Rechtsdeutsch auf gut Deutsch
Sonst wären Juristen ja Poeten

Werner Koczwara unterhielt sein Publikum mit Sätzen wie diesem: "Was ist der Unterschied zwischen der Bibel und dem BGB? Die Bibel wurde ins Deutsche übersetzt!" Oder er zitierte Juristen-Logik. "Beispiel: Bestellt ein Kunde einen VW Golf und erhält stattdessen einen viel teureren BMW, so gilt dieser nach dem Vertragsrecht als mangelhafter Golf." Bild: Hartl

Endlich wieder Sommerfestival! Am Dienstagabend ging es los mit der Justiz-Satire "Einer flog übers Ordnungsamt" von Werner Koczwara, der die Lacher auf seiner Seite hatte.

Von Marielouise Scharf

Amberg. "Realistisch, kritisch, satirisch" wolle er sich den vielen Paragrafen zur Regulierung des Lebens widmen, verspracht er, der Schwabe Koczwara, der nicht Jura studiert hat, dafür diverse andere Disziplinen. Er war Autor für die bekanntesten deutschen TV-Shows "Wetten, dass . . . ?", "Verstehen Sie Spaß?" sowie die Harald-Schmidt-Show. Neben dem Kabarettpreis Salzburger Stier erhielt er auch den Europäischen Satirepreis "Silberne Rose von Monaco".

In der Mitte ein Tisch und darauf einige in Rot gebundene Bücher. Der fünf Kilogramm schwere Schönfelder und der ebenso schwere Satorius enthalten das für Deutschland geltende Recht, insgesamt etwa 25 000 Paragrafen. Das Bürgerliche Gesetzbuch und die Bibel ergänzten den Büchertisch. Daraus las der Kabarettist gelegentlich vor. Er entlarvte die Sprache als misslungenes Genexperiment: "Eine Kreuzung aus Alphabet und Labyrinth, vor 100 Jahren besser verschlüsselt als Sky mit dem Anwalt als gebührenpflichtigem Decoder."

Mutig setzte sich Koczwara mit abstrusen Paragrafen auseinander und fischte aus schwergewichtigen Gesetzestexten, Kommentaren, höchstrichterlichen Urteilen und der Deutschen Juristischen Wochenschrift die unglaublichsten Stilblüten. Seit Jahren bedient er sich daraus. Ob es um die "Ohnbeiner" im Verkehrsrecht geht oder ob sich das Arbeitsrecht folgendermaßen einmischt: "Das Arbeitsverhältnis endet mit dem Tod des Arbeitnehmers, einer Kündigung bedarf es nicht." Mittels Dia-Projektor samt Laserpointer illustrierte er Rechtsbegriffe wie auch Urteilsbegründungen. So konnten die Besucher schwarz auf weiß jene besonders dämliche Klage auf Reisekostenminderung lesen: einmal wegen "zu niedrigen Wassers bei Ebbe" oder wegen "nackter Menschen in der Sauna". Ein bayerisches Gericht beschäftigte sich mit Hühnern und ihrem Gackern. Dabei wurde unterschieden zwischen triumphalem Lege-Gegacker, bei dem das erste Gack betont ist, und simplem Konversations-Gegacker. Die Werbung mit dem falschen Gackern wurde geändert.

Weiter ging's: Die Emissionsschutzverordnung für Rasenmäher verbietet dessen Gebrauch nach 22 Uhr, und das baden-württembergische Jagdgesetz erlaubt den Abschuss von Heringsmöwen, "sofern sie nicht schlafen". Aber wer weiß denn schon genau, was richtig oder falsch, was gut ist und was böse?

"Wer zum Beispiel seine Großmutter mit einem Gewehr aus 500 Metern Entfernung erlegt, der ist zwar ein guter Schütze aber kein guter Enkel", witzelte Koczwara, der wort- und sprachgewaltig Themen wie Gleichheit und Gerechtigkeit behandelte, aber im knapp zweistündigen Programm immer wieder kalauerte. Eines ist nun mal klar: Im Laufe eines jeden Lebens stellt sich die Frage nach Recht und Unrecht.

Zum Glück gibt es die Justiz, die da weiterhilft mit einleuchtenden Urteilen. Wie jenes vom Sozialgericht Berlin: "Ein in die Außentür des Hauses eingeklemmtes Knie ist unfallversichert, weil es sich bereits auf dem Weg zur Arbeit befand." Der Jura-Kabarettist zitierte nicht nur die abstrusen Vorschriften, Urteile und Paragrafen. Er erklärte, übersetzte und dachte laut darüber nach.
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