Provinzialbibliothek eröffnet ihre Ausstellung über Karl IV.
Sammler von Kronen, Frauen und Reliquien

Karl IV. ließ den Barocksaal fast überlaufen. Kuratorin Christine Paschen fesselte die Zuhörer mit seiner Biografie.

Karl IV. zählte zu den bedeutendsten Kaisern des Spätmittelalters und war einer der einflussreichsten europäischen Herrscher jener Zeit. Auch heute noch ist seine royale Anziehungskraft groß. Majestät sorgte am Freitagabend für einen vollen Barocksaal in der Provinzialbibliothek.

(kge) Immer mehr Stühle mussten zu Beginn der Veranstaltung in den historischen Raum am Malteserplatz getragen werden, um den unerwartet vielen Besuchern genügend Sitzgelegenheiten zu bieten. Bis an die Glaskästen mit den wertvollen Stücken der Ausstellung über Karl IV. reichten die Lehnen heran, als alle Gäste Platz genommen hatten.

Ansturm auf Vernissage


"Mit diesem großen Andrang hatte wirklich niemand gerechnet", zeigte sich Sieglinde Kurz, die Leiterin der Staatlichen Bibliothek, angenehm überrascht von diesem verheißungsvollen Auftakt für die Schau. Sie trägt den Titel "Karl IV. - Kabinettstücke aus der Provinzialbibliothek Amberg" und wurde am Freitag zum 700. Geburtstag des Monarchen (1316-1378) offiziell eröffnet. Natürlich mit einem Vortrag, den Kuratorin Dr. Christine Paschen über den Kaiser und die Ära der Luxemburger in Böhmen hielt. Die Formation "Tri hudebnice" untermalte gekonnt musikalisch den umfangreichen Blick ins Leben dieser Persönlichkeit, die wie keine andere Böhmen und Deutschland verband. Mit einer Power-Point-Präsentation ließ Paschen die Biografie des Monarchen sehr unterhaltsam Revue passieren.

Mit drei schon im Kerker


So erfuhren die Zuhörer unter anderem, dass er im zarten Alter von drei von seiner verbannten Mutter getrennt und vom eigenen Vater für zwei Jahre eingekerkert wurde. Trotz dieser grausamen frühkindlichen Erfahrung entwickelte er sich zu einem Herrscher, der nicht nur fünf verschiedene Sprachen erlernte, sondern auch sonst durch große Intelligenz und Diplomatie Europa prägte. Anhand alter Illustrationen konnten die Besucher das von ihm entworfene Stadtbild Prags nachvollziehen und mit dem heutigen vergleichen. Paschen nannte Karl einen Sammler von Kronen, Frauen und Reliquien. Mit Worten, wie "Ich hab die Krone und geh wieder nach Hause" oder "Karl handelte wie beim Monopoly: Wenn ich in das investiere, bekomme ich jenes", schaffte es die Historikerin, die Zuhörer zum Lachen zu bringen und bei der Stange zu halten.

Denn das drei Jahrzehnte dauernde Schaffen des Regenten und sein Leben mit Ausschnitten aus seinem Stammbaum, sein inniges Verhältnis zur Kirche und die mittelalterlichen Umstände forderten größte Aufmerksamkeit. Die hielt die Kuratorin für eineinhalb Stunden bei ihrem Publikum hoch - vor allem, weil sie ihre chronistische Arbeit erfrischend und kurzweilig präsentierte.
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