Neuer Gedichtband von Friedrich Brandl
"Inmitten meiner grünen Insel"

"Wer sich als Dichter der strengen Form des Sonetts unterwirft, bemerkt bald, dass daraus auch ein Freiraum entsteht!" Friedrich Brandl schätzt den Blick von oben. Egal, ob er auf seine Heimatstadt Amberg, von Bäumen oder von Gipfeln herunterblickt. Bild: Geiger
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
09.04.2016
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Lebt er sein Dichterleben nicht in Jahresringen? 70 wird Friedrich Brandl im Juni, und zu diesem runden Geburtstag hat sich der Kulturpreisträger des Bezirks Oberpfalz wohl das schönste Geschenk selbst bereitet. Nämlich einen neuen Gedichtband.

Von Peter Geiger

Inmitten meiner grünen Insel" heißt das Buch und darin entführt er die Leser in seinen Garten, der ihm Quell der Erholung und Selbstfindung ist. Er weitet den Blick und macht sich auf den Weg, hinauf auf Berggipfel oder am Wasser entlang. Neben freier Naturlyrik wagt Friedrich Brandl dieses Mal aber auch Neues und präsentiert drei Sonettenkränze. In den jeweils 15 Sonetten, streng und gleichzeitig liebevoll in Form gebracht, wird die letzte Gedichtzeile jeweils zum Eingangsvers des nächsten. Am Ende rundet sich das kunstvoll geknüpfte Band aus Gedichten zum Kranz. An einem sonnigen Tag im Vorfrühling hat die Kulturredaktion Brandl in seiner grünen Insel zum Gespräch getroffen.

Ein Kapitel in Ihrem neuen Gedichtband "Inmitten meiner grünen Insel" heißt: "Blick von oben". Und da schauen Sie herab auf Ihre Heimatstadt, auf Amberg. Was offenbart er denn, der Blick aus der Vogelperspektive?

Friedrich Brandl: Ja, schon Kinder krakeln so gern Bäume auf hinauf! Warum? Weil der Blick von oben eine andere Perspektive eröffnet. Und weil sich der Blickwinkel verändert, offenbaren sich plötzlich ganz andere Zugänge auf die Wirklichkeit. Weil man Abstand gewinnt. Die Dinge verändern ihre Bedeutung. Kleinigkeiten rücken in den Hintergrund. Und so tritt das Eigentliche und das große Ganze hervor. Ich genieße das. Oft genügen ja schon ein paar Meter. Es reicht, wenn man auf den Turm der Martinskirche hochsteigt. Oder auf den Mariahilfberg. Amberg sieht dann plötzlich ganz anders aus!

Was ebenfalls auffällt: Die einst sich engagiert und politisch zu Wort meldende Stimme des Friedrich Brandl berichtet nun eher Privates und Ureigenes. Was aber kein Widerspruch sein muss: Schließlich behaupteten die 68er, jegliches Private sei ja politisch ...

Vordergründig mag das vielleicht stimmen - aber schaut man genauer hin, dann glaube ich, dass ich noch immer viele politische Themen anspreche: Ob das das Verhältnis zu unseren Nachbarn in Tschechien oder Frankreich ist, insbesondere zu Ambergs Partnerstadt Perigueux, oder ob das die nationalsozialistische Vergangenheit betrifft, insbesondere im Hinblick auf unsere Nachbarstadt Nürnberg. Selbstverständlich auch Umweltzerstörung - ich denke, diese Themen sind alle da.

Ein Lyriker ist ja so etwas wie der Parfümier unter den Schriftstellern - das, was er an Essenz sammelt, passt in kleinste Gefäße. Insofern ist Ihre Ausbeute mit knapp 100 Seiten durchaus respektabel...

Ich habe die letzten Jahre an verschiedenen Themen gearbeitet. Ein Bekannter meiner Tochter hat mich mal gefragt: Warum ich immer nur über die Natur schreibe - und nicht über Städte? Ich hab' das als Anregung begriffen und mich aufgemacht, zunächst Amberg zu erkunden. Rund 30 Gedichte über meine Heimatstadt sind entstanden. Das hab' ich beibehalten, in der Folge meiner Beschäftigung mit der Goldenen Straße auch bei Aufenthalten in Paris und in Prag.

