Rathauskonzert mit "Spark"
Die wildeste Seite der Klassik

Das Echo-prämierte Quintett „Spark“ bürstet alles kräftig gegen den Strich, interpretiert die Musik neu, setzt ungewöhnliche, kernige Akzente und dreht die Temposchraube auf Anschlag. Auch in Amberg ist der „Funke“, wie die Übersetzung von Spark bedeutet, beim Rathauskonzert „Wild Territories“ übergesprungen. Bilder: Scharf (2)

Die Rathauskonzerte bieten meist besondere Klangerlebnisse. Die Begegnung mit "Spark - Die klassische Band", die mit dem Programm "Wild Territories" in Amberg gastierte, macht da keine Ausnahme. Das Echo-prämierte Quintett bietet eine exzellente Mischung aus Klassik, Pop, Folk und Minimal Music.

Schon die Besetzung ist ungewöhnlich: Das musikalische Fundament der Gruppe "Spark" bilden Klavier (Arseni Sadykov), Violoncello (Victor Plumettaz) und Violine (Stefan Blazsovics). Das Salz in der Klangsuppe geben Andrea Ritter und Daniel Koschitzki mit diversen Blockflöten plus Melodica dazu.

Raffiniertes Zusammenspiel


Das Ergebnis schmeckt eigenwillig, ungewohnt und unglaublich abgerundet. Zwischen den bunten Arrangements aus Frühlingsblumen rechts und links könnten die vier Herren mit der attraktiven Dame in ihrem geschmackvoll schwarz-grauen Bühnenoutfit (Ausnahme die Violine) auch als Rock-Band durchgehen. Sie tupfen die Farben mittels Musik in den Saal. Egal, ob es gleich mit dem Eröffnungsstück "When The Cock Crowed His Warning" in die Vollen geht, oder ob melancholische Träumerei beim "Venetian gondola song" angesagt ist, die Präsentation überzeugt so wie das phänomenale Spiel.

Im Programmtitel wird "Klassische Musik von ihrer wildesten Seite" angekündigt und das liefern die Fünf auch ab, im raffinierten Zusammenklang von Farben und Stilepochen. Stimmungsvoll ist Kamran Inces Zyklus "Songs In Other Words", in dem Felix Mendelssohn-Bartholdys "Lieder ohne Worte" verarbeitet werden.

Spark bricht die Komposition in ihre Spektralfarben auf, positioniert weiche Streicherepisoden zu warmen Klavierlinien und mischt effektvoll Blockflöte und Melodica. Nach wortkargem Stottern fegt plötzlich ein wilder Sturm los. Unter dem modernen Anstrich blitzt beinahe schüchtern das romantische Original durch. Gar nicht schüchtern sondern feurig und virtuos gibt sich Cellist Victor Plumettaz mit seinem wilden Solo "Stonehenge" von Péter Pejtsik. Wie er sein Instrument traktiert, auf den Korpus hämmert, die Saiten zupft und streichelt geht unter die Haut.

Raue Gesetze


Richtig wild geht es in den drei Sätzen von "Alpha Dog" des amerikanischen Komponisten Kenji Bunch zu. Die Stimmen überlagern sich permanent, was die Rivalität unter jungen Tieren darstellt, erläutert Daniel Koschitzki, der mit kurzen Überleitungen durchs wilde Programm führt.

So raue Gesetze walten sonst in der klassischen Musik voller kammermusikalischer Andacht nicht. Doch Sparks überzeugt mit der einzigartigen Mischung aus atemberaubender Virtuosität, vitaler Präsentation und technischer Brillanz. Von diesen "fantastischen Solisten" zeigt sich nicht nur Bürgermeisterin Brigitte Netta hingerissen. Das Publikum ist ebenfalls ganz aus dem Häuschen.
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