Selbst Farbe bekennen

Die Amberger Künstler Anne Dreiss und Joachim Krieg, die alle großen ACC-Kunstausstellungen der letzten 20 Jahren begleitet haben, stellen jetzt selbst aus. Gezeigt werden Radierungen und Lithografien. Bild: Steinbacher

Platznehmen und eintauchen - die Grafiken von Anne Dreiss und Joachim Krieg laden bis 6. Januar dazu ein. Das Amberger Congress Centrum zeigt zum Auftakt ins Jubiläumsjahr Werke von zwei Amberger Künstlern, die bislang die ACC-Kunstausstellungen der letzten 20 Jahre "nur" begleitet haben.

Seit Jahren haben sich Dreiss und Krieg einen hervorragenden Namen gemacht - mit ihren fachkundigen Führungen bei Ausstellungen im ACC zu Arbeiten von Goya, Dalí, Miró, Hundertwasser, Chagall, Warhol und Picasso. Nun bekennen sie selbst Farbe, oder besser gesagt, sie "machen Druck" und präsentieren "40 Grafiken in kleiner, aber feiner Auflage", wie Krieg es spaßhaft-mehrdeutig formuliert. Neue und ganz neue Radierungen sowie Lithografien, in denen Einflüsse ihrer künstlerischen Herkunft von Fotografie und Malerei spürbar bleiben, gilt es in einem Rundgang zu entdecken. Die Werkliste gibt den Weg von rechts nach links an der Wand vor.

Zwischen Kalkül und Zufall

Pool und Stuhl bearbeitet Krieg in einer Lithografie-Serie. Der Umgang mit der Steinplatte ermöglicht ein Arbeiten zwischen Kalkül und Zufall. Krieg ergänzt dann die Steindrucke noch malerisch, setzt Farbflächen und Linien ein. Er lässt sich von der seriellen Erscheinung des gedruckten Bildes immer wieder neu inspirieren und kommt so zu seinen malerischen Ergänzungen. Farbe setzt er dabei als raumnehmendes, eigenwertiges Material ein. "Farbe ist für mich ein Eigenwert", erläutert er. Aus diesem Zusammenspiel sind spannende Bilder entstanden, die den Betrachter ansprechen, ihn miteinbeziehen, und ihn animieren, einzutauchen. Einmal in die Kühle des Schwimmbades, ein anderes Mal in das Tohuwabohu des "Studios von Francis Bacon". "Ich möchte den Betrachter in die Szene locken und biete einen Sitzplatz an", kommentiert Krieg seine Werke.

Anne Dreiss arbeitet nach eigenen Fotografien und fühlt die Motive mit der Radiernadel nach. Ihre druckgrafischen Arbeiten basieren auf ihren langjährigen Erfahrungen als Fotografin. Im Fokus hat sie in Amberg die Vilsbrücke und die Unterführung am Bahnhof. Sie findet aber genauso Motive auf Mallorca und in Nizza.

Sie hält den spontanen Moment, den essayhaften Augenblick, oder manchmal nur eine Facette des Alltags fest und übersetzt sie in feine Radierungen auf Bütten. Die Ergebnisse überzeugen durch Präzision und Eigenwilligkeit, ohne an Lebendigkeit zu verlieren.

Zeitlosigkeit

Ihr Interesse gilt den Figuren. Diese sind Grenzquerer mit Blick zum Ende des Tunnels. Sie stehen in Beziehung zu Raum und Perspektive und strahlen den Charakter der Zeitlosigkeit aus. Mit diesen Radierungen kehrt sie zurück zu den Wurzeln, verlangsamt die schnelle Digitalfotografie und scheut auch nicht den romantischen Aspekt "unter der Brücke" oder eine Ähnlichkeit mit Caspar-David-Friedrich-Motiven wie bei "Spaziergänger am Ostseestrand".

___

Die Ausstellung ist bis 6. Januar von Montag bis Freitag immer von 9 bis 16 Uhr geöffnet sowie an Wochenenden und Feiertagen zu öffentlichen Veranstaltungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.