Patienten der High Society

Dr. Bettina Wagner ist Expertin für Handschriften und alte Drucke. Sie stellte das Leben und die Bibliothek des im Mittelalter auch in Amberg tätigen Mediziners Hartmann Schedel vor und beleuchtete die Vielseitigkeit des Gelehrten. Bild: Huber

74 Jahre wurde der weltbekannte Mediziner und Universalgelehrte Hartmann Schedel alt. Vier Jahre davon (1477 bis 1481) wirkte er als Stadtarzt in Amberg, bevor er wieder zurück in seine Geburtstadt Nürnberg zog. Nun zeigt die Provinzialbibliothek bis Freitag, 30. Oktober, in der Ausstellung "Welten des Wissens" wertvolle Exemplare.

Sie stammen aus der umfassenden Bibliothek und der beeindruckenden Weltchronik des Stadtarztes Hartmann Schedel (1440 bis1514). Am Mittwochabend startete die Schau mit wissenschaftlicher und politischer Prominenz.

Oberschicht das Klientel

Schon zu seinen Lebzeiten hatte Schedel einen hervorragenden Ruf als Arzt. Demnach gehörte mehr die Oberschicht zu seinem Klientel, also Bürgermeister, Rats- und Handelsherren, Adelige, Zunftmeister, Pfarrer, Ordensgeistliche, Ratsschreiber, Schulmeister und Apotheker sowie deren Angehörige und Bedienstete. Weitaus geringer war der Zulauf aus der einfachen Bevölkerung, was wohl mit den doch hohen Kosten zusammenhing. Diese Information lässt sich Mithilfe der Patientenkartei rekonstruieren, wie sie im "Rezeptarium" überliefert ist. Expertin für Handschriften und Alte Drucke, Dr. Bettina Wagner, wusste dies. Sie stellte in ihrem Vortrag Leben und Bibliothek des im Mittelalter auch in Amberg tätigen Mediziners vor. Sie beleuchtete die Vielseitigkeit des Gelehrten, setzte Schriften und Illustrationen ins rechte Licht und kramte aus der unerschöpflichen Fundgrube der Schedelschen Bibliothek Spannendes und Informatives aus seinem Leben und seinen Studien.

Zeichnerisches Talent

Hartmann Schedel war ein Büchermensch. Bereits als Elfjähriger Vollwaise, studierte er in Leipzig und Padua Medizin und war als Stadtarzt in Nürnberg, Nördlingen und Amberg tätig. Seine Privatbibliothek, die er vor allem aus Klöstern und Kollektionen zusammensuchte, umfasste Literatur zur Philosophie wie zur Rhetorik, zur Jurisprudenz wie zu Theologie, Astrologie oder Geografie und natürlich zur Medizin. Er verfügte über zeichnerisches Talent und führte Reisetagebuch. Er war am laufenden Band am Kopieren, Abschreiben und Neuschreiben, denn der Buchdruck war erst um 1450 erfunden und steckte noch in den Kinderschuhen.

Berühmt ist der Arzt, Astronom und Humanist Hartmann Schedel heute vor allem durch sein Mitwirken an der Weltchronik, die nach ihm benannt ist. Um dieses Wunderwerk gruppieren sich nun weitere Kostbarkeiten aus der Schatzkammer-Ausstellung, die anlässlich des 500. Todestages von Hartmann Schedel im vergangenen Jahr in der Bayerischen Staatsbibliothek gezeigt wurde. Neben den wertvollen Handschriften und Inkunabeln aus der Privatbibliothek Schedels werden drei Exemplare der Schedelschen Weltchronik (lat., dt., Augsburger Nachdruck) aus dem Bestand der Provinzialbibliothek präsentiert, sowie der Eintrag der Vereidigung Hartmann Schedels im Eid- und Gesetzbuch der Stadt Amberg (Leihgabe Stadtarchiv Amberg).

Reizvoll ist diese Ausstellung, die Wissenswertes auf großen, faszinierenden Präsentationstafeln und Wertvolles unter Glas im historischen Bibliothekssaal bietet. Die Bedeutung des "Ausnahme-Intellektuellen" würdigten Bürgermeister Martin Preuß, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek München, Dr. Klaus Ceynowa und Bibliotheksleiterin Siglinde Kurz in Grußworten. Mit stimmungsvoller Harfenmusik verzauberte Martina Englhard die Eröffnungs-Besucher, die sich um die Glaskästen mit dem wertvollen Inhalt scharten oder durch den interessanten Flyer, den Franz Meier gestaltet hat, blätterten.

Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind montags, dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 18 Uhr.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.