Sound Society im Kummert-Sudhaus holen die Kobolde aus der Kiste
Sahnestücke aus der Rock-Torte

Die Sound Society hält Ambergs Fahne des Rock'n'Roll im Wind. Und immer dann, wenn diese Band auftritt, kommen die Fans in Scharen. Bild: hou

Wenn die Brauerei-Chefin ihre Lederjacke aus dem Schrank holt und neben ihr Leute im Sudhaus sitzen, deren Gesichter man schon aus den 60er-Jahren von Beat-Abenden in Amberg kennt, dann muss etwas im Gange sein, das einst Mick Jagger mit "Start me up" beschrieb.

Mit ihnen ist es wie mit dem Kobold aus der Kiste. Nur ab und zu tauchen sie auf, hängen sich die Gitarren um und machen Musik wie damals, als die lokale Szene unter dem Einfluss von Flower Power und Woodstock stand. Die fünf Herren im gesetzten Alter nennen sich Sound Society, lassen den BOAC-Jet dröhnend einfliegen und machen "Back in the USSR", als ob Sir Paul McCartney selbst auf der Bühne stünde. 50 Jahre nach Amberger Bands wie The Sharks, League 66 und The Rotten Bones sind sie noch immer da. Der Drummer Leo Beck, die Gitarristen Bernd Stief, Dieter Hannemann, Dr. Raimund Prechtl und der Keyboarder Gert Wolf. Dinosaurier, wenn man so will, der lokalen Rock'n'Roll-Szene. Nicht weit entfernt im Alter von denen, die ihre Vorbilder waren und noch immer sind. Auf also in eine Zeit, in der Chuck Berry der Menschheit zu bedenken gab, dass ein gewisser Beethoven sich warm anziehen könne.

Im Sudhaus der Kummert-Brauereigaststätte mussten zusätzlich Stühle herbeigeschafft werden, als die Sound Society diese Berry-Botschaft unters Volk brachte und Knaller folgen ließ, die eine heute auf den 70. Geburtstag zugehende Amberger Bürgerschaft nie aus den Ohren bekam. Zum Beispiel: "Where have all the good Times gone?" von den Brüdern Ray und Dave Davies. Das musikalische Programm der Sound Society ist breit aufgefächert und professionell über die Rampe gebracht. Von allem etwas. Sahnestücke einer Torte für die Ewigkeit. "Born to be wild" aus Peter Fondas Roadmovie "Easy Rider", "You really got me" von den Kinks und "Locomotive Breath", das einst der geniale Flötist Ian Anderson mit seinen Leuten von Jethro Tull zur Hymne erhob. Pink Floyd dazu und Carlos Santana. Wenig zum Schwofen. Eher schon ein Querschnitt aus der Geschichte des sich nach Elvis mehr und mehr auf breite Ebenen schiebenden Rock and Roll.

Sound Society hält die Fahne hoch. Für eine Generation, die sich auch nach fünf Jahrzehnten nicht trennen mag von Gitarrenriffs, die ihnen Keith Richards mit auf den Lebensweg gab. Diese Flagge wird erst untergehen, wenn sich die letzten von denen abmelden, die eine ebenso wilde wie unglaublich schöne Zeit in Amberg erlebten. Doch bis dahin, so hat sich an diesem Abend im Kummert-Sudhaus gezeigt, sind es etliche Kilometer auf der "Route 66". Noch ist viel zu erleben auf dem Weg von Chicago nach Los Angeles.

Schöner Abend, tolle Musik. Mit Menschen, die schon da waren, als es in Amberg das Metropol gab und im Josefshaus im wahrsten Sinn des Wortes Beat-Stadtmeisterschaften ausgespielt wurden. In der Tat ein schönes Stück Traditionspflege.
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