Tag des offenen Denkmals: Ein Rundgang über den Dreifaltigkeitsfriedhof
Der Gottesacker der Prominenz

Riesenzuspruch: Auch auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof drängten sich zum Tag des offenen Denkmals die Wissbegierigen. Es waren weit über 100. Kreisheimatpfleger Dieter Dörner führte sie zu denkmalgeschützten Gräbern und Grabstätten. Bilder: Hartl (2)
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
11.09.2016
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Zum Tag des offenen Denkmals ging es auch auf den Dreifaltigkeitsfriedhof. Einst befand sich an der Raigeringer Straße sein Pesttor, in Seuchenzeiten ständig geöffnet. Und an der Nordost-Ecke sein Arme-Sünder-Tor - über das man zu den Gräbern von Selbstmördern, Hingerichteten, Sträflingen und Unbekannten gelangte.

Das alles wusste Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zu berichten, der am späten Sonntagnachmittag der Experte in Sachen Dreifaltigkeitsfriedhof war. Er erzählte viel über 500 Jahre Friedhofsgeschichte. "Vom Leprosen- zum Prominentenfriedhof", so hatte er den Rundgang überschrieben, den er im Dreifaltigkeitskircherl begann, wo er die Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten schilderte. Mit 117 denkmalgeschützten Gräbern und Grabstätten unter anderem von Ehrenbürgern ist dieser Amberger Friedhof auch ein Stück Stadtgeschichte.

Mit dem Tod der Frau des späteren Bürgermeisters Rezer 1834 sei der Wandel gekommen, blickte Dörner zurück. In der Abteilung der "Armen Sünder" sei ein repräsentatives Grab errichtet, und dieser Bereich dann durch die Ruhestätten Prominenter aufgewertet worden.

Laut Dörner wurde ein Wegenetz angelegt, der Friedhof in vier Felder eingeteilt sowie 69 Pappeln und 32 Obstbäume entlang der Mauer gepflanzt. Bis 1835 seien somit "geordnete Verhältnisse" entstanden. Dörner sprach vom Beginn der sogenannten Familiengräber, die 1850 bereits 75 Prozent der Fläche eingenommen hätten, und einem Friedhof im Stil des Biedermeier.

Anfang der 60er Jahre, sagte Dörner, sei im Stadtrat über die Auflassung des Dreifaltigkeitsfriedhofs bis 1990 nachgedacht worden. 4000 Bürger und eine Interessengemeinschaft hätten dagegen protestiert, die Konfessionen seien ebenfalls für den Erhalt eingetreten. 1995 habe es erneute Diskussionen gegeben, vor allem wegen der Verwesungszeiten. Vergangenheit. Heute sei der 1983 errichtete Waldfriedhof, der einst als Zentralfriedhof im Gespräch war, überflüssig, stellte der Kreisheimatpfleger fest. Heute würde man sich sehr wahrscheinlich nicht mehr für ihn entscheiden.

Dörner führte die Besucher dann unter anderem zu dem in seinen Augen "einmaligen Grab" des Amberger Bürgermeisters Sebastian Regler. Die Ruhestätte des Ehrenbürgers ziere einer der ältesten Steine, der auf den Amberger Friedhöfen zu finden sei. Außerdem zeigte Dörner die drei repräsentativen Gräber der Familie Baumann (Emaillefabrik-Dynastie).
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