Polt und Henscheid im Stadttheater
Lokalmatador und Alltagsphilosoph

Gerhard Polt (links) und Eckhard Henscheid: Zwei Alphamännchen, ein Dreamteam. Bild: Wolfgang Steinbacher

Warum die Stecknadel schwimmt und der Bratapfel wackelt? Eckhard Henscheid und Gerhard Polt versuchten bei ihrem Leseabend "Geht in Ordnung - sowieso - ja mei" schwierigen Problemen und unglaublichen Phänomenen mittels Thermophysik, Beobachtungsgabe und Logik höchst unterhaltsam und einzigartig auf die Spur zu kommen.

Zwei Tische, zwei Stühle, zwei Alphamännchen, die sich mögen. Mehr braucht es nicht, um das Stadttheater in Amberg bis auf den letzten Platz zu füllen.

Autor Eckhard Henscheid ist der schreibende und gefeierte Lokalmatador, Gerhard Polt der polternde und hochgeschätzte Alltagsphilosoph. Beide zusammen auf der Bühne, das ist Vergnügen pur!

Groß gewachsen, weißes Haar, beinahe wie ein Brüderpaar kommen sie herein. Henscheid wickelt sich den karierten Schal vom Hals und hängt ihn auf die Seite. Er führte dezent Regie bei der Duettlesung, die die beiden zum achten Mal gemeinsam absolvierten. Sein Hinweis gleich zu Beginn: "Polt ist pumperlmunter, ich bin etwas krank!"

Grammatik auf der Bühne


Man merkte es ihm nicht an, schon gar nicht, wenn er mit den Ausführungen zur "happigen Grammatik" loslegt. Eigentlich ein trockenes Thema, das zwischen Akkusativ, Nominativ, Genitiv und Dativ angesiedelt ist. Aber Henscheid nuschelte seine grundlegenden Einlassungen zur deutschen Sprache klug und hintersinnig. Das passte schon, auch wenn nicht jedes Wort verstanden wurde.

Auch die anderen Geschichten sorgten für gute Stimmung, wie die Wurstzurückgehlasserin oder die bunte Auswahl an Beispielen gescheiterter Romananfänge, die nicht ohne pädagogischen Wert waren und das Publikum laut lachen ließen. Ganz gut gefielen der "Heilige Abend" mit dem angesäuselten Teppichhändler aus dem Roman "Geht in Ordnung - sowieso - genau" und selbstverständlich noch die unschlagbaren "Tipps für Lebemänner", wie man "Weiber prompt gefügig" macht.

Nach Henscheids Meinung sei alles manchmal nur eine Frage der richtigen Reihenfolge, denn: "Auf dumme Komplimente fällt nur selten eine nicht herein." Katzen sind da anders, sie haben ihren eigenen Kopf und so machte sich der Autor schon mal Gedanken "über die große Uninteressiertheit unserer Katzen am Fernsehen!"

Gerhard Polt, der scharfe Beobachter menschlicher Schwächen, gestaltete seinen Auftritt in bekannter Manier: hinterfotzig, haarsträubend und herrlich skurril. Allein das Rundfunkgespräch im Sender Fifty-fifty zwischen einer unbedarften, hochdeutsch sprechenden Moderatorin mit quietschiger Fistelstimme und einem urbayerischen Alkoholsportler, dessen Freizeitaktivitäten tief in der Familie verwurzelt sind, riss zu Lachsalven hin.

Genauso wie das Interview mit dem Monsignore aus Indien oder die Geschichte mit dem plärrenden Baby, das mit einem Regenwurm gefüttert wurde. Seine philosophischen Überlegungen über den Menschen lenkten auf direktem Weg zum "Gesinnungs-Grattler", der überall nistet. Über ihn machte er sich her, über den Erdäpfelsalat und über echte und intellektuelle Deppen.

Zwei, die sich mögen


Eckhard Henscheid und Gerhard Polt sind zwei, die sich mögen. Polt sagte einmal über Henscheid, dass er ein gebildeter, gescheiter und humorvoller Mann sei. Und Henscheid lässt keinen Zweifel an seiner Wertschätzung für Gerhard Polt. In Amberg sind sie gemeinsam aufgetreten, haben abwechselnd aus ihren Werken gelesen, haben das Publikum höchst amüsiert und durften erst nach einer Zugabe von der Bühne.

Polt ist pumperlmunter, ich bin etwas krank!Eckhard Henscheid zu Beginn der Lesung
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