Verantwortlichen haben nicht locker gelassen - gottseidank. Und wer durch die Ausstellung geht, sich der Kunst und dem Leben Michael Mathias Prechtls nähert, weiß, warum Superlative durchaus angebracht sind.

kristina.sandig@zeitung.org

HintergrundEigene Straße und eine große Vision
"Wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte Wolfgang Dersch und meinte damit den Förderverein Michael Mathias Prechtl, dessen Vorsitzender er ist. Zwar ist aus dem kleinen Prechtl-Kabinett eine große Dauerausstellung geworden, doch Arbeit steht nach wie vor ins Haus. Der Förderverein mit seinen knapp 80 Mitgliedern plant, ein Werksverzeichnis anzulegen und will Vorträge organisieren.

Und dann wäre da noch eine Vision: "ein eigenständiges Haus für Prechtls Werk". Dersch hatte sogleich einen Tag parat, der optimal für die Eröffnung einer solchen Einrichtung wäre: der 26. April 2026 und damit Prechtls 100. Geburtstag. Und noch ein Anliegen formulierte der Fördervereinsvorsitzende: Nach Prechtl sollte eine Straße in Amberg benannt werden. Mit ihrem Applaus taten die Gäste kund, dass auch sie dies unterstützen.

Vom Spiegel bis zur New York Times
Prechtls Illustrationen schmückten die Spiegel-Titelbilder und die New York Times. Und so verwundert es nicht, dass Stefan Kiefer, Herausgeber von "Die Kunst des Spiegel", den gebürtigen Amberger als den bedeutendsten Illustrator Deutschlands würdigte, wie Kulturreferent Wolfgang Dersch bei der Eröffnung der Dauerausstellung "A tribute to Prechtl" stolz berichtete. Und Steven Heller, langjähriger Creative Art Director der New York Times sagte laut Dersch gar: "You must know Michael Mathias Prechtl".
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