Teil 3 des Sommerfestivals
Urlaubsgefühl wie auf der Piazza

Im Programm "Nord e sud, sud e nord" der Gruppe Napoli Latina ging es um Unterschiede zwischen Nord- und Süditalien und die Suche nach Gemeinsamkeiten ebenso wie um Klischees und die Wirklichkeit. Bild: Steinbacher

Eigentlich haben sie ja alles richtig gemacht, die fünf Herren der Gruppe Napoli Latina. Sie haben erstklassig gespielt, mit südländischem Temperament gesungen. Nur eines hat gefehlt: der warme Sommerabend.

Von Marielouise Scharf

Amberg. So saß das Publikum am Dienstag beim dritten Sommerfestival-Abend dicht gedrängt im Lesecafé der Stadtbibliothek. Draußen herrschte feuchtes Herbstwetter, drinnen allerdings ging die Sonne auf. Napoli Latina heizte ein mit eigenen Kompositionen und Coverversionen von italienischen Hits der 50er-Jahre bis heute. Aber diese wurden eben nicht nur nachgedudelt oder runtergenudelt, sondern in ganz eigenständigen Interpretationen abgeliefert. Der Stilmix aus lateinamerikanischen Rhythmen und Latin-Flair in Verbindung mit neapolitanischem Gesang ist ja der Combo Spezialität, und die zündete. Auch wenn zum Tanzen oder Bewegen kaum Platz war - die Konzertbesucher wippten, klatschten und schnippten mit, so gut es eben ging.

Voller Temperament


Die fünf Herren sorgten von Anfang an für beste Stimmung: Eddi Mautone, Sänger und Gitarrist, stammt aus dem süditalienischen Neapel. Multiinstrumentalist Stefano Renzi kommt aus Umbrien im mittleren Italien. Schwabach ist die Heimat des Bassisten Tobias Kalisch. Außerdem dabei: Alberto Parmigiani am Schlagzeug und Florian Bührich am E-Piano. Sie machten Musik, die mal zum Träumen, mal zum Tanzen einlud. Mit Charme, Können und Professionalität verstanden es die Vollblutmusiker, die Zuhörer in Urlaubslaune zu versetzen. Nach nur wenigen Takten kribbelte es auf der Haut, schon stellte sich Urlaubsfeeling ein, wie bei einem Abend auf der Piazza einer südlichen Stadt.

Es brauchte ja gar nicht den funkelnden Mond live. Den lieferten die Fünf mit "Sotto La Luna Che Brilla" frei Haus. Eddi Mautone besang ihn mit warmer Stimme schmeichelnd und wundervoll romantisch. Er konnte aber auch anders, der Sänger mit der Goldkette im offenen Hemdkragen. Für "Federico" (Fellini) stimmte er eine Hommage an, oder er besang mit "E sorde, e sorde" die Macht des Geldes.

Leidenschaftliche Profis


Sogar den Turbulenzen des Straßenverkehrs widmete er sich mit "O Traffico". Dabei war er immer authentisch und echt. Wie auch die gemeinschaftliche Interpretation und Übersetzung des Carosone-Klassikers "Tu vuo' fa' l'americano" nach dem Motto: "Er macht einen auf Italiener - aber wenn's koa gescheit's Bier ham, dann will er wieder ham." Stefano Renzi baute Paolo Contes Hit "Via con me" zum Cha-Cha-Cha um. Und das Publikum staunte, wie das zusammenpasst. Sogar der Originaltext schien wie für diesen Abend gemacht: "Weg, weg - Komm' weg von hier. Nichts hält dich mehr an diesen Orten. Auch nicht dieses graue Wetter, voll mit Musik und Männern, die dir gefallen haben." Ja, Musik, Männer und Konzert haben gefallen. Man merkte es den Profis an, dass sie voll bei der Sache waren, dass sie selbst Spaß dabei hatten und dass ihnen leise wie laute Songs liegen.
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