Stadttheater Amberg: Mehrfach ausgezeichneter Musiker als Solist gefeiert
Pfannschmidts Heimspiel am Horn

Wenn ein erfolgreicher Musiker aus der Oberpfalz wieder in seine Heimat kommt, um ein Konzert zu geben, stößt das auf besonderes Interesse. So ist es kein Wunder, dass der Zuhörerraum im Amberger Stadttheater sich mit Musikfreunden aus der Stadt und dem Umland schnell füllt.

Alle, die gekommen sind, wollen den Auftritt von Joachim Pfannschmidt nicht verpassen. Der mehrfach ausgezeichnete Musiker spielt als Solist mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim, das mit einem ansprechenden Programm aufwartet, an der Vils.

Bevor der Lokalmatador die Bühne betritt, stimmt das Orchester das Publikum mit Wolfgang Amadeus Mozarts Adagio und Fuge in c-moll auf den Abend ein. Dieses etwas sperrige Werk lässt nur noch wenige Anklänge an das verspüren, was man im Allgemeinen mit dem Salzburger Wunderkindl verbindet. Nämlich die auch in seinen "Moll"-Werken durchschimmernde heitere Musizierweise sowie eingängige Melodien.

In dieser Fuge des gereiften Meisters herrscht eine ungewohnte Strenge vor, die durch das Dirigat von Georg Mais noch eindringlicher wirkt. Es scheint, als habe der Maestro das Werk in seine Einzelteile zerlegt, um es als ein völlig anderes, neues zu präsentieren. Die einzelnen Instrumentengruppen sind klar voneinander geschieden, was eine bemerkenswerte Transparenz im Orchesterklang erzielt. Und dennoch entsteht dabei ein harmonisches Ganzes, das auch die weiteren Werke im Programm auszeichnet.

Tänzelnder Taktgeber

Der ungewöhnliche Dirigier-Stil von Georg Mais soll hier nicht unerwähnt bleiben. Mit nonchalanter Lässigkeit betritt er die Bühne um sogleich in bisher - zumindest in Amberg - noch nicht gesehener Weise eine nonverbale Kommunikation mit seinen Musikern zu eröffnen. Leicht tänzelnd und enorm gestenreich übermittelt er seine höchst exakten Taktvorgaben. Er animiert durch manchmal recht abenteuerlich wirkende Bewegungen, die gelegentlich an klassischen Ausdruckstanz erinnern, mal streng fordernd, dann wieder flehentlich bittend genau seine Vorstellung von den Kompositionen.

Einheit des Klangs

Georg Pfannschmidts Anteil an dem absolut hörenswerten Konzert besteht im Solo-Part in Joseph Haydns Hornkonzert in D-Dur und einer Sonate für Horn und Streichorchester in F-Dur von Luigi Cherubini. Und auch hier zeigt sich wieder die Mais'sche Methode, die einzelnen Instrumentalgruppen und die Soli mit einem hohen Maß an Transparenz nebeneinander zu stellen und doch eine Einheit des Klangs zu erreichen, die getrost als meisterhaft und mustergültig bezeichnet werden kann. Bereits beim Haydn-Konzert zeigt Joachim Pfannschmidt seine Vielseitigkeit. Das Adagio, in betont zurückhaltender Manier reduziert auf seine anrührende Melodik, kontrastiert mit den rahmengebenden schnellen Sätzen, in dem der Solist seine Virtuosität auf seinem Instrument unter Beweis stellen kann und dies vor allem in den Kadenzen auch ausgiebig tut.

Cherubinis Sonate, die völlig anders strukturiert ist, erfordert einen Stimmungswechsel sowohl im Orchester als auch beim Solisten. Schon nahe am romantischen Stil verlangt dieses Werk neben der meisterhaften Beherrschung des Instruments auch Einfühlungsvermögen in den Charakter der Komposition und öffnet sich vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten. Die von Joachim Pfannschmidt kommt jedenfalls gut beim Publikum an, das seine Zustimmung mit reichlich Applaus mitteilt.

Die chronologische Entwicklung des Programms zielt damit bereits auf das 19. Jahrhundert hin, dem die Südwestdeutsche Kammerphilharmonie im zweiten Teil seine Referenz erweist. Die Streichersinfonie in e-moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy ist in ihrer Ausgewogenheit umso erstaunlicher, da sie einer Reihe von einem guten Dutzend Sinfonien angehört, die das jugendliche Genie im Alter zwischen zwölf und vierzehn Jahren schrieb.

Ausflug nach Südamerika

So richtig romantisch wird es mit Edvard Griegs "Aus Holbergs Zeit". Diese pittoresken Miniaturen verführen so manchen Dirigenten dazu, die Geigen schluchzen zu lassen und oberflächlich auf die Emotionen einzuwirken. Nichts davon in der Interpretation der Südwestdeutschen. Hier sorgt wiederum die klare Linie in der Orchesterbehandlung und ein etwas rauerer Ton, der nordischen Herkunft des Komponisten verpflichtet, für ein ungewöhnliches Klangerlebnis, das auch Laien zu einer Entdeckungsreise in die Feinheiten der Partitur anregen kann.

Ganz weit weg, geographisch wie auch epochenmäßig ist die Zugabe, mit der Georg Mais und sein Südwestdeutsches Kammerorchester ihr Gastspiel in Amberg beenden. Mit Tangoklängen aus Südamerika verabschieden sich die Streicher von ihrem begeisterten Publikum.
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