"Rhythm of the Dance"
Im Rhythmus der grünen Insel

Wenn der Klöppel dumpf auf die Bodhrán-Handtrommel hämmert und Absätze klacken, wird ein Flair hergestellt, dem sich im ACC keiner entziehen kann. Genuss für Auge und Ohr, zwei Stunden lang. Mit einer Truppe, die sich nicht zu verstecken braucht. Sie heißt "Rhythm of the Dance".

Amberg. Der irische Stepptanz ist durch die Namen zweier Ensembles weltweit bekannt geworden. Sie heißen "Riverdance" und "Lord of the Dance." Ihre Shows sind unterdessen gigantisch, gehen mit Filmspots auf riesigen LED-Leinwänden einher und lassen die eigentlichen Protagonisten auf breiten Hallenbühnen wie Zwerge erscheinen. Tolle Events unzweifelhaft.

Irgendwie aber geht dabei das Ursprüngliche und die Nähe zum Publikum verloren. Es gibt noch eine dritte Truppe. Sie nennt sich "Rhythm of the Dance", führt ihre Kunst nur ein paar Meter entfernt von den ersten Stuhlreihen auf. Ohne computergestützte Technik, unter Verzicht auf Regenbogenfarben und fulminante Einspielungen. Schlicht, einfach und deswegen einfach nur schlichtweg gut.

Authentische Show


14 Tänzer, fünf Musikanten von der grünen Insel Irland im Hintergrund. "Whisky in the Jar" und "Danny Boy" von dort, wo es herstammt. Ohne Playback und Klängen vom Band. Die rothaarige Frau mit der Fiedel, der Mann mit seiner Bodhrán, Leute mit Akkordeon und Pipe, zwei Sänger. Handgemachter musikalischer Wirbel, ein echtes Stück Lebensfreude und gleichsam der auf unterhaltsame Weise beschriebene Weg in die Vergangenheit eines Volkes, das trotz mancherlei Entbehrungen auf seine Geschichte stolz ist.

Doireann Carney und Carl Hession haben das Spektakel in Szene gesetzt. Mit einem Personal an Stepptänzern, das quasi im exakten Gleichschritt seine Absätze klacken lässt. Fred Astaire hätte lernen können von ihnen. Jeder auch noch so kleine Fehler würde sofort sichtbar. Man wartet förmlich darauf. Doch das geschieht in dieser furiosen Show nicht.

Beine wirbeln, die Truppe wird zur sehenswerten Einheit. Artistische Leistungen, Schwerarbeit. Mit Blicken in die irische Geschichte und ständig wechselnden Kostümen, die der Sicht auf das körperbeherrschende Element zu keiner Zeit hinderlich sind. Keltische Ornamente werden sichtbar, kunstvoll bestickt, durch Applikationen bereichert. Schade nur: Wer die einzelnen Teile der Show genau kennen will, muss sich ein Programmheft kaufen. Hinweise dazu unterbleiben in der Show. Ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Geschichtliche Abläufe können abseits stehen, wenn alles andere perfekt ineinander greift. Bei "Rhythm of the Dance" geschieht das so.

Am Ende der Kräfte


Langer Beifall von einem fast ausverkauften Haus. Draußen rieselt der Schnee, drinnen im ACC herrscht Begeisterung über eine Aufführung, die gerne noch eine Weile hätte dauern können. Doch länger als zwei Stunden ist das für die Akteure nicht möglich. Denn dann sind sie, man weiß es von der Steppanz-Ikone Michael Flatley, am Ende ihrer Kräfte. Ausgelaugt wie ein Artist, der allabendlich den dreifachen Salto vom Trapez zeigen muss.
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