"Sprechendes" Musizieren

Dirigent Dieter Müller zelebrierte mit dem hervorragenden Orchester, dem ausgewogenen Chor und dem wunderbar harmonierenden Solistenensemble das Mozart-Requiem in Vollendung. Bild: Huber

Um Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem ranken sich seit dessen frühem Tod Legenden. Am Sonntagabend bringen es die Amberger Chorgemeinschaft, das Sinfonieorchester der Berufschule und vier Solisten unter Leitung von Dieter Müller auf die Bühne. Dabei finden sie die richtige Balance zwischen Musik und Trauer.

Eine exzellent gelungene Aufführung des Mozart-Requiems geben die Interpreten in der Kirche St. Konrad in Ammersricht zum Besten. Die Besucher in der sehr gut besuchten Kirche erleben ein herausragendes Konzert und gleichzeitig einen Abend der Besinnung.

Mit dieser Aufführung am Volkstrauertag wolle man den Verstorbenen die letzte musikalische Ehre erweisen und auch der Opfer in Paris gedenken, betont Dieter Müller. Auf einen Schlussapplaus soll verzichtet werden. "Die Glocken von St. Konrad werden Andacht und Beifall zugleich sein."

Professionelle Klarheit

Die Balance zwischen Musik, Trauer, Glaube und Empfindung wissen Dieter Müller am Pult und alle Mitwirkenden gut zu halten. Wenn zu Beginn die ersten Töne des Fagotts und der Bassetthörner die Spur legen ins dunkelgefärbte Thema, wenn das gesamte Orchester mit schweren Akkorden eingreift und im Introitus die ersten Töne des Chors erklingen, dann ist der Weg bereitet. Die etwa 50 Sänger folgen stimmgewaltig, hochmotiviert und von professioneller Klarheit ihrem Dirigenten.

Müller hat die Chorgemeinschaft hervorragend vorbereitet. Die vielen Stimmbildungs-Trainigseinheiten, die rund halbjährige intensive Konzertvorbereitung und die letzten intensiven Wochenendproben vor dem Auftrittstermin zeigen Wirkung. Präzision und Stimmgenauigkeit lassen sich besonders im "Lacrimosa" beobachten. Wirklich beeindruckend, wie die einzelnen Silben punktgenau interpretiert werden. Das Ganze wogt beängstigend schön dahin und mündet schließlich im feierlichen D-Dur-Amen. Reduziert und ohne Kitsch seufzen die Geigen dazu.

Das Sinfonieorchester der Berufsfachschule für Musik steht dem Chor in nichts nach. Fundierte Streicherklänge und die das Werk prägenden dunklen Bläserstimmen sind die Stärken des Ensembles. Ausdrucksstarkes, "sprechendes" Musizieren fordert der Dirigent, der das Orchester noch einmal antreibt. Die Streicher rumoren mit Sechzehntel- und Zweiunddreißigstel-Bewegungen, der Chor folgt meisterlich seinem Dirigat. Die im ruhigen Tempo kontrastierenden Stellen geraten so noch eindrucksvoller.

Kein Suchen nach Sensation, sondern ruhige und freie Tempi, die zum Höhepunkt streben. Müller lässt peitschende Streicherfiguren zu, findet den Gegenpol in den ruhigen Passagen und schöpft die verschiedenen Dimensionen des Requiem ganz aus. Auch in den dem Requiem vorangestellten Stücken: Georg Philipp Telemann: Choral: Nun lasset uns den Leib begrabn" und Franz Xaver Richter: Adagio und Fuge g-Moll für Streicher, setzen die Musiker die besondere Strenge und Tiefe der Kompositionen überzeugend um.

Und die Solisten? Ein wunderbares Ensemble, das auch vor intensivem Deklamieren nicht zurückschreckt, konnte für die Solopartien gewonnen werden. Mit sehr charakteristischen Beiträgen bereicherten die Vier die Aufführung.

Ergriffene Stille

Evelyn Ertl (Sopran) interpretiert ihre Partie angenehm unaufgeregt und klangschön. Adelheid Lang (Alt) überzeugt mit ihrer warmen, geschmeidigen Stimme. Rüdiger Husemeyer (Tenor) deklamiert mit musikalischer Gestaltungskraft und Thomas Wittig (Bass)gewinnt mit kraftvoller Stimme. Am Ende herrscht ergriffene Stille - feierliches Glockengeläut.
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