Außerdem trägt auch meine Freundschaft mit Dr. Barbara Baumann-Eisenack, der ehemaligen Leiterin des Literaturarchivs, lyrische Früchte: Sie hat mich auf die Idee gebracht, Sonette zu schreiben. Das klingt zunächst sehr altertümlich - aber nicht nur im Barock hat man sich dieser strengen Form verschrieben, auch Gegenwartsschriftsteller wie Jan Wagner verfassen sogenannte Sonettenkränze. Das war für mich eine Herausforderung: 14 Gedichte nach vorgegebenem Muster zu verfassen und abschließend ein fünfzehntes als Geschenk vorliegen zu haben, bestehend aus den jeweiligen Anfangszeilen. Im neuen Gedichtband sind drei solche Kränze enthalten: Einer ist meinem Garten, ein zweiter dem Blick von oben und ein dritter Flüssen gewidmet.

Sie haben zuletzt hochkarätige Preise erhalten. Stellt sich da Genugtuung ein?

In der "Süddeutschen Zeitung" war kürzlich von einem Lyriker der Satz zu lesen: "Ich könnte kotzen, dass ich so wenig wahrgenommen werde!" Den hab' ich mir gemerkt, weil er wohl von Herzen kam: Oft beschränkt sich das einzige Echo auf die unmittelbaren Reaktionen, die man nach Lesungen erhält. Bei mir hat sich das in der letzten Zeit Gott sei Dank geändert: Die Auszeichnungen sind eine große Freude für mich, sei es der Oberpfälzer Kulturpreis, den ich 2013 erhalten habe, oder der Brückenbauerpreis des Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee im Jahr darauf, den ich für meine kulturelle Zusammenarbeit mit Tschechien zugesprochen bekommen habe.

Sie sind Jahrgang 1946, das heißt: Sie treten heuer in ein neues Lebensjahrzehnt - und haben bereits Erfahrungen mit solchen Schwellen. Was verändert sich in der Wahrnehmung, wenn die Zahl der Jahresringe zunimmt?

Als ich 60 wurde, da dachte ich, ich könnte noch einen Marathon laufen. Wenn man dagegen 70 wird, da hat man Bammel und macht sich andere Gedanken. Weil man sich ja auch tatsächlich nicht mehr jung fühlen kann. Fürs Schreiben hat das eher Vorteile: Man will nichts mehr erzwingen, sieht vieles gelassener, auch was die Publikation der eigenen Arbeiten anbelangt. Trotzdem steht man in Verpflichtung: Wenn mein Gedichtband bei "lichtung" in einer Tausenderauflage erscheint, dann wollen die, dass ich meinen Beitrag in Form von Lesungen dazu leiste, dass das Buch auch verkauft wird.

Wie wir wissen, ruht ein Friedrich Brandl nie - und arbeitet wahrscheinlich schon wieder am nächsten Projekt?

Nein - und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Weil mich die gegenwärtigen Vorbereitungen zeitlich so beanspruchen, dass ich gar keine Gelegenheit finde, mich auch noch kreativ zu betätigen!

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Friedrich Brandl: "Inmitten meiner grünen Insel", Gedichte, mit Grafiken von Ina Meillan, 96 Seiten, 15,90 Euro, Verlag edition lichtung

LesungenFriedrich Brandl liest in folgenden Orten aus seinem neuen Buch:

Weiden: Sonntag, 10. April (11 Uhr), Kunstverein Weiden (Ledererstraße 56)

Amberg: Freitag, 29. April (20 Uhr), Stadtbibliothek. Musik: Mike Reisinger

Amberg: Freitag, 17. Juni, Feier für Friedrich Brandl zum 70, Geburtstag, Stadtbibliothek.

Regensburg: Donnerstag 14. Juli (20 Uhr), Naturkundemuseum.

Weitere Informationen: www.brandl-amberg.de
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