Neues zwischen Kino und Kirche

Die Stunden, die sie in die Neuplanung des ehemaligen Bürgerspitalareals investierte, hat Anja Trometer nicht gezählt. Allein an diesem Modell habe sie etwa zwei Wochen lang gearbeitet. Die Gebäude sind aus Holz geschnitzt, die Bäume waren einst Teile von Büschen.

Im Prinzip könnte es sich die Stadt leicht machen. Bei der Planung für das ehemalige Bürgerspitalareal und der Nutzung des Forum-Leerstands müsste sie einfach nur Anja Trometer fragen. Die Architektin (25) hat für ihre Masterarbeit eine Machbarkeitsstudie gefertigt und Strategien entwickelt. Mit zum Teil überraschenden Ideen.

Ursprünglich wollte Anja Trometer, die am Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium ihr Abitur bestand und in Würzburg Architektur studierte, sich bei ihrer Masterarbeit auf das ehemalige Bürgerspitalareal konzentrieren. Schnell habe sich dabei aber herausgestellt, dass eine seriöse Betrachtung auch Forum, Ring-Theater und die Parkplatzfrage beinhalten müsse. Trometers erste Erkenntnis: "Eine öffentliche Tiefgarage ist kaum möglich und wenig sinnvoll."

Das Verkehrsaufkommen in Ziegelgasse und Spitalgraben würde sich teilweise um 40 bis zu 100 Prozent erhöhen. Die oft gehörte Beschwerde, in der Altstadt gebe es zu wenig Stellplätze, kann die 25-Jährige nicht nachvollziehen: "Wenn ich in die Stadt fahren muss, bekomme ich immer einen Parkplatz. Schlimmer ist's am Mariendeck." Sinnvoller sei es, die Autos in die bestehenden Tiefgaragen zu lenken, um zwischen Kino und Forum das entstehen zu lassen, was die Ambergerin "Wohnen und arbeiten am Kultur-Quartier" nennt.

Konkret sähe das so aus: Auf der jetzigen Brache könnten vier nur durch die Quartiersgarage verbundene, baulich voneinander getrennte, Gebäude entstehen. Anja Trometers Arbeit besteht aus drei unterschiedlichen Nutzungskonzepten, wovon "Wohnen und Arbeiten am Kultur-Quartier" bis ins Detail geht und sogar die Grundrisse der vorgesehenen 24 Wohnungen zeigt, die zwischen 40 und 120 Quadratmetern groß wären. Bevor die Ambergerin so weit war, erstellte sie eine Standortanalyse und berechnete den Flächenbedarf.

Baureferat kann umziehen

Auf Platz eins landeten die Dienstleistungen (2500 bis 3440 Quadratmetern), gefolgt vom Baureferat (2000 bis 2300 m2), das ins Forum umziehen und am jetzigen Standort Steinhofgasse Platz für die Militärhistorische Sammlung der Leopoldkaserne machen könnte. Für den klassischen Einzelhandel sieht Trometer 3300 bis 8670 m2 vor, wobei ein Vollsortimenter mit den marktüblichen 1200 Quadratmetern nicht infrage käme: "Der wäre da fehl am Platz." Die Hälfte, sprich 600 m2, würde ausreichen. Wichtig sei, dass dort ein Café oder eine Art Markthalle entsteht, jedenfalls müsste es ein Einkaufserlebnis werden, "damit man nicht nur durch enge Regale läuft".

Für Gastronomie-Betriebe veranschlagt die angehende Architektin 600 bis 1540 m2, für kulturelle Einrichtungen 780 bis 840 m2. Komplettiert wird das Konzept von einer Idee von Baureferent Markus Kühne, die Trometer eingearbeitet hat - der Umzug der Tourist-Info vom Hallplatz in die Spitalkirche: "Das würde dort auch räumlich passen." Die 25-Jährige hat's ausgerechnet. Um optimale Arbeitsbedingungen zu haben, müssten für das Personal 300 bis 360 Quadratmeter einkalkuliert werden. Die Kirche könne das bieten.

Lieber kein neues Hotel

Eine Absage erteilt die Ambergerin, die bei der Architekten-Gemeinschaft Eberhardt Vogl Hirsch tätig ist, dem Bau eines modernen Hotels, da dieses den bestehenden Gästehäusern nur unnötige Konkurrenz bescheren würde.
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