"Opern auf Bayrisch" in Amberger Stadttheater
Ein Abend - vier Opern

Die "Opern auf Bayrisch" begeisterten das Amberger Publikum mit bekannten Opern - allerdings bayerisch angehaucht. Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
10.02.2016
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Das Rosenmontagskonzert im Amberger Stadttheater bringt gleich vier Opern auf die Bühne. Dass diese Aufführung aber nicht wie jede andere ist, zeigt schon der Name des Ensembles: "Opern auf Bayrisch".

Den Bayern wird oft nachgesagt, dass sie nicht gerade viel reden und nur mit kurzen, aber treffenden Sätzen kommunizieren. Das kann manchmal von Vorteil sein. Beispielsweise werden große Opern in bavarisierter Form zur kurzweiligen Abendunterhaltung und man kann deren gleich vier an einem einzigen Theaterabend genießen.

Und unter den vieren, die am Rosenmontag im Amberger Stadttheater "aufgeführt" werden, sind sogar noch zwei von Richard Wagner, die im Original schon mehr als abendfüllend sind. Die Nach- beziehungsweise Neu-Dichtungen der großen Musikdramen in bayerischer Mundart stammen aus der Feder von Paul Schallweg, der die ach so tragischen Geschichten in lakonischen Versen, mit viel schwarzem Humor und noch mehr Sprachwitz in sein alpenländisches Heimat-Idiom übertrug.

Die Lesung derselben erfolgt durch ein Schauspieler-Trio, das dafür kaum geeigneter sein könnte. Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg spielen sich als Erzähler oder Darsteller einzelner Charaktere die Spaßbälle zu, und das in einem Tempo, das auch wesentlich zur Verkürzung der ursprünglichen Aufführungsdauer beiträgt. Dabei amüsiert sich das Dreigestirn selbst offensichtlich genauso wie das Publikum.

Bayerische Untertitel


Schon die Untertitel der "Opern" weisen darauf hin, was in den nächsten knapp zwei Stunden zu erwarten ist: "Der Lohengrin von Wolfratshausen - oder: Weil d'Weiber oiwei ois wißn müasn" und "Die Meistersinger von Miesbach - oder: Wia der Oberförster Stolz den Stadtschreiber Beck ausgstocha hat" und zum Auftakt das wohl bekannteste "Liebesdrama am Nil", nämlich Giuseppe Verdis "Aida". Und wie die drei Schauspieler den eh schon höchst belustigenden Reimen Leben einhauchen, ist höchst sehenswert. Ein unnachahmliches Kabinettstückchen ist Gerd Anthoffs Monolog des betrunkenen Telramund aus "Lohengrin".

Beim Lohengrin zeigt auch das Ensemble "Opern auf Bayrisch" unter der Leitung von Andreas Kowalewitz, dass es in der hehren Kunst der klassischen Musik ebenso zu Hause ist, wie in den Niederungen der Wirtshausunterhaltung. Wie die Musiker die feinen Streicherklänge des Lohengrin-Vorspiels auf ihren Blasinstrumenten intonieren, hat schon ganz große Klasse.

Für die Musikfreunde in der Zuhörerschaft stellt die Truppe auch ein paar kleine Rätsel auf. Denn nicht nur Wagners und Verdis Partituren liefern den Grundstock für die praktische Aufführung ihrer Werke, da wird alles mögliche zusammengemischt und kräftig durchgeschüttelt. Kleine Anleihen von anderen großen Komponisten sind eingestreut, ob sie nun passen oder nicht. Und was nicht passt, wird passend gemacht.

Melodien aus der Wunderwelt des Schlagers und volkstümliche Weisen wechseln sich oft recht plötzlich mit den hehren Klängen der hohen Opernliteratur ab. Und wenn dann auch noch der Schlagwerker Werner Hofmeister seinen Einsatz hat, sind die Lacher garantiert. Als Schlagzeug möchte man sein Instrumentarium eigentlich nicht bezeichnen, denn außer Triangel und Trommel sind so gut wie keine klangerzeugenden Gerätschaften dabei, die bisher Eingang in die klassische Musik gefunden haben. Stattdessen malträtiert er Kochtöpfe und Pfannen oder auch Stiefelabsätze mit dem Schusterhammer - seiner Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Kurzweiliger Abend


So kurz die Werke auf dem Programmzettel auch sind, noch kürzer ist die Zugabe. Nicht der scherzhaft angekündigte Wagner'sche "Ring des Nibelungen" wird zu Gehör gebracht, sondern eine gerade mal zehnminütige Version von Giacomo Puccinis "Madam Butterfly". In der Staatsoper wären die vier Werke zusammen - ohne Pausen - mindestens zwölf Stunden lang gewesen, im Amberger Stadttheater sind sie wesentlich kürzer - und vor allem kurzweiliger.
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