Ovationen für Evita
Musicalabend im Stadttheater Amberg

Das Musical Evita ist ein Klassiker. Das "Alte Schauspielhaus Stuttgart" brachte ihn in Amberg überzeugend auf die Bühne. Bild: Wolfgang Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
16.10.2016
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Seit seiner Uraufführung 1978 fasziniert Loyd Webber's Musical "Evita" das Publikum. Auch im restlos ausverkauften Stadttheater Amberg?

Dieses Musical kommt an. Es fesselt und berührt das Publikum. Das "Alte Schauspielhaus Stuttgart" bereitet dem Publikum großartige Momente. Die Schilderung des Lebens der "Evita" genannten Maria Eva Duarte de Peron gerät in einer losen, fließenden Folge von eindrucksvollen Szenen zu einer ganz starken Präsentation. Andrew Loyd Webber und sein Texter Tim Rice zäumen die Story gewissermaßen vom Ende her auf. Ausgehend von der Todesnachricht und dem pompösen Begräbnis werden in einem Rückblick die Stationen des Aufstiegs und des letztlichen Scheiterns der von ihren Anhängern als Santa Evita verehrten Eva Peron aufgezeigt. Neben "Evita" wurde in das Musical eine zweite Hauptperson eingefügt:"Che", (was in Deutsch soviel heißt wie "Bursche" oder "Junge") übernimmt als Vertreter des argentinischen Volkes die kritische Kommentierung der dargestellten Lebensstationen.

Aufstieg und Fall


So erlebt man im ersten Akt den Aufstieg Evas, die keine Skrupel hat, um über wechselnde Liebhaber "nach oben" zu gelangen, um schließlich Juan Peron zu begegnen. Beide spüren, dass sie einander nützlich sein können, und Eva wird Perons Geliebte. Im zweiten Akt werden Macht, Glanz, Aufstieg, aber auch Misserfolge der inzwischen zur Präsidentengattin aufgestiegenen Evita gezeigt. Die Stationen ihrer "Regenbogen-Tour" sind zu sehen, insbesondere die brüske Ablehnung durch die englischen Adligen, ihr Bemühen, auch als "normale" einfache Frau zu wirken, die ständigen Auseinandersetzungen mit den Militärs und der Aristokratie und letztlich ihre Krankheit und ihr Tod. Diese Präsentation lebte von den Darstellern. Vor allem aber die Einfälle der Regie (Ulf Dietrich) waren oft verblüffend und effektvoll. Die Idee, historische Filmeinblendungen des Begräbnisses auf die Bühne zu projizieren- in Anbetracht der kleinen Amberger Bühne absolut wirkungsvoll. Überhaupt waren Lichtregie und Personenführung gelungen. Die neun Musiker im Orchestergraben brachten Webbers voluminöse, immer die Situationen charakterisierende Musik toll (verstärkt) zum Klingen. Dass die Musik oft, bei den Songs der handelnden Personen, etwas zu üppig geriet, war einziger (kleiner) Makel der Aufführung. Denn die Darsteller waren insgesamt große Klasse.

Evita ideal besetzt


Stephanie Theiß als Evita war dabei eine ideale Besetzung. Die Wandlung vom 15 jährigen, noch "verspielten" Girl zur berechnenden, die Macht auskostende Präsidentengattin gelang ihr sowohl darstellerisch wie auch singend großartig. Manche ihrer Songs ("Dont cry vor me Argentina" gingen unter die Haut. Ihr nicht nach stand Manuel Lopez als Che, der beweglich, in engagierter kritischer Kommentierung der Stationen Evitas singend und spielend ein absoluter Aktivposten war. Sehr eindrucksvoll gestaltete Alice Macura die Rolle der von Evita verdrängten Geliebten Perons. Deren resignierender Song war in seiner intimen Naivität einfach stark, allerdings vom Orchester zu laut untermalt.

Besondere Akzente


Gleichfalls ohne Abstriche konnten Michael Hiller als Peron und Ramin Dustdar als Magaldi überzeugen. Einen besonderen Akzent setzte stets das Ensemble. Ob in den Tanzszenen, als aristokratische Adlige, oder als Kinobesucher - in wechselnden Kostümen trugen sie zur tollen Aufführung bei. Und ihr a-capella-gesungener "Schmähchor" gegenüber Evita bei deren Englisch-Besuch eine Spitzenleistung.
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