Staunen über die eigene Vielfalt

Öl, Tempera, Acryl, verbrannte Milch, Asphaltlack, Email auf Eisen und vieles mehr verwendet Raimund Drechsler für seine Arbeiten. Die Bilder, Experimente oder auch kurzlebigen Ideen, die einfach so nebenher entstehen, sind Teil der Ausstellung "Streifzüge" mit unterschiedlichsten Arbeiten von Raimund Drechsler aus den Jahren 1978-2013. Bild: Huber

Raimund Drechsler - das bedeutet viel mehr als unterschiedliche Kunsttechniken und Darstellungen, wie die Ausstellung "Streifzüge" zeigt. Bis 4. Oktober sind zum Teil bekannte, vergessene oder auch bisher völlig unentdeckte Arbeiten von Drechsler in der Amberger Galerie im Kunstkombinat ausgestellt.

"Vermutlich ist dies das letzte Mal, dass speziell die älteren Arbeiten öffentlich zu sehen sind!" sagt der sonst so Schweigsame Raimund Drechsler und lenkt die Besucher zum Anfangspunkt der Schau. Diese ist in vier Zeitabschnitte unterteilt, wobei sie nicht in Zusammenhang mit irgendwelchen Schaffensperioden stehen, sondern rein willkürlich gewählt wurden. Am Beginn stehen die abstrakten Email-auf-Stahlplatte-Arbeiten im kleinen Nebenraum der Galerie, die während der Studienzeit (1978-1983) entstanden sind. "Diese schwierige Technik wurde damals nur in Berlin angeboten. Das Equipment ist sehr teuer, die Technik schwierig, die Brenntemperaturen sehr heiß!" Aber die Ergebnisse, die mit Nägeln, Kupfer-, Glas- oder Emailstücken aufgehübscht wurden, finden damals schon großes Interesse.

Mutig präsentiert

Auf großes Interesse sollten überhaupt diese Streifzüge durch 35 Jahre künstlerischen Schaffens stoßen. Was Drechsler alles aus seinem Atelier und Archiv zusammen gesucht hat, selbst zum Teil neu, zum Teil wiederentdeckt hat, was er zum allerersten Mal in der Öffentlichkeit zeigt und auch mutig präsentiert, das hat Einmaligkeitscharakter. Und doch ist es nur ein Teil seiner "malerischen" Aktivitäten, auf den er sich beschränkt. "Das Dreifache an Wandfläche wäre nicht zu viel gewesen, um vielleicht auch Einblicke in mein grafisches und fotografisches Werk gewähren zu können", räumt Drechsler ein.

Zum ersten Mal geben sich seine Aktdarstellungen dem Licht der Öffentlichkeit preis - in kräftigen Farbstrukturen und vitaler Körperlichkeit. Die plastisch abgehobenen "Schichtarbeiten" aus Plakatabrissen waren selten zu sehen, die braunen Baum-Malereien mit aufgebrannter Milch und Sepia dürften viele zum ersten Mal entdecken. Der "gelbe Klotz" aus der Abteilung 1984 bis 1993 fand lange keine Gnade vor den Augen des Künstlers.

Auch die vier Landschaftsblätter, die nur mit A, B, C, D benannt sind und in den Jahren 1994 bis 2003 entstanden sind, bieten Überraschendes, wie auch die Eisenobjekte. Diese standen jahrelang unbeachtet im Atelier, jetzt sind sie wieder ein hochinteressanter Blickfang. Schon deshalb, weil der Künstler selbst staunend davorsteht. Wie er die Faltungen und Schweißnähte damals in den Entstehungsjahren 2004 bis 2013 zustande gebracht hat? Er schüttelt den Kopf und weiß es nicht mehr so genau.

Verschiedene Stile

Genau aber weiß er, dass diese Schau keine Retrospektive sein soll, eine Ehre, die dem Künstler meist zu runden Geburtstagen oder als Gedächtnisausstellung zuteil wird. Nein, er will zeigen, was über die Jahre an unzähligen Experimenten mit verschiedenen Stilen und ungewöhnlichen Materialien entstanden ist, was aber nie ausgestellt wurde, weil es einfach aus dem Rahmen oder Konzept fällt. Auf die neuen aktuellen Arbeiten hat er deshalb verzichtet, weil sie in den letzten Jahren gezeigt wurden.

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Die Ausstellung dauert bis 4. Oktober. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.amberger-kunstkombinat.de
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