Stadttheater Amberg
"Des Teufels General"

Das Schauspiel "Des Teufels General" ist in Amberg bestens besetzt mit Gerd Silberbauer (Mitte) in der Titelrolle des Fliegers Harras, aber auch mit Martina Dähne als "Pützchen" (von links), Marsha Zimmermann als Anne Eilers, Thorsten Nindel als Friedrich Eilers und Andreas Klein als Sigbert von Mohrungen. Bild: Steinbacher
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
30.01.2016
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Zynischer Maulheld, gebrochener Desillusionist, reifer Romantiker: Dass Carl Zuckmayers "Des Teufels General" im Amberger Stadttheater ganz großes Kino ist, ist im Besonderen dem facettenreichen Spiel von Gerd Silberbauer in der Titelrolle zu verdanken.

Das Grunddilemma ist dasselbe wie vor 70 Jahren bei der Uraufführung des Schauspiels: Wo verläuft die Grenze zwischen Mitläufertum und Widerstand? Reicht das offene kritische Wort aus, um gegen ein Regime zu protestieren, mit dem man sich eigentlich doch recht gut arrangiert hat? Und darf Widerstand so weit gehen, dass der Tod vieler Unschuldiger ohne Skrupel in Kauf genommen wird und dabei die Moral auf der Strecke bleibt?

Schwere Kost


Carl Zuckmayer, der vor den Nazis in die USA geflohene deutsche Schriftsteller, hat es sich mit seinem Drama "Des Teufels General" nicht leichtgemacht. Die von Klaus Klusenberg in Szene gesetzte Produktion des Euro-Studio Landgraf löst auch in Amberg die Fragen nicht auf, vielmehr spornt sie die Zuschauer zum Nachdenken an: Darüber, was man in einer vergleichbaren Situation selbst machen würde, darüber, ob Fliegergeneral Harras eher Held oder doch nur Maulheld ist.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht eben dieser General Harras, wenn man so will ein Kerl von echtem Schrot und Korn und darüber hinaus ein Weiberheld, der sich wegen seiner Liebe zur Fliegerei mit den Nationalsozialisten eingelassen hat ("Ein Nazi bin ich nie gewesen. Immer nur ein Flieger"). Gerade als er sich in eine junge Frau - Diddo (Elisabeth Halikiopoulos) - verliebt hat und auf einen Neuanfang in seinem Leben hofft, gerät er wegen einer Reihe unerklärlicher Flugzeugabstürze unter Druck: Sind in der Luftwaffe Saboteure am Werk?

Harras, auch für die Materialkontrolle zuständig, soll die Ursache finden. Schließlich gesteht ihm sein enger Freund Chefingenieur Oderbruch (Hans Machowiak), dass er, als Akt des Widerstands gegen das Hitler-Regime, Sabotage begangen und die Abstürze herbeigeführt hat. Um Oderbruch zu schützen und den Widerstand zu stärken, startet Harras selber mit einer der defekten Maschinen - und stürzt in den Tod. Ein Schauspiel wie "Des Teufels General" steht und fällt mit der Besetzung der Titelrolle: Wieder einmal ist es Gerd Silberbauer, der das Amberger Publikum in seinen Bann zieht und einen glaubwürdigen Harras auf die Bühne bringt - in den vergangenen Jahren glänzte er in Amberg bereits in Gastspielen von "Der blaue Engel" nach Heinrich Mann und Stefan Zweigs "Schachnovelle".

Praktisch kaum eine Szene, in der Silberbauer nicht auf der Bühne steht, in der er nicht ganzen körperlichen und emotionalen Einsatz zeigt. Mit ihm auf der Bühne ein formidables Gesamtensemble, das durch die Bank bestens besetzt ist: Daniel Pietzuch überzeugt als Adjutant Korrianke mit "Berliner Schnauze" par excellence genauso wie Andreas Klein in der Rolle des Mitläufers Sigbert von Mohrungen: "Ich habe nur meine Pflicht getan. Mit bleibt nichts anderes übrig."

Überzeugende Besetzung


Auch bei den vier Frauenrollen des Stückes greift Klusenberg besetzungstechnisch in die Vollen: Neben Elisabeth Halikiopoulos als naiv-jugendhafte Diddo überzeugen auch Annette Kreft als Operettendiva Olivia Geiss sowie Marsha Zimmermann und Martina Dähne als die Schwestern Anne und "Pützchen". Zimmermann ist es vorbehalten, gemeinsam mit Silberbauer für die ergreifendste Szene des Abends zu sorgen: Sie, in ihrer Rolle als Witwe des abgestürzten Fliegers Eilers, erscheint bei Harras und macht ihm den Vorwurf, Eilers und andere Flieger in den Tod geschickt zu haben.

Harras habe bei seinem beruflichen Einsatz nicht, wie ihr Mann, im Glauben an eine bessere Zukunft Deutschlands, sondern egoistisch gehandelt und sei daher nicht besser als die Nazis. In weiteren Rollen überzeugen Thorsten Nindel als Oberst Eilers, Adrian Spielbauer als Leutnant Hartmann, Peter Schmidt-Pavloff als Hauptmann Pfundtmayer sowie Markus Fisher als Kulturleiter Dr. Schmidt-Lausitz.

Für das spartanische, aber treffliche Bühnenbild zeichnet sich Günter Hellweg verantwortlich. Harras bleiben am Ende das Bewusstwerden der eigenen Schuld und die Erkenntnis: "Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat - der muss ihm auch Quartier in der Hölle machen!" Ein Heldentod? Diese Frage muss wohl jeder Zuschauer für sich selbst beantworten. Zuerst aber langanhaltender und verdienter Applaus.
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