Schultheater am Erasmus-Gymnasium
Jurijs Liebe wird zum Eklat

Gewalt, Diebstahl und Drogenhandel? Alles Kavaliersdelikte in der Brennpunktschule von Frau Schnepper und ihren Kollegen. Doch als der allseits gefürchtete Jurij plötzlich verkündet, er sei verliebt, steht die ganze Schule Kopf.

Von Claudia Ried

Amberg. In dem Stück "Hau ab mit verliebt" von Markus Mohr, aufgeführt von der Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe des Erasmus-Gymnasiums, offenbarte sich auf amüsante und selbstironische Weise, wie echte Gefühle die Mitmenschen auf die Probe stellen können.

Anfangs nimmt in der Schule von Frau Schnepper (Karina Hartmann) noch alles seinen gewohnten Lauf: Die von Amelie Spörer herrlich überfordert dargestellte Lehrerin Sonsterlein hat außer Grammatik wenig im Griff. Ihr Schüler Collin (Victoria Eckroth) interessiert sich mehr für seine Messersammlung als für Possessivpronomen, und die beiden türkischstämmigen Schülerinnen Tülay und Büsra (witzig gespielt von Merit Matuschek und Julia Nerb) sind vollauf mit ihrer Schönheitspflege beschäftigt. Anna, Lena und Mia (Karina Hartmann, Maria Erven, Lisa Brandel) haben kaum Sinnvolles zu sagen, dafür alles im Chor.

Bier und Klopperei


Ihr Mitschüler Tarik (sehr überzeugend: Leyla Hamaloglu) hat ebenfalls wenig für Grammatik übrig - ihn interessiert eher sein neuer Freundeskreis in der Neonaziszene mit dessen Vorliebe für Bier und Klopperei. Davon kann ihn auch Josh (Hanna Theiss) nicht abbringen. Mikey (Ronja Berger) bekommt in seinem Tiefschlaf ohnehin nichts mit. Einzig die Streberin Gloria, wunderbar altklug dargestellt von Felicitas Groh, beteiligt sich am Unterricht.

Dem Lehrer Dr. Kotten (ausgesprochen mitreißend gespielt von Diana Seifert) gelingt es da schon deutlich besser, seine Klasse einzuschüchtern, indem er den Schülern zumindest mündlich erst einmal ihre Grundrechte entzieht. Und in seinem Unterricht wird auch klar, dass sich der inzwischen aufgetauchte Jurij, sehr überzeugend gespielt von Andrea Anthofer, verändert hat: Statt Aggressivität strahlt er plötzlich sanfte Gefühle aus und gesteht der Klasse bereitwillig: "Ich bin verliebt!"

Ein Eklat. Sofort werden die Eltern des Jungen (Gizem Göz und Ceyda Hos) einbestellt und Ursachenforschung betrieben. Doch auch diese sind ratlos. Bisher war der Sohn doch nur durch Verprügeln, Klauen oder Feuerlegen aufgefallen. Kein Grund zur Beunruhigung also. Aber Liebe? Sollte das etwa ein von Onkel Bogdan geerbtes Leiden sein? Auch die hastig einberufene Lehrerkonferenz ist ratlos. Weder Herr Dillershausen (Sandra Lindner) noch die Schulrätin (sehr erfrischend: Madita Fröhner) wissen sich zu helfen. Selbst die Schulpsychologin (Lisa Brandl) scheitert an Jurijs Starrsinn: Er will sich partout nicht einreden lassen, dass er seine Verliebtheit nur vortäuscht, um im Mittelpunkt zu stehen. Doch am meisten getroffen von Jurijs Verliebtheit sind seine Mitschüler. Sie reagieren mit Abweisung, Enttäuschung und Wut. Sprichwörtlich zeigen sie ihm die kalte Schulter, ehe sie ihn gemeinsam überwältigen und mit Lichterketten auf einen symbolischen elektrischen Stuhl bringen.

Witzige Dialoge


Neben den sichtlich motivierten Schauspielerinnen überzeugte die Aufführung durch witzige Dialoge, peppige Musik und eine perfekt integrierte Tanzchoreographie. Schulspielleiterin Susanna Rosemann kann zu Recht stolz sein auf ihre Truppe. Dass dies auch umgekehrt der Fall ist, zeigten die Schülerinnen zum Abschluss, als sie sich einzeln bei ihrer Lehrerin rollengetreu und mit Rose bedankten.
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