Pescatori-Klaviertrio statt Polizeiorchester
Immer wieder neue Hörgenüsse

Von Reinhold Tietz

Amberg. Als das adventliche Benefizkonzert des Rotary-Clubs mit dem Pescatori Klaviertrio startet, ist der Kongregationssaal bis auf wenige Einzelplätze gut mit Publikum gefüllt. Auch wenn dieses Mal kein Polizeiorchester auftritt, sondern lediglich drei Musiker das Programm mit Werken aus der klassischen und romantischen Periode der Musik stemmen. Stefan Zilias (Klavier), Benedikt Wiedmann (Violine) und Benedikt Don Strohmeier (Violoncello) beginnen mit dem 20. Klaviertrio B-Dur Hob. XV/20 von Joseph Haydn die Programmfolge. Luftig geschwind mit energischen Ausbrüchen gestalten sie das Allegro, bieten die getragene Melodie des Andante cantabile in Klavier und dann mit Geige dar, wobei das Pizzicato des Cellos den Rhythmus sichert. Auch im Finale.

Beim Allegro ist das Violoncello mit taktstabilisierenden Tonfolgen für die Harmonik zuständig, während Klavier und Violine große Melodien darbieten. Es gelingt den Musikern, trotz Klavier-Dominanz eine gemeinsame Wirkung der Klänge zu erzielen. Von Robert Schumann folgt das Klaviertrio Nr. 3 g - moll op 110, das man viel seltener hört als die anderen beiden Werke dieser Gattung. Im ersten Satz erklingt eine hoch romantische, unruhig bewegte Klavierbegleitung zu einer Violin- und einer Gegenmelodie im Violoncello. Der nächste Satz verläuft ziemlich langsam, erzeugt also ein weiches Stimmungsbild, das durch einen unruhigen Mittelteil unterbrochen wird, bis die Stimmung wieder abgeklärt wirkt. Der dritte Satz ist rasch, wird darin durch punktierten Rhythmus in den Trios gesteigert, bis der voll klingende Schluss die Stimmung beruhigt. Das Finale ist ebenfalls schnell in den Tonfolgen, bringt dennoch wiegende Themen hervor, die den Humor des Satzes darstellen. Wie gut das Team aufeinander eingespielt ist, merkt man hier besonders deutlich. Nach der Programmhälfte mit Klaviertrios berühmter Komponisten, die gegenüber anderen Dreier-Werken dieser Meister relativ selten aufgeführt werden, ertönt nach der Pause ein besonders berühmtes Stück dieser Gattung. Das 7. und letzte Klaviertrio B-Dur op 97 von Ludwig van Beethoven heißt Erzherzog-Trio, weil es Beethovens Gönner, dem Erzherzog Rudolf, einem guten Klavierspieler, gewidmet ist. Bei der Uraufführung trat Beethoven übrigens zum letzten Mal öffentlich als Pianist auf.

Man sagt, ein Ton der Erhabenheit präge das beginnende Allegro moderato. Wie dem auch sei, das Pescatori-Klaviertrio legt zu Recht allergrößten Wert darauf, getragen und in der Lautstärke wie vorgesehen dauernd zwischen Porte und Piano wechselnd, den vorwärts drängenden Satz darzustellen. Das fünfteilige Scherzo bietet immer wieder neue Hörgenüsse, seien sie geheimnisvoll oder kräftig, aber immer dahinfließend.

Das umfangreiche Andante cantabile bietet ein großes, ruhiges Thema, das variiert und im Mittelteil durch die Anweisung Poco piu adagio verlangsamt wird, durch Zweiunddreißigstel-Begleitung aber in Bewegung gehalten ist. Die Rückkehr zum Anfangsthema bewirkt nach allen Aufregungen eine abschließende Beruhigung. Tänzerisch schließt sich das Allegro moderato des Finales an, bleibt dauernd in Bewegung, vor allem im Cello, und bringt im Presto das Werk zu einem Rausch der Geschwindigkeit, der die Großartigkeit der Musik noch überhöht.
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