Papierfliegertag im Luftmuseum
Ein Ingenieur hebt ab

Volles Rohr für super Flieger: Dieter Michael Krones selbst konstruierte Maschine besteht aus 3D-Druckerbauteilen, die er am PC entworfen hat. Die Idee kam ihm, als er für eine Veranstaltung 500 Flieger basteln sollte. Für ein ordentliches Exemplar braucht man etwa drei Minuten, wenn man es per Hand faltet. Mit seinem Apparat ist der Ingenieur um ein Vielfaches schneller - wenn es keinen Papierstau gibt. Bilder: tat (3)
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
18.05.2016
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Ausgeklügeltes Papierfalten ist nur die halbe Miete. Ganz wichtig ist auch die richtige Wurftechnik. Das hier sieht schon mal ganz gut aus!

Kinder lieben sie, getroffene Haustiere eher weniger. Aber kaum einer schafft es, Papierflieger wirklich weit fliegen zu lassen. Dieter Michael Krone weiß, wie man das macht.

Krone ist absoluter Spezialist auf diesem Gebiet. Damit war er genau der richtige Gast beim Papierfliegertag im Luftmuseum.

Krone hat eigentlich angewandte Mechanik studiert. Er beschäftigt sich aber hobbymäßig schon so lange mit der Papierfliegerei, dass er fast 60 eigene, natürlich flugtaugliche Modelle entwickelt hat, eine eigene Seite im Internet betreibt und Bücher zum Thema verfasst hat. Schon zu Beginn des Papierfliegertags strömten entsprechend viele Kinder mit ihren Eltern ins Eichenforstgäßchen.

Besonders die Kleinen stürzten sich gleich auf das bunte Papier: Sie falteten und knickten, angeleitet von Dieter Michael Krone, die ersten Papierflieger. Nachdem die fertigen Flugobjekte perfekt eingestellt waren, hielt die jungen Konstrukteure nichts mehr auf ihren Plätzen und sie eroberten jubelnd und hüpfend mit ihren Kreationen den bodennahen Luftraum.

Mit Luft nach oben


Manche waren aber noch nicht so ganz zufrieden. "Den hab ich mir zeigen lassen. Der fliegt ganz gut, aber da knickt die Spitze so schnell um", meinte Leni. Konstantin, der schon einige Erfahrung als Papierfliegerkonstrukteur hat, bastelte zusätzlich noch weitere Modelle: "Dieser hier kommt eigentlich zurück und deswegen muss man ihn weit hinten halten." Sogar der Chef persönlich war sehr angetan von dieser Faltkunst.

Ob fortgeschrittener Papierkünstler oder Anfänger mit noch viel Luft nach oben - die Kinder und auch ihre Eltern hatten unglaublich Spaß daran, ihre Exemplare einfach segeln zu lassen und sich gemeinsam mit dem Düsseldorfer Ingenieur auch an ganz spezielle Flieger wie den Himmelskönig zu wagen.

Physikinteressierte Väter kamen auch in Sachen Theorie auf ihre Kosten und fachsimpelten mit Krone über die Fliegerei. Sogar Schaulustige ließen sich durch das bunte Treiben anstecken. In vermeintlich unbeobachteten Momenten schnappte sich der eine oder andere einen der bunten Flieger und versuchte sich selbst als Pilot. "Das ist wie früher, als wir so Dinger aus Zeitungspapier gefaltet haben", erzählte ein Passant.

Geht auch automatisch


Doch nur zum Papierfalten waren die Besucher nicht gekommen: Für den Nachmittag hatte Johanna Foitzik, die Volontärin des Luftmuseums, einen Flugwettbewerb angesetzt. In drei Altersklassen durften die Konstrukteure zeigen, was sie gelernt hatten. Interessanterweise waren die Erwachsenen kaum besser als Sechsjährige. Mit Weiten um die zehn Meter konnten die Besten recht zufrieden sein, auch wenn sich die Flieger gern mal völlig anders orientierten.

Ein besonderes Schmankerl hatte sich Krone bis zum Schluss aufgehoben: Seine Papierfliegerfaltmaschine war der absolute Renner. Die wie ein Maschinengewehr gestaltete Apparatur faltet und wirft die Flieger wie am Fließband aus - Dutzende in der Minute. Wenn es keinen Papierstau gibt.

Drei FragenFalten Sie eigentlich noch täglich Papierflieger?

Michael Krone: Täglich nicht, aber doch schon regelmäßig.

Wie weit war Ihr bisher bester Papierflug?

Ich bin kein guter Werfer, das muss ich dazu sagen. Ich bin schon immer froh und glücklich, wenn ich so 25 bis 30 Meter schaff' - dann freu ich mich sehr.

Haben Sie zu Hause einen eigenen Hangar?

Ich habe ein paar Flieger, vor allem neue Modelle, an denen ich gerade arbeite, die ich dann bei mir rumliegen habe - in verschiedenen Regalen. Aber in der Regel kann man Papierflieger nicht gut aufbewahren: Papier altert und nimmt Wasser aus der Umgebung auf. Nach einer gewissen Zeit werden die Falten einfach lappig.

Tipps vom Profi


"Papierflieger sind zwar ein Spielzeug, aber sie sind natürlich Technikspielzeug: Da hilft es immer, wenn man ein bisschen genauer ist", erklärt Dieter Michael Krone. Neben sorgfältigem Falten ist das Material wichtig. Der Ingenieur empfiehlt normales DIN-A4-Druckerpapier, 80 oder 100 Gramm schwer. Für einen einfachen Papierflieger braucht man nur sieben Knicke:

  • Blatt hochkant nehmen und in der Mitte der Länge nach falten.

  • Die beiden oberen Ecken zur Mitte falten (Häuschen). Tipp: Einen winzigen Spalt lassen!

  • Die schrägen Kanten nehmen und ebenfalls zur Mitte falten, dabei wieder einen Spalt lassen.

  • Die linke Seite entlang der Mittelfalz auf die rechte Seite falten.

  • Für die Tragflächen die kurze, obere Seite exakt auf die untere, lange Seite falten.

  • Jetzt kommt die Kür: "Die Tragflächen dürfen nicht traurig nach unten hängen", betont Krone - "sie müssen nach oben gucken". So erst fliegt der Flieger stabil.

  • Damit der Schwerpunkt optimal ist, muss man den Flieger trimmen. Dazu die Tragflächen hinten etwas nach oben biegen. Wer jetzt seinen Flieger ziemlich weit vorne fasst und mit Gefühl wirft, wird weit kommen.

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