Sex und Geld und eine Sommernacht
Stadttheater Amberg

One-Night-Stand mit Folgen: Bob (Oliver Mommsen) und Helena (Tanja Wedhorn) verbringen zusammen eine Sommernacht. Bild: Hegen
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
21.03.2016
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Ein Kommissar aus Bremen als Kleinkrimineller in Amberg? Das gibt es nur im Theater.

"Jetzt weiß ich woher ich das Gesicht kenne!", dachte sich so mancher Zuschauer am Samstagabend im Stadttheater beim Anblick des Schauspielers Oliver Mommsen. Und er selbst gibt dazu den Anstoß, indem er das laut verkündet. Nicht genug: Techniker und Musiker Felix Huber spielt bei einer Verfolgungsjagd die Erkennungsmusik des "Tatorts" ein.

Musik für die Romantik


Doch am Samstag ist Mommsen nicht Nils Stedefreund, sondern der Kleinganove Bob. In einer Art Multimediashow mit Lichtwand, Nebelmaschine, wenigen Requisiten aber umso mehr Energie jagt er zusammen mit Tanja Wedhorn als Helena durch ein magisches Wochenende mit Liebesglück. Die rasanten und urkomischen Szenen werden durch Lieder gegliedert, die die beiden Schauspieler zusammen mit dem Gitarristen singen. So sind dem Publikum kleine Verschnaufpausen gegönnt, und es kann sich auch dem romantischen Teil der Geschichte zuwenden.

Medhorn und Mommsen sind aus verschiedenen gemeinsamen Fernsehproduktionen bekannt, aber was sie mit ihren Dialogen auf den Brettern leisten, ist große Schauspielkunst. Sie springen von ihren Hauptgestalten Helena und Bob ständig in diverse Nebenrollen. Zum Beispiel ER, indem er auf den Knien rutscht und ihren Neffen Brandon mimt. Oder SIE, wie sie "sein bestes Stück" sprechen lässt: "Bob wir sind keine jungen Männer mehr. Zusammen sind wir schon 70."

Geld muss in die Nacht


Und das ist auch ein Kern der Geschichte. Der Ganove steckt an seinen 35. Geburtstag in einer Sinnkrise, als er in einer Bar zufällig die gleichaltrige Anwältin Helena kennenlernt. Es kommt zum One-Night-Stand. Das wäre auch schon das Ende der Story, wenn sich beide nicht anderntags zufällig wieder träfen. Bob ist zwischenzeitlich unverhofft an 15 000 Euro geraten und bringt sie jetzt mit seiner neuen Flamme in einer verregneten und nebligen Mitsommernacht unter die Leute.

Die Ideen des britischen Autors David Greig kennen dabei kaum Grenzen. Da wird der teuerste Whisky gekauft und für die Zufallsbekannten "Grufti Kids" mit Cola gemischt. Oder gegen Morgen wird die Post vom Boten geklaut, die Briefe werden geöffnet, großzügig mit Geldnoten bestückt und weiter versandt. Die Handlung der Actionkomödie wird nur durch drei agierende Personen gestaltet, aber man hat das Gefühl, alle weiteren Figuren in den Szenen genau vor sich zu sehen.

Zum Beispiel einen Schläger, der Bob niederstreckt - angedeutet durch einen schwarzen Handschuh über Tanja Wedhorns Faust. Oder die Szene, als beide aus Versehen in einem Fetisch-Club landen und bewegungsunfähig an Stühle gefesselt werden.

Natürlich gibt es ein Happy End. Aber das hatten sich nach aufregenden zwei Stunden Schauspieler und Publikum redlich verdient.
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