St.Petersburger Knabenchor singt in Ammersrichter Pfarrkirche
Stimmen gehen unter die Haut

Die Ammersrichter Pfarrkirche hat zuletzt eine Reihe von Konzerten auf hohem Niveau erlebt. Einen begeisternden Superlativ gab es nun zu genießen.

Von Werner Schulz

Ammersricht. Zum Konzert des St. Petersburger Knabenchors hatten sich 175 Zuhörer in dem Gotteshaus eingefunden. Sie feierten die 40 Knaben und ihren Chorleiter Wadim Ptscholkin schon während des Konzerts mehrfach mit stehenden Ovationen. Der Chor glänzte durch stimmliche Brillanz sowie ausgefeilte Präzision und Dynamik unter der einfühlsamen Leitung.

Der heute größte Knabenchor Russlands wurde 1991 vom jetzigen Leiter Wadim Ptscholkin eigentlich als Sozialprojekt gegründet, um Kinder von der Straße zu holen. Der Chorschule gehören mittlerweile rund 400 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 18 Jahren an, die dort auch Stimmbildungs- und Klavierunterricht erhalten. Die besten 40 Chorschüler dürfen an den jährlichen internationalen Konzertreisen durch Europa teilnehmen. In diesem Jahr hat das Ensemble beim Cornwall-Festival der internationalen Kinderchöre den zweiten Platz errungen.

Den Kontakt zu dem russischen Ausnahmechor hatte Andreas Feyrer, Kirchenmusiker der Pfarrei St. Konrad, hergestellt. Seine Initiative erwies sich vom ersten bis letzten Moment als wahrer Glücksgriff. Pfarrer Michael Jakob war hocherfreut, den weltberühmten Chor in seiner Kirche zu Gast zu haben.

Zum Auftakt präsentierte der Knabenchor a cappella geistliche russische Lieder, unter anderem "Lobet den Namen des Herrn" von Dobre Christov, das "Cherubim Lied" von Dmitri Bortnjansky, "Mutter Gottes, freue Dich" von Sergej Rachmaninow und "Gib uns Frieden" von Pavel Chesnokov. Dabei bewiesen die jungen Sänger eine große Bandbreite an Dynamik und beeindruckten die kristallklaren Stimmen durch ihre Reinheit in der Intonation.

Es folgten deutsche, russische und internationale Weihnachtslieder wie "Alle Jahre wieder", "Es ist ein Ros entsprungen" und "Engel lieblich singen" sowie das auf die Stadt Amberg gemünzte "Glocken der Heimat" von Robert Pappert. Herausragend war dabei das von der Empore aus mit glockenheller Stimme gesungene Solo des elfjährigen Vsevolod Bagmut, der das Publikum mit dem russischen Lied "Weihnachten" tief beeindruckte. Zu einem Höhepunkt geriet Franz Schuberts "Ave Maria", bei dem das Ensemble eine besondere Raumklangfarbe dadurch bewirkte, dass sich die verschiedenen Stimmlagen im gesamten Altarraum verteilten, wie die Kerzen, die die Sänger in Händen hielten.

Bei "Pie Jesu" von Andrew Lloyd Webber stellten drei elf- und zwölfjährige Solisten ihr außergewöhnliches Stimmtalent unter Beweis. Sie sangen sich mit ihren astreinen Diskantstimmen in die Herzen der Zuhörer. Das stimmgewaltig vorgetragene "O Fortuna" aus Carl Orffs "Carmina Burana", das Wadim Tscholkin selbst am Klavier begleitete, begeisterte die Besucher derart, dass sie sich von ihren Plätzen erhoben.

Genauso reagierte das Publikum auf den unter die Haut gehenden "Gefangenenchor" aus Verdis "Nabucco". Der Chor beschloss sein vom ersten bis zum letzten Augenblick beeindruckendes Konzert mit dem bekannten russischen Volkslied "Kalinka", bevor bei der Zugabe, dem deutschen Weihnachtslied "O du fröhliche", die Besucher der Aufforderung von Wadim Ptscholkin folgten und kräftig mit einstimmten.
Weitere Beiträge zu den Themen: Ammersricht (49)St. Petersburger Knabenchor (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.