Sechs Jahrzehnte amerikanische Zustände

"Jenseits von Eden" von John Steinbeck ist den meisten bekannt als Verfilmung mit James Dean. Jetzt gab es das Werk als Theaterinszenierung am Stadttheater Amberg zu sehen. Bild: Steinbacher

Es ist ein Jahrhundertroman, den Nobelpreisträger John Steinbeck verfasst hat. Auch die Hollywood-Adaption des Stoffes erreichte einen der vorderen Plätze in der Liste der besten Filme aller Zeiten: "Jenseits von Eden".

Nun hat "Jenseits von Eden" unter der Regie von Alexander Schilling auch den Weg auf die Theaterbühne gefunden. Großen Respekt hat die Dramaturgin Ulrike Syha verdient. Ihr gelang es, aus dem monumentalen, vierbändigen Werk eine gut zweistündige Bühnenfassung zu extrahieren, und zwar so in sich schlüssig, dass die zahlreichen Streichungen und entfernten Nebenhandlungen nicht vermisst wurden.

Die Handlung war stimmig und gut nachzuvollziehen, wobei Kenner des Romans und der Verfilmung von Elia Kazan, die in den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts für Furore sorgte, angenehm überrascht wurden. Denn Ulrike Syha hat die komplette Generationen und Jahrzehnte übergreifende Geschichte der Familie Trask chronologisch annähernd genau erzählt. Das ist umso beachtenswerter, als der Hollywood-Streifen von Kazan die Handlung erst ab dem dritten Band der Erzählung als Grundlage hatte.

Eigensinnige Charaktere

Dem Regisseur Alexander Schilling kann man zu Gute halten, dass er ein großes Talent für Menschenführung hat, denn die Darsteller agierten im Bühnenbild - das deutlich und augenfällig den Sehnsuchtsort "Heimischer Herd" mit der kalten beziehungsweise heißen - Wüstenwelt des amerikanischen Westens vereinte, als wären sie darin groß geworden. Allerdings wäre zu bemängeln, dass er die Textinterpretation in mehrere eigenständige Segmente gesplittert hat. Das mag man als künstlerische Freiheit auslegen, aber es wirkte dennoch störend auf die Kontinuität der Geschichte.

Die beiden Erzähler Jochen Horst, der in der Rolle des chinesischen Hausangestellten Lee zusammen mit Benjamin Kernen, der gleich Hamilton senior und junior verkörperte, verbanden die einzelnen Szenen - wie einst der Chor in der antiken Tragödie - durch ihre Kommentare. Der lockere Plauderton, in dem dies geschah, wurde dem Gesamtgeschehen in seiner Abgründigkeit allerdings nicht gerecht.

Durchaus glaubwürdig und wirklichkeitsnah gespielt waren die Szenen, in denen die Protagonisten in all ihren Eigenheiten aufeinander prallten. Hier war die Spielfreude des Ensembles zu spüren. In den letzten Szenen, in denen bei einigen der Bühnenpersönlichkeiten ihre verborgenen psychologischen Konflikte aufbrachen, konnten die Darsteller ihr Können und ihr dramatisches Geschick unter Beweis stellen. Siegmund Freud hätte wahrscheinlich gerne alle diese Steinbeck'schen Figuren auf seiner Couch analysiert - Ödipuskomplex und sexuelle Ausschweifungen, ungezügelte Geldgier und Gewalttätigkeiten waren charakterbestimmend bei den Mitgliedern der Familie Trask und ihrem Umfeld.

Verbesserung in der Regie

Die dritte Schilling'sche Sprachbesonderheit fand sich in den Monologen, die manchmal etwas hölzern, manchmal übertrieben theatralisch-affektiert vorgetragen wurden. Diese drei Stilmittel kann man als auflockernd empfinden, aber auch als überflüssig oder einfach als irritierend.

Insgesamt bleibt festzustellen, dass die Akteure auf der Bühne ihr schauspielerisches Talent einsetzten, um ein spannendes und gelungenes Theaterstück zu präsentieren, das allerdings einige Nachbesserungen in Sachen Textregie vertragen könnte, um ein einheitliches Sittenbild der Wildwestzeit zwischen dem amerikanischen Sezessionskrieg und der Katstrophe des ersten Weltkriegs zu zeichnen.
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