Orgelkonzert von Paolo Oreni
"Orgel spektakulär"

Paolo Oreni ist ein Virtuose an der Orgel. Er begeisterte das Publikum beim Orgelkonzert in der Kirche Sankt Konrad. Bild: Donhauser
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
08.02.2016
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Fasching, Faschingssonntag, Sonntagabend. Helau-Alaaf-Tinnitus in den Ohren. Oh Sankt Konrad hilf! Er hilft aus der Not mit einem Konzert des international renommierten Organisten Paolo Oreni (*1979) aus Treviglio bei Mailand. Ammersricht Oho! Dem vor Temperament sprühenden charmanten Musikus glückt ein leidenschaftlicher, hinreißender Auftritt in der Kirche Sankt Konrad.

70 Minuten lang verzichtet Oreni auf Notenlesen, er hat sie ja im Kopf, da braucht man auch nicht umzublättern. Schon beim einleitenden Kanon von Bachs Toccata und Fuge F-Dur BWV 540 - virtuos angegangen, mit pianistischer Anschlagsfinesse artikuliert, klar phrasiert - liegen die Karten offen auf dem Spieltisch: Hier agiert ein Solist von herausragendem Rang.

Spaß am Spielen


Hemmnisse und Klippen spieltechnischer Art scheint es für ihn nicht zu geben. Brillant, voll optimistischer Kraft die Toccata. Gelassen und vokal empfunden das erste Fugenthema im stile antico, es darf bei der Doppelfuge eine glückliche Lebensgemeinschaft mit dem übermütigen zweiten eingehen. Spaß am Konzertieren, am Spielen mit dem feurigen Geist der Musik beflügelt die Interpretation des Bach-Concerto in D nach Vivaldi. Oreni kommt eben nicht aus einer von Fleiß, Pflicht, Mühe und Arbeit geprägten deutschen Kantorentradition, die bisweilen Inspiration und Esprit ausbremsen kann. Frei von professoralem Mief scheint Bachs Bearbeitung von italienischer Sonne und Lebensfreude durchströmt. Oreni erhielt von dem legendären Jean Guillou in Paris die höchsten Weihen des Orgelspiels. Bei Charles-Marie Widors selbstbewusst-glänzendem Allegro aus der 6. Sinfonie fährt er die Ernte ein: Mit hochexpressiver Agogik gestaltet er die Melodien, gibt ihnen Raum und Struktur, das ist meilenweit entfernt von schulmeisterlichem Exerzieren von Halben, Vierteln und Achteln. Widors Musik glüht, ergreift und reißt mit.

Gelungene Improvisation


Zum Höhepunkt läuft Liszts "Prometheus" auf: Einer für alle, ein Organist statt 100 Orchestermusiker. Die Charakterzüge des Prometheus erstehen auf wie Liszt sie beschrieb: Tragisches Schicksal, Kühnheit, Leiden, Ausharren, Glaube an Befreiung, Erlösung, Verklärung. Einem Naturereignis gleich wirkt die stupende Pedaltechnik Orenis - sie bewegt sich auf einsamer Höhe.

Eine Improvisation darf nicht fehlen: Auf Zuruf gestaltet er das Lied "Großer Gott wir loben dich", nicht schematisch als Thema mit Variationen, sondern als launiges Spiel mit Motiven, dem Tag angemessen gewürzt mit einem kräftigen Schuss Witz und einer Prise Ironie. Das ebenbürtige Werkzeug für die Ansprüche Orenis ist die enorm vielseitige Sandtner-Orgel, die auch er nicht an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringt, die Windversorgung hat zu reichliche Reserven. Standing Ovations, Zugaben.
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