Paulaner-Gemeinde feiert Geburtstag ihres Instrumentalchors
Seit 90 Jahren blasen die Posaunen

Nicht nur bei festlichen, sondern auch bei manch "traurigen" Anlässen trat der Posaunenchor auf. Hier zum Beispiel spielte er 1992 bei der Verabschiedung von Paulaner-Pfarrer Johannes Lösche, den die Gemeinde nur ungern ziehen ließ. Gerade die Posaunen gaben der Feier im Gemeindehaus mit vielen Gästen ihren würdigen Rahmen. Archivbild: Unger

"Wir sind so stolz auf unseren Chor." Das sagen nicht nur die Bläser - das sind Worte aus dem Herzen von Gemeindegliedern, die die Posaunen von Paulaner bei Gottesdiensten oder Festen erlebt haben, bei Geburtstagsständchen, in Seniorenheimen, an Weihnachten vorm Rathaus oder wo auch immer.

Heuer feiert der Amberger Posaunenchor sein 90-jähriges Bestehen. Klar, dass er in dieser langen Zeit bei vielen Gelegenheiten aufgetreten ist, wie sein Leiter Rudolf Bär hervorhebt. Vom Totengedenken am Ehrenmal über den Neujahrsempfang beim Oberbürgermeister bis hin zu den Sonntagsserenaden im Maltesergarten zählt er exemplarisch einige Beispiele auf, betont dabei aber, dass der Chor immer für die breite Öffentlichkeit spielt - "für die Bürger Ambergs". Wenngleich er natürlich "traditionell" für die Gemeinde da ist, hier seinen Ursprung und seine ersten Pflichten hat, zum Beispiel bei Gottesdiensten und speziell den hohen Festen des Kirchenjahrs.

Kirchengründungen erlebt


Tatsächlich hat der Paulaner Posaunenchor die Gründungsfeiern von einer ganzen Reihe evangelischer Kirchen erlebt und mitgestaltet: Auferstehungskirche 1961, Erlöserkirche 1967, erstes Gemeindehaus im D-Programm 1969, Martin-Schalling-Haus 1975 und Andreas-Hügel-Haus 1976. Überhaupt war der Chor im ganzen östlichen Dekanat unterwegs, immer wieder in Schwandorf, aber auch in Neunburg, Cham, Oberviechtach, Wackersdorf, Burglengenfeld, Lintach, Freudenberg und Hirschau, berichtet Bär und schränkt ein, dass diese Liste nicht vollzählig ist. "Wir hatten in den Altenheimen schon immer ein ökumenisches Publikum", lobt der Chorleiter. "Und es freut uns besonders, dass längst auch Einsätze bei ökumenischen Gottesdiensten, Jugendkreuzwegen und beim Bergfest dazugekommen sind."

Mit diesem Spektrum musste laut Bär über die Jahrzehnte auch das Repertoire erweitert werden: In den Anfangsjahren spielte der Posaunenchor nur Volkslieder und Kirchenmusik. "Tochter Zion, freue dich" war das erste von immerhin sieben Bläsern vorgetragene Stück im Advent 1926. Nach dem Krieg und einer Zwangspause bis 1948 kamen Intraden, Sonatinen und mittelalterliche Tanzmusik hinzu.

"Mit dem Liedheft 72 und den Kirchentagen tauchten dann modernes Liedgut und Spirituals in den Gemeinden auf", schildert Bär und zitiert amüsiert aus der Chronik von 1974: "Die Gemeinde war wohl etwas schockiert von den neuen Rhythmen und Akkorden. Aber sie wird sich wohl daran gewöhnen müssen, wie wir Bläser auch." Oder 1976 hieß es bekennend: "Stücke in Kreuz(-tonart) sind für uns Laienbläser von jeher ein Kreuz." Genauso mussten sich das Ensemble und seine Zuhörer mit Pop, Swing, Beat und Latin-Rhythmen, die in der Literatur der Posaunenchöre immer mehr vorkamen, anfreunden.

Mitgliederzahlen auf und ab


Schwankende Mitgliederzahlen bescherten durch die Jahrzehnte ebenso manche Schwierigkeiten. In diesem Zusammenhang würdigt Bär die "unermüdlich ehrenamtlich und für Anfänger kostenlos angebotene Jungbläserausbildung". Diesen Unterricht hätten viele ehemalige Mitglieder genossen - "aber mit der Berufsausbildung oder bei einem Arbeitsplatzwechsel hat der Chor auch immer wieder wertvolle Musiker verloren. Manche waren von vornherein nur Gäste während ihrer Bundeswehrzeit in Amberg."

