Popgeschichte in zweieinhalb Stunden

Kreischende Teenie-Mädchen, die sich die hochtoupierten Haare raufen und reihenweise in Ohnmacht fallen, belagerten nicht den Bühneneingang. Solche Szenen gab es nur bei den Originalen.

Die Truppe, die sich wie einst ihre Idole am Anfang ihrer Karriere "Silver Beatles" nennt, musste sich mit dem artigen Applaus, den das teilweise schon recht in die Jahre gekommene Publikum zollte, zufrieden geben. Den Beifall haben sie sich aber redlich verdient, die vier Herren, die da in die Rolle der Fab Four schlüpften, um im Amberger Congress Centrum der Musik der Beatles zu huldigen.

Der Maskenbildner hat sein Bestes gegeben und so geschah das schier Unmögliche: John, Paul, George und Ringo, die das erfolgreichste Pop-Quartett aller Zeiten bildeten, schienen höchstselbst in die Oberpfalz gekommen zu ein, um ihre treuen Fans auf eine Zeitreise in die Sixties mitzunehmen und ihre unvergesslichen Hits zu spielen. Und davon standen viele auf dem Programm der Band, aber noch längst nicht alle. Als nach satten zweieinhalb Stunden Nettospielzeit die Show zu Ende ging, musste mancher doch feststellen, dass ausgerechnet "sein" Lieblingslied nicht auf der Liste stand.

Korrekte Reihenfolge

Eingebettet in eine dankenswerterweise recht kurz gehaltene Rahmenhandlung - damit sei nichts gegen die Darsteller von Dinah und ihrem Polizisten-Papa gesagt, die das Gefühl der Teenager-Rebellion von damals recht wirklichkeitsnah auf die Bühne brachten - spielten die "Silver Beatles" die Songs in nahezu korrekter chronologischer Reihenfolge und beschrieben damit den Weg, den die Originale in ihrer musikalischen Entwicklung nahmen. Von der frühen Zeit, in der sie selbst noch Stücke anderer coverten, wie etwa Chuck Berrys Klassiker "Roll over Beethoven" bis hin in die Jahre nach Sgt. Pepper, in der die Beatles selbst nicht mehr auf Tournee gingen.

Dem folgte auch die Handlung, die den Generationenkonflikt jener Zeit widerspiegelte, mit allen bekannten Stereotypen, an die sich vor allem die Damen im Saal erinnerten. Die familiären Auseinandersetzungen über "Hottentotten-Musik" und die Länge respektive Kürze des Minirocks, die gerade noch als schicklich galt, konnten viele der Fans von damals noch einmal miterleben. Für die jüngeren im Publikum sind das natürlich Geschichten von Vorgestern, die ihre Eltern - oder auch schon Großeltern - bei diesen Konflikten durchmachten.

Die physiognomische Ähnlichkeit der Bühnen-Beatles mit ihren Vorbildern war schon verblüffend, bis auf kleinere Unebenheiten. Der Bühnen-Paul war Rechtshänder, und der echte George war ein wenig größer als sein noch lebendes Pendant. Noch verblüffender war allerdings, dass die "Silver Beatles" ihren Vorbildern auch stimmlich recht nahe kamen. Das erzeugte tatsächlich ein wenig die Illusion, die erfolgreichste Band der Welt auf der ACC-Bühne zu erleben und etliche Songs, die John, Paul, George und Ringo selbst niemals "live" spielten, endlich einmal im Konzert zu hören.

Streng am Original

Dabei hielten sich die Gralshüter des Quartetts aus Liverpool streng an die Original-Arrangements und gaben den Songs nur noch ein wenig mehr Drive. Vor allem vom Schlagzeug kam mächtig Druck, dem sich die beiden Gitarristen beugten und den Oldies jene frische gaben, mit der sie locker noch weitere fünfzig Jahre oder mehr ihren Platz in der Musikgeschichte verteidigen werden. So lange es noch Bands wie die "Silver Beatles" gibt, werden die Songs der vier Jungs aus dem Vereinigten Königreich auch ihr Publikum finden und von einer großen Dekade in der Historie des Pop künden.
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