Reife, Leidenschaft und Können

Zu den Wendlandnachfahren gehören so bekannte Künstler wie Professor Peter Angermann und der Filmemacher Herbert Achternbusch, der, was die wenigsten wissen, auch im Bereich der Bildenden Kunst tätig war. Außerdem in der Ausstellung zu sehen Arbeiten von: Stanislaw Glowacki, Zenon Glowacki, Achim Hüttner, Wolf Sakowski, Professor Alf Schuler, Happy Schuller, Christa Varadi, Bernhard Vetter, Gerlinde Wendland und von Professor Gerhard Wendland selbst. Bild: Steinbacher

Es muss nicht immer Kassel oder Venedig sein. Auch in Amberg tut sich Großes in Sachen Kunst! Die in diesem Jahr letzte Ausstellung des AKT (Amberger Kunstverein) führt 13 exzellente Künstler aus der Wendland-Schule in einer außergewöhnlichen Schau zusammen.

Gerhard Wendland kann ohne alle Übertreibung als einer der wichtigsten Vertreter der abstrakten Nachkriegs-Malerei in Westdeutschland bezeichnet werden.

Bereits 1959 waren seine Arbeiten auf der zweiten Documenta in Kassel zu sehen. Ein Jahr später erfolgte seine Berufung an die Nürnberger Kunstakademie. 13 seiner ehemaligen Studenten präsentieren in der Galerie des Kunstkombinats Amberg noch bis zum 25. Oktober Malerei und Skulptur.

Es ist dem Amberger Künstler Achim Hüttner, selbst Wendlandschüler, zu verdanken, dass diese interessante Übersicht zustande kam. Sie reiht sich ein in das AKT-Klassen-Projekt, das zum Ziel hat, "jungen Menschen, die in die Kunst streben, ein Forum zu bieten".

"Außerdem liefert die Ausstellung einen schönen Kontrast", so Hans Graf, AKT-Vorsitzender, im Gespräch. "Man merkt die größere Reife, spürt die Leidenschaft und die riesengroße Könnerschaft."

Von A bis Z

Von dieser Könnerschaft sprach auch Hüttner in seiner Eröffnungsrede bei der sehr gut besuchten Vernissage. Ausführlich stellte er die Künstler vor, wobei sich der Bogen spannt von A wie Herbert Achternbusch und Peter Angermann bis Z wie Reiner Zitta. So war er selbst erstaunt, dass der als Autor, Regisseur und Produzent von skurrilen und provozierenden Filmen bekannte Achternbusch auch in die Reihe der Wendlandschüler gehört und ein umfangreiches künstlerisches Oeuvre geschaffen hat. Der als kontaktscheu bekannte Künstler habe schnell und unkompliziert seine Teilnahme mit einer Gouache-Serie "Kleine Familie" zugesagt.

Auch der renommierte Peter Angermann, der sowohl bei Wendland als auch bei Joseph Beuys studierte, ist mit fünf Öl-auf-Leinwand-Arbeiten dabei. Drei Mal überrascht Künstler, Fotograf und Designer Stanislaw Glowacki mit Digitalphotographie und drei Mal gibt es Mischtechnik, zum Beispiel unter dem Titel "Es war mal eine Stadt" von Zenon Glowacki zu sehen. Achim Hüttner hat aus seiner großen Schaffenspalette Acryl/Leinwand-Bilder ausgewählt: "Urfaust 1, Volkstheater Wien" und Ohne-Titel-Werke.

"Wolf Sakowskis Arbeiten fordern ebenso eine geduldige wie verständige Betrachtung, sie wollen gelesen werden", so Hüttner. Mit nur einer Arbeit "ohne Titel" ist der zweimalige Documenta-Teilnehmer Professor Alf Schuler vertreten. An den bereits verstorbenen Amberger Happy Schuller erinnert eine Radierung aus der "Käferblume". Christa Varadi studierte unter anderem bei Joseph Beuys und hat damit eine Gemeinsamkeit im Werdegang mit Professor Peter Angermann. Sie baut Objekte mit Spielzeug, Holz und Hirschgeweih und tauft sie "Das große fremde Tier" oder "Affenkopfgeweih". Bernhard Breve Vetter hält "Klänge" mit Farbstiften fest und bringt sie "am Ende eines jeden Tages mit Achtsamkeit zu Papier".

Von Acryl bis Skulptur

Von Professor Wendland selbst und von seiner Frau Gerlinde Wendland - sie ist die Nachlassverwalterin ihres Mannes, außerdem Künstlerin und Kunstpädagogin - stammen der Siebdruck "Ein Paar" und das "Stilleben" mit Acryl und Stift. Reiner Zittas Oeuvre reicht von filigranen Zeichnungen über monumentale Skulpturen bis hin zu Theaterinszenierungen. In Amberg inszeniert er das Objekt: "Erinnerungen an mein Wendland".

Die Ausstellung "Wendlandnachfahren" im Amberger Kunstkombinat, Neustift 47 dauert bis 25. Oktober. Die Öffnungszeiten: jeweils Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung .
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