Einschneidend waren nach den Worten des heutigen Chefs auch stets die Wechsel der Chorleiter: 1978 verabschiedete sich Ernst Bauer, der in fast fünf Jahrzehnten das Ensemble im Wesentlichen aufgebaut hatte. Er gehörte noch zu den Gründungsmitgliedern, übernahm bereits 1930 - vier Jahre nach dem Start - den Stab von Georg Behringer aus Königstein. Mit anfangs nur neun Bläsern hatte nach Bauer Klaus Geinitz von 1978 bis 1985 den Posaunenchor aufrechterhalten und bei seinem Ausscheiden 19 Bläser hinterlassen, die anschließend von Reinhard Schröder bis Ende der Achtziger sowie Jakob Kraft aus Kastl und Gerhard Ferl betreut wurden. 1992 trat dann Rudolf Bär aus Illschwang als Leiter an die Spitze, der dem Ensemble neue Stabilität und Qualität brachte.

Es macht und bringt Freude


"Gott loben, das ist unser Amt" - diese Zeile aus dem Choral "Nun jauchzt dem Herren, alle Welt" zitiert der Chorleiter gern, um Aufgabe und Freude der Bläser zu beschreiben. "Wo sonst kann man sein Hobby mit einem großen Auftrag verknüpfen", sagt Bär, "es macht Freude und es bringt Freude - egal ob klassisch oder modern, Gospel oder Swing. Unisono in Vielstimmigkeit."

Gratis-Konzert mit Richard Roblee Der Paulaner Posaunenchor feiert sein 90-jähriges Bestehen mit einem Gratis-Jubiläumskonzert am Samstag, 25. Juni, um 19 Uhr in der Paulanerkirche. Dabei tritt er nicht nur selber auf, sondern hat sich bekannte Gäste eingeladen: Richard Roblee's Very Little Big Band kommt. Ihr Spektrum reicht von Dixieland, Swing und Bebop über Cooljazz bis hin zur Klassik. Richard Roblee ist seit 2003 Professor für Jazz an der Würzburger Musikhochschule; auch als Komponist und Arrangeur für Blechbläserquintett und Posaunenchor hat er sich einen Namen gemacht.

Er trat laut Presseinfo als Posaunist und Sänger mit der Del Cortney Big Band in Honolulu auf, mit der er Stars wie Sammy Davis Jr., Tony Bennett und Henry Mancini begleitet hat. Auch sein Bassposaunist Mathias Grabisch war mit Schlagergrößen wie Howard Carpendale und Roberto Blanco unterwegs.

Dritter im Bunde ist Trompeter Jürgen Hahn, der nicht nur durch sein gleichnamiges eigenes Quintett, sondern auch als Mitglied des Sundaynightorchestras bekannt ist. Am Morgen nach dem Konzert feiert der Posaunenchor seinen Geburtstag auch kirchlich - beim 9.30-Uhr-Gottesdienst in Paulaner. (ath)


Wirt staunt über so gesittete Männer Höhepunkte hat der Amberger Posaunenchor in seiner 90-jährigen Geschichte viele erlebt. Einige Beispiele: Schon das Zehnjährige wurde auf dem Marktplatz gefeiert; beim 30. Geburtstag "kam der Schopper-Wirt aus dem Staunen nicht heraus, dass Männer sich in einem Gasthaus so gesittet und einwandfrei benehmen können", heißt es schmunzelnd in der Chronik, die stolz verrät, dass 1956 an diesem Jubiläum 120 Bläser teilnahmen.

Neben einem Soldaten-Posaunentag 1965 ging auch das Ostbayerische Posaunenchortreffen 1970 in Amberg als Meilenstein in die Geschichte ein. Zumal etwa 1000 Bläser mitwirkten, die auf dem Marktplatz ein Freiluftkonzert gaben - allerdings im strömenden Regen, was ebenso schmunzelnd buchstäblich Niederschlag in der Chronik fand. (ath)


Einst "miserabel geblasen" Frühere Chronisten beschäftigten sich zum Teil recht ungeschminkt mit den Leistungen des Posaunenchors. Da heißt es zum Beispiel: "Zum Klang unserer Bläserei ein paar Worte. Viel kann man zwar nicht sagen - Papier ist geduldig und Tonaufzeichnungen liegen mir nicht vor."

1952 heißt es noch ehrlicher: "Es wurde miserabel geblasen. Meist waren die Chorleiter aber zufrieden. Immerhin 22 Bläser im Rekordjahr 1963 - da vermutet man einen guten Klang -, aber wir wissen, dass auch eine kleine Gruppe sauber spielen kann."

Obendrein stand für den Chronisten fest: "Im Anfang war es ganz ohne Trompeten sicher ein angenehm weicher Ton: nur Kuhlo-Hörner in Sopran und Alt, Tenorhörner und Bassposaunen. Mindestens 30 Jahre lang keine Tuba. Seit 1960 erstmals weibliche Bläser - aber das hat ja mit dem Klang nichts zu tun. 1962 eine Rundfunkaufnahme, unterstützt durch den Rosenberger Posaunenchor und mindestens so aufregend wie die Fernseheinspielung für den Gottesdienst der Landessynode 2006." (ath)
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