Ovationen für begeisternde Operngala

Etwa 100 Sänger standen auf der Bühne: 60 Studierende der Berufsfachschule für Musik (BfM) in Sulzbach-Rosenberg vereint mit 40 Mitgliedern der "Amberger Chorgemeinschaft". Zur instrumentalen Unterstützung hatte Dieter Müller im ACC das Sinfonieorchester Bohemia Prag engagiert. Bild: Hartl

Mit Superlativen sollte man vorsichtig sein. Aber was dem Publikum im ACC mit der "Operngala" geboten wird, ist begeisternd. "Große Operngala für Soli, Chor und Orchester" war auf dem Programmheft angekündigt, aber die Erwartungen des Publikums werden übertroffen.

Dirigent Dieter Müller ist zu beneiden. Er kann aus dem Vollen schöpfen. Etwa 100 Sänger standen auf der Bühne: 60 Studierende der Berufsfachschule für Musik (BfM) in Sulzbach-Rosenberg vereint mit 40 Mitgliedern der "Amberger Chorgemeinschaft". Das ist eine Mischung, die den stimmlichen Anforderungen der großen Opernchöre gerecht wird.

Oft werden sie unterschätzt, aber wer als Chorsänger etwa Verdis Zigeunerchor aus "Troubardur" gesungen hat, weiß, dass die Opernliteratur mindestens so anspruchsvoll ist wie die der großen Oratorien. Deshalb gilt dem Chor ein großes Kompliment. Ganz geschickt wird auf die ständig zu hörenden Chöre verzichtet. Stattdessen erklingen Schubert, Smetana, Donizetti und Bellini, als "Tribut" an die Zuhörer Verdis "Zigeunerchor" aus dem "Troubadour" und als Schlusspunkt die kraftvoll-hinreißenden Chöre der "Polowetzer Tänze" aus Borodins "Fürst Igor". Schon bei Schuberts selten zu hörendem Hirtenchor aus "Rosamunde" zeigt sich die Qualität des Chores und die Wirksamkeit der intensiven Stimmbildung an der BfM.

Begeisternder Auftakt

Die jungen Soprane leuchten in strahlendem Glanz bis zum hohen C, runde, bewegliche Altstimmen ergänzen den Frauenchor. Die Tenöre und Bässe der beiden Chöre stehen dem in nichts nach. Ein begeisternder Auftakt. Beschwingte Leichtigkeit prägt "Seht am Strauch die Knospen spriessen" aus Smetanas "verkaufter Braut". Toll in der Gestaltung der Chor der Diener aus Donizettis "Don Pasquale", mit martialischer Kraft der Kriegerchor aus Bellinis "Norma", eindrucksvoll gelungen die resignativ-düstere Stimmung aus "Macbeth" von Verdi und mit begeisternder Dramatik präsentiert der "Zigeunerchor". Stets fasziniert der Chor durch die Ausgewogenheit der strahlenden Soprane mit den beweglichen Altstimmen und den gut disponierten Männern. Einen solchen Chor zu hören und zu erleben, ist ein Genuss. Zur instrumentalen Unterstützung hatte Dieter Müller das Sinfonieorchester Bohemia Prag engagiert.

Mit der Eingangs-Ouvertüre aus Schuberts "Rosamunde" überzeugt das Orchester durch klangliche Ausgewogenheit. Saubere Hörner, geschmeidige Streicher und gute Holzbläser prägen den Orchestercharakter, der durch gelegentlich hartes Blech kleine Trübungen erfährt. Sympathisch wird ein Profi-Orchester auch dadurch, dass es vor rhythmischen Unkorrektheiten nicht gefeit ist. Im Zusammenspiel mit Chor und der Solistin hat aber Dieter Müller mit klarem, prägnanten Dirigat das Heft des Handelns stets in der Hand.

Aus den Reihen der jungen Sängerinnen moderieren Rachel Müller und Sarina Wagner charmant durch das Programm und bringen so die einzelnen Stücke zusätzlich zur Geltung. Solo-Darbietungen dürfen bei einer Opern-Gala nicht fehlen. Hier ist die Sopranistin Hannah Zitzmann in mehrfacher Hinsicht eine gute Wahl. Ihre Berufung zur Opernsängerin erfuhr sie in der Ausbildung an der Berufsfachschule für Musik. So ist sie den gegenwärtigen Studenten ein Beispiel, welche Möglichkeiten die Ausbildung dort bietet. Als Sängerin überzeugt sie im ACC vor allem in den romantischen Arien. Rusalkas Lied an den Mond aus Dvoraks "Rusalka", von ihr in schlichter Innigkeit intoniert und zu dramatischen, strahlenden Höhen geführt, ist schon beeindruckend.

Zwei Zugaben

Aber eine Steigerung gelingt ihr noch in zwei Puccini-Arien, nämlich aus "Gianni Schicchi" und mit der berühmten Arie der Mimi aus "la Boheme". Diese Präsentation ist in ihrer stimmlichen Emotion, der gesunden Sentimentalität und der gelungenen dramatischen Gestaltung einfach begeisternd. Mit den "Polowetzer Tänzen" aus Borodins "Fürst Igor" wird der Chor noch einmal an die Grenzen seiner Möglichkeit geführt, die aber mit Leidenschaft, Feuer und Kraft bewältigt werden. Riesen Applaus beschert zwei Zugaben. Die Zuhörer verlassen das ACC mit dem Bewusstsein, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben.
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