"Nussknacker" traumhaft erzählt

Mit tänzerischem Können und einer klassischen Choreographie erfreute das "Russische Klassische Staatsballett" die Besucher mit dem "Nussknacker" im Amberger ACC. Bild: Huber

Er passt in die Weihnachtszeit wie der Radetzkymarsch zum Wiener Neujahrskonzert. Die Rede ist vom "Nussknacker", dem letzten Ballett von Peter Tschaikowsky. Das Russische Klassische Staatsballett kam auf seiner Tournee durch deutsche Städte rechtzeitig noch vor dem Fest nach Amberg.

Im Congress-Centrum (ACC) präsentieren die Tänzer das wohl schönste der drei Tanzstücke des russischen Komponisten, wobei "Dornröschen" und vor allem dem "Schwanensee" der Status eines Meisterwerks nicht abgesprochen sein soll. Seit mehr als einem Jahrhundert zieht der 1892 uraufgeführte "Nussknacker" die Menschen - und vor allem auch die Kinder - in seinen Bann. Auf einem Märchen von E. T. A. Hoffmann basierend, wird der hölzerne Held von unzähligen Choreografen auf die Bühne gebracht. Angefangen vom genialischen Marius Petipa, der das erste Libretto verfasst hat bis hin zu Konstantin Iwanow, der für die Inszenierung, die nun in Amberg zu sehen war, verantwortlich zeichnet.

Mit viel Gespür

Seine Choreographie hat genügend Substanz und ist mit ihrer ausgewogenen Mischung aus klassischen und moderne Einflüssen sicher bald auf der Liste der Weltbesten zu finden. Iwanov gelingt es, das klassische Nummernballett des 19. Jahrhunderts mit dem Erzählfluss des Handlungsballetts des 20. Jahrhunderts zu vereinigen, ohne dass dabei stilistische Brüche entstehen.

Die moderaten Modernismen sind mit viel Gespür für das Ganze integriert und fallen nicht aus dem Rahmen, weil die Choreographie insgesamt recht konservativ angelegt ist und mehr unterhalten will als nachdenklich machen. Dabei erscheinen die traditionellen Rollenmuster - Mädchen spielen mit Puppen, Jungen mit Zinnsoldaten - in unserer Zeit schon reichlich antiquiert

Über die ausführenden Tänzer könnte man seitenlange Lobeshymnen ausbringen. Bestens ausgebildet, mit viel Talent für Ästhetik und Akrobatik ausgestattet, erfüllen sie ihre Aufgabe, den Figuren leben einzuhauchen, mit viel Engagement. In ihren fantasievollen Kostümen erlauben sie einen Blick zurück ins vorvergangene Jahrhundert und die Weihnachtsbräuche im alten Mütterchen Russland, die unseren gar nicht unähnlich sind.

Mit "Action" angereichert

Während bei der Weihnachtsfeier im Hause des Medizinalrats Stallbaum die erzählerische und darstellende Komponente im Vordergrund steht und die Bühnenfiguren einiges an pantomimischer Darstellung zeigen, ist der von Mascha geträumte Kampf des tapferen Nussknackers mit seinen Zinnsoldaten gegen den grauslichen Mäusekönig hoch dramatisch choreografiert und mit viel "Action" angereichert. Die glutrote Beleuchtung tut ein übriges dazu, eine unheimliche Stimmung zu schaffen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts breitete sich in der klassischen Musik - hier vor allem in Bühnenproduktionen wie Oper und Ballett - die Mode des Exotismus aus, von der sich auch Tschaikowsky anstecken ließ.

Im zweiten Teil des "Nussknackers" richtet er eine kleine Suite mit fremdländischen Tänzen ein, in der die besten Mitglieder des Ensembles in einer Reihe von Pas de deux glänzen können und dabei gleich mehrere Höhepunkte der klassischen Tanzkunst hintereinander bieten. Zum Blumenwalzer vereinigen sich die Solisten wieder mit dem Corps de ballet und leiten damit ein festliches Finale ein.

Das Russische Klassische Staatsballett hat mit der Aufführung von Tschaikowskys Nussknacker nicht nur eine Choreographie für Kenner und Freunde der Tanzkunst geboten, sondern auch Zuschauern, die nur gelegentlich Theateraufführungen besuchen, einen im wahren Wortsinn traumhaften Ballettabend beschert.
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