Park-Kino Amberg: Schließung nach 80 Jahren
Kinobetreiber zieht den Vorhang zu

Andreas Wörz gewährt Einblicke in den Vorführraum. Dieser ist sozusagen die cineastische Schaltzentrale. Bild: Huber

Das Park-Kino schließt nach fast 80 Jahren. Geschäftsführer Andreas Wörz erzählt von der Geschichte des Gebäudes, vom Hausgeist, von der nationalsozialistischen Architektur und den zahlreichen bezaubernden Streifen, die über die Leinwand flimmerten.

"Hui Buh" - die Entstehungsgeschichte ist gespenstisch filmreif. So, wie es sich für ein Kino gehört. In diesem Fall ist es das Park-Kino. Das hat einen Hausgeist. So drückt es zumindest Andreas Wörz liebevoll aus. Das 1938 erbaute Gebäude ist auf einem Grab errichtet worden. Wörz vermutet, dass die Leiche nicht in den Klostermauern Ambergs beerdigt werden durfte.

Wörz' Wohnzimmer

Es ist eine von vielen Anekdoten. Wörz erzählt sie, während er auf einem Sessel vor Saal 3 sitzt. Eine Frau unterbricht das Gespräch. Sie fragt nach einem Marilyn-Monroe-Poster. Wörz ist im Besitz vieler solcher Schätze. Den Bestand wird er voraussichtlich auflösen. Das Interview mündet schnell in ein ungezwungenes Gespräch mit wohliger Atmosphäre. Es ist ein wenig so, als wäre man bei jemandem zu Hause zu Besuch. Tatsächlich ist es nicht übertrieben, das Park-Kino als Wörz' Wohnzimmer zu bezeichnen. Zumindest eines von zweien. Das Ring-Theater ist ebenfalls im Familienbesitz des Kinobetreibers. Viele Erinnerungen hängen an den beiden Gebäuden. Schon als Kind steht Wörz im Vorführraum und blickt in den Saal hinunter. Wenn er an diese Zeit denkt, schnauft er durch und stöhnt: "Aaaahhh, die Kaugummis." Er erinnert sich, wie er die klebrigen Dinger von den Sitzen popelte. Er erinnert sich auch an die animierten "Herr der Ringe"-Filme. Wörz wächst mit der Filmwelt auf.

Technische Revolutionen

Damals gab es nur einen Saal mit 600 Plätzen im Park-Kino. Es war eine Zeit, in der das Filmmaterial noch sehr schnell entflammbar war und es Brandschutztüren gab, die man rasch zumachen konnte. Erst nach dem Umbau Ende der 70er Jahre sind die drei Säle mit 350 Sitzen entstanden, so wie man sie heute kennt. Das Gebäude hat viele Veränderungen und technische Revolutionen erlebt. 76 Jahre lügen nicht. Der erste Streifen, der über die Leinwand flimmerte, war "La Habanera" mit Zarah Leander. Der Schwarz-Weiß-Film war in 35-Millimeter-Technik gedreht und auf Zelluloid gebannt. Zwischenzeitlich nutzte man auch 70-Millimeter-Technik. Jene, mit der Quentin Tarantino seinen nächsten Western "The Hateful Eight" drehen will.

Alles digital

Heute ist so vieles anders, als noch vor ein paar Jahren oder gar in der Anfangszeit, verdeutlicht Wörz. Das fängt schon bei der Belieferung an. Noch bis Ende vergangenen Jahres war es möglich, Filme in Kartons zu ordern. Mittlerweile läuft alles digital. "Die Mannschaft", "Kill the Boss 2" und "Winterkartoffelknödel" kommen via Festplatte ins Kino und werden dann auf den Server gespielt. Zum Starten ist ein elektrischer Schüssel notwendig, der den Streifen in der Regel für ein bis drei Wochen freischaltet. Noch eine Geschichte erzählt Wörz. Er sagt, dass das Gebäude 1938 im Stil der Naziarchitektur gebaut worden ist. So habe es die Reichsfilmkammer vorgeschrieben. Eigentlich war laut Wörz sogar ein Luftschutzkeller geplant. Weil Amberg aber als Hochwassergebiet galt, wurde diese Auflage erlassen. Nicht zuletzt deswegen ist der Kinobetreiber froh darüber, dass der Film "Jud Süß" später kritisch aufgearbeitet wurde. Schließlich ist das auch ein Stück deutsche Filmgeschichte - wenn auch eine unrühmliche.

Filmnächte als Höhepunkte

Über Filme spricht Wörz gerne. Dabei sei es egal, ob es sich um eine Hollywoodproduktion oder einen französischen Streifen handle, betont er. "Die Qualität ist wichtig - sowohl was die Geschichte, als auch, was die Technik betrifft", erklärt er. Viele gute Filme - und sicherlich auch schlechte - hat Wörz im Park-Kino gesehen. Er erinnert sich an zahlreiche tolle Momente dort. Zu den schönsten zählt er die Filmnächte, die es bis 2012 gab. 1998 überlegte sich Wörz für das Jubiläum etwas Besonderes. Er zeigte eine Nacht lang insgesamt sechs Streifen. Darunter auch "La Habanera". Nicht der einzige Klassiker an diesem Abend. Für Charlie Chaplins "Goldrausch" engagiert er einen Klavierspieler aus Nürnberg, der den Stummfilm musikalisch begleitete. So wie es in den 1920er Jahren üblich war. Der Kinobetreiber schwärmt von der Veranstaltung. Es sei toll gewesen, "vom Beginn bis zum Mitternachts-Eisbuffet".

Cineplex kommt

Nun enden 76 Jahre Amberger Kinogeschichte. Wörz hatte Zeit, sich daran zu gewöhnen, wie er selbst sagt. Mit dem Cineplex, das nächstes Jahr öffnen soll, zu konkurrieren, war letztlich eine "Mission Impossible". Trotzdem bleiben Andreas Wörz die schönen Momente im Gedächtnis. "Das Besondere am Kinogeschäft ist, dass die Leute in der Regel gut gelaunt sind - oder zumindest gut gelaunt aus der Vorführung kommen." Das Park-Kino nun zu schließen, sei für ihn ein seltsames Gefühl. "Es hängt ja auch mein Herz daran", erklärt er. Der Vorhang im Park-Kino fällt nun endgültig.
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