"Recyklang" spielt im Stadttheater Amberg
Auf altem Klump klimpern

Die Jungs von "Recyklang" haben ihre eigene Vorstellung von Umweltschutz: Leere Flaschenn oder alte Stühle werfen sie nicht weg, sondern machen einfach Instrumente daraus. Bild: Karin Hegen

Leere Flaschen, alte Dosen oder Möbelstücke wegwerfen? Auf keinen Fall - lieber den Jungs von "Recyklang" geben. Denn die schaffen es, sogar aus Schrott Musik zu machen.

Zu Ehren des 10-jährigen Jubiläums des Luftmuseums Amberg geben die vielseitigen Instrumentalisten und urkomischen Schauspieler Michi Marchner, Daniel Neuner und Andy Asang im Amberger Stadtmuseum ein Konzert, das die Zuhörer zum Schluss zu begeistertem Applaus mit lautem Getrampel verführt. Dieser wäre sicherlich noch lauter ausgefallen, wären mehr gekommen. Das Didgeridoo aus einem Abflussrohr können sie nicht aus einem gebrauchten bauen, sondern müssen ein neues im Baumarkt kaufen. Warum? "Weil es sonst Scheiße geklungen hätte." Oder: Die Orgel aus Autohupen war ein okkultes Instrument. Immer, wenn Toni nachts damit spielt, klopft es an der Wand. Das sind nur kurze Auszüge aus dem Programm von "Recyklang: Schrott zu Musik".

Zu identifizieren


Und man kann wirklich sagen, dass jeder, der nicht dabei war, definitiv etwas verpasst hat: Unterhaltung vom Feinsten. Alle gespielten Lieder sind so gewählt, dass die Melodien auf den schrägen Utensilien und deren klanglicher Wiedergabe stets wiederzuerkennen sind. So muss man sich umweltbewusste Musiker vorstellen, die aus wirtschaftlichen Gründen 40 Instrumente - aus Abfall gebaut und im Wert von 18,30 Euro, wie sie sagen - zum Leben erwecken: Den "Veitl" (Daniel Neuner) als verkappter Landwirt in der schneidigen Lederhose, den "Andy" (Andy Asang) in seinem KFZ-Mechaniker-Overall und schließlich der "Toni", der als Erfinder des Konzeptes "Recyklang" mit auf der Bühne steht.

Die Auftritte, die die drei hintereinander zünden, sind immer von intelligentem Wortwitz und so authentisch, dass man manchmal direkt an die Existenz von Onkel Erwins Schrottplatz oder an Veitls Vergangenheit auf dem Bauernhof glaubt. Gleich zu Beginn trommelt er zum Beispiel auf dem "Paradontose-Rechen" in einem Wahnsinnstempo oder lässt mit vollem Körpereinsatz die am Anzug montierten leeren Tuben mit Pfeifen aus alten Filzstiften ein Liedchen blasen.

Nicht verpassen


Sie verblüffen nicht nur mit ihren musikalischen, sondern auch akrobatischen Leistungen und den Ideen, die hinter dem Programm stecken: Die scheinen schier unerschöpflich zu sein. Um alle witzigen Einfälle aufzuschreiben, bräuchte man fast einen ganzen Tag oder auch ein ganzes Heft. Und deshalb bleibt mir als Besucher nur ein Rat: Das nächste Mal, wenn diese Show wieder in der Nähe ist, unbedingt hinzugehen.

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Weitere Informationen:

www.stadttheater-amberg.de www.recyklang.de
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