Schultheater am Gregor-Mendel-Gymnasium
Fast wie die Schwarzwald-Klinik

Lea (Constanze Gierl) versucht, ihren Freund Ben (David Pickel, rechts) und seinen Serien-Konkurrenten (Barbara Winkler) von einer Rauferei abzuhalten. Bild: Peter Ringeisen

Schwarzwald-Klinik, Emergency Room oder Grey's Anatomy - was die Fernsehsender können, haben die Gregor-Mendel-Gymnasiasten schon lange drauf. Beweis gefällig?

Von Peter Ringeisen

Amberg. "Halbgötter in Weiß" bot die Theatergruppe Oberstufe des Gregor-Mendel-Gymnasiums unter der Leitung von Claudia Ried an. Dieser Titel bezeichnete eine "schnulzige Krankenhaus-Soap" - ein Genre, für das in Deutschland seit der Schwarzwald-Klinik in den 1980er-Jahren das Interesse kaum abgeflaut.

Auf der rechten Seite der als Wohnzimmer einer WG eingerichteten Bühne steht ein Fernseher, auf dem sich die Bewohnerinnen regelmäßig die Serie "Halbgötter in Weiß" ansehen, und zwar alle - bis auf Lea, der die durchsichtige Handlung mit ihren Klischees zu doof ist; Constanze Gierl gab dieser Figur eine durchweg überzeugende Bühnenpräsenz.

Lea bekommt nichts von dieser Serie mit - und so merkt sie nicht, dass ihr Freund, Schauspieler Ben (verschmitzt und souverän gespielt von David Pickel), der Serienstar ist, den Leas Freundinnen anhimmeln: Dr. Colin DeBurgh. Besonders begeistert von diesem "Halbgott in Weiß" ist Greta, die ihren Colin nicht nur gegen spöttische Bemerkungen ihrer Mitbewohnerinnen verteidigt, sondern von dessen Existenz überzeugt ist. Deshalb fällt sie aus allen Wolken, als Lea ihren neuen Freund Ben eines Tages mit in die WG bringt - wie vom Donner gerührt spricht sie ihn ehrfürchtig als Dr. DeBurgh an und ist so sehr in der Scheinwirklichkeit der Krankenhausserie gefangen, dass sie es nicht akzeptieren kann, dass der Schauspieler in seinem Privatleben kein Neurochirurg ist.

Party in der WG


Franziska Neuser spielte die Naivität der Greta mit inbrünstiger Überzeugung. Erst ganz am Schluss gelingt es einer anderen Schauspielerin aus der Serie - die Ben zu einer Party in die WG eingeladen hat -, Greta die Augen zu öffnen. Die Darstellerin der Oberschwester Michaels (Alex Jelicka) füllte auch hier ihre Rolle als resolute gute Klinik-Seele bestens aus.

Die Spielhandlung im WG-Zimmer wird immer wieder für ein kurzes Solo jeder Darstellerin unterbrochen, in dem sie in einer stummen Pose darstellt, wovon sie träumt. Ein sehr charmanter Einfall, der jeweils zur sonstigen Rolle der Figur passt: Ling-Ling, die sich redlich mit der schwierigen deutschen Sprache abmüht, sieht sich als Lehrerin, die ihren WG-Freundinnen das Koreanische beibringt (Thu Nga Tran mit unbeschwerter, sympathischer Spielweise); die fleißige Elisabeth träumt von einem Studienabschluss mit Bestnote (Sarah Hepp als liebenswerte Streberin); Melanie, die in der WG immer saubermacht, schwebt vor, wie alle auf Knien den Boden polieren (Katharina Waal ist die nachsichtige, aber genaue Hygiene-Freundin).

Nachwuchsschauspielerin Lilly (glamourös: Berta Depperschmidt) nimmt in ihrem Traum einen Oscar entgegen, und die lässige und coole Vicky (ideal verkörpert von Antonia Schmidt) steht aufgereiht zum Pressefoto als Kanzlerin zwischen Putin und Obama. In weiteren Rollen spielten Johanna Mehringer und Martina Mikuta. Alle Bewohnerinnen der WG (und Ben) sind (noch) in der Oberstufe des GMG - während alle Schauspieler der Serie ehemalige Mitglieder der Theatergruppe sind, die sich für die Dreharbeiten noch einmal zusammengefunden haben.

Viel Applaus


Die Kamera-Leute Kevin Altmann und Jonathan Grothaus haben dabei ganze Arbeit geleistet. Jonathan Grothaus selbst spielte den Chefarzt, und die diversen Ärzte, Schwestern und Patienten verkörperten mit bester Spiellaune Lena Härteis, Alex Jehlicka, Meike Pfeiffer, Anna Shalsi und Barbara Winkler. Vom Publikum gab es viel Applaus für die Truppe von Spielleiterin Claudia Ried, aus deren Feder auch das Drehbuch stammt.
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