"Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen." Das wusste bereits der römische Philosoph Augustinus.
Beim Sauna-Fest der Volksmusik

Unterschiedlicher könnten Typen kaum sein. Als Individuen sind die Jungs der fränkischen Gankino-Circus-Gruppe schon klasse. Als Team aber sind sie noch besser. Das bewiesen sie am Dienstagabend beim Sommerfestival im Innenhof der Stadtbibliothek. Bild: Hartl
Und wie sie brannten, die vier Franken vom Gankino Circus. Beim ausverkauften fünften Sommerfestival steckten sie das Publikum mit ihrer Begeisterung an. Und das ziemlich schnell.

Im Innenhof der Stadtbibliothek gab es keinen freien Platz mehr. Die Oberpfälzer zeigten gar keine Berührungsängste vor den vier musikalisch aufregenden Herren aus dem mittelfränkischen Dietenhofen, die sich den exotisch klingenden Namen Gankino Circus gaben. Und "a bissl a Zirkus", wie ein Besucher in der Pause meinte, war dann ja auch ihr Auftritt: eine Mischung aus Bierzelt-Kerwa-Seligkeit, Balkan-Beat und Rock'n'Roll, Gesang mit fränkisch-finnischen Urlauten und einem Stück aus Fernost, mit Bläserfanfaren, Gitarrenkunst-Stückchen, heißen Rhythmen und gnadenlos komischen Geschichten.

Seit der Schulzeit

Im Wirtshaus vom Großvater hätten sie das Musikmachen gelernt, die Vier, die sich schon seit der Schulzeit kennen. Übrigens, der Bandname beruht auf dem bulgarischen Tanz Gankino. Jeder der vier sehr unterschiedlichen Typen explodierte auf seine Weise: Maximilian Eder, "aus der Dynastie der Eders", mit Spitzbärtla und Haarschwanz unterm Hut und einer Vorliebe für finnische Volkslieder, gefiel als Akkordeonspieler und überzeugte mit seinem Solo auf der fränkischen Rahmentrommel. Vielsagender Titel der Eigenkomposition: "Holt die Wölfe aus dem Wald zurück!"

Mit Oberlippenbart

Simon Schorndanner, der weitgereiste Arztsohn mit Oberlippenbärtla und figurbetontem Second-Hand-Anzügla, bearbeitete Saxofon, Klarinette und Orchestertriangel auf höchst professionelle Weise, um schließlich die Frage aller Fragen zu stellen: "Wo ist denn das Gerchla?"

Vielleicht war damit ja der Drummer Johannes Sens gemeint? Der ging mit seinem "hochkomplizierten, selbst gemachten Schlagzeugsolo für das Sauna-Fest der Volksmusik physisch und psychisch an die Grenzen des Vorstellbaren". Mit Bravour legte er dabei einen Show-Striptease à la Chippendales hin, bis sein Hemd ins jubelnde Publikum flog. Das wiederum hatte Ralf Wieland fest im Griff, genauso wie seine Gitarre. Er war es, der unnachahmlich im unsäglichen Blockstreifen-Hemd durchs Programm führte, der Dorfgeschichten erzählte und die Mitmachnummer erklärte. Er griff gekonnt und voller Ekstase in die Saiten und kitzelte erbarmungslos die Lachmuskeln des Publikums.

"Sexy Kerwa alla Johr"

Mit Dorfgeschichten von der "alten Kath", die auch noch einen Mann abkriegen wollte, vom "Madla, des net danzen kann" oder von der "sexy Kerwa alla Johr" unterhielt er die begeisterten Besucher, die nicht genug kriegen konnten von diesem außergewöhnlichen und mitreißenden Gankino-Feuerwerk. Ein Super-Sommerabend - mit und ohne Verstärker.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.