Teil 4 des Sommerfestivals
Clowns im besten Sinn

Für den Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn hieß es: "Die Zeit ist reif." Nur: Gejodelt haben die drei Oberbayern nicht. Bild: Steinbacher

Der Baierisch Diatonische Jodelwahnsinn war der vierte Streich des Sommerfestivals: Er war bairisch in Aussprache und Denkweise, diatonisch im musikalisch-satirischen Grenzbereich und im Gesamtbild wahnsinnig lustig. Aber richtig gejodelt haben Otto Göttler, Josef Brustmann und Petra Amasreiter nicht.

Von Marielouise Scharf

Dafür aber lieferten sie gute Unterhaltung mit Spott, Spaß und Spiel, mit aktualisierten Heimatliedern, frechen Schnaderhüpfeln und kracherter Polka-Power. Mit eingängigen Instrumentalnummern, stürmischen Windböen, Plastiktüten als Tonerzeuger, Musettewalzer plus Kusserlaubnis und mit Detlef aus Sulzbach an der Pauke. Der Name des Programms: "Die Zeit ist reif!"

Virus auf dem Handy


Los ging's mit "Mei Huat, der hat drei Lecha, des Morgenland hat drei Weise und des Fernsehen hat 3 Sat", dabei sägte Brustmann mit dem Bogen heftig auf den Saiten der großen Bassgeige, Göttler bearbeitete seine Quetschkommode und Amasreiter fabrizierte den feinen Geigenton. Aus "Auf der Mauer auf der Lauer" wurde "Auf meim trendy Touchscreen-Handy sitzt a kloana Virus", was die drei mit Zither, Flöte und Trompete herrlich lautmalerisch unterfütterten. Sie kommen alle aus Oberbayern, dem "Mausoleum der gescheiterten Kanzlerkandidaten", sagte Brustmann. Politisch frech, aufmüpfig witzig und auch a bissl gschert-fidel mixten sie ihr Programm, die Drei vom diatonischen Wahnsinn. Alles Individualisten, Könner und Clowns im besten Sinn. Die Rampensäue Göttler und Brustmann gaben vielleicht den Ton an, aber die charmante Petra Amasreiter fidelte "mit reichem Hall", wo's langgeht. Sie war das Zuckerschneckerl zwischen den Altmeistern, die sich mit Sprücheklopfen und Witzeerzählen übertrafen. "Auf der Alm lässt sich gut lieben, denn im Herbst wird abgetrieben", scherzte der eine. "Die Dumma moana, die andern san a blöd!", der andere. Die kritischeren Texte handelten von Plastik, Google und anderen Geißeln der Menschheit. Die Musik war vielseitig wie das Instrumentarium, das man sich schon mal teilte, wie die Gitarre, und wozu sogar die singende Säge zählte.

"Pack ma's o, sonst laft die Zeit uns davo", reimte Göttler nach der Pause. Bis alle wieder ihre Stühle fanden im rappelvollen Innenhof der Stadtbibliothek, dauerte es ein wenig. Frischer Wind fuhr schon ziemlich kräftig zwischen die Mikrofone, der Vorhang bauschte sich. "Tratsch to go" und "Petri heil" tröpfelte es politisch ins Publikum. "We come, we go - wowowo" und "Bei uns ist dahoam no dahoam" sang das Trio. Für das Lied für vier Musiker lockten sie Detlef aus Sulzbach auf die Bühne, der seine Sache echt gut machte.

Regen macht nichts aus


Dann fielen die ersten Tropfen, Regencapes wurden verteilt, einige flüchteten ins Innere. Aber der große Rest hielt aus. "Die Amberger san ein stabiles Publikum. Bis auf ein paar Feiglinge sans alle da", staunen die Diatonischen. Routiniert und unter Dach brachten sie ihr witzig-unterhaltsames Programm auf hohem musikalischem Niveau zu Ende, packten noch ein paar Zugaben drauf und ließen sich von dem bisschen Regen nicht aus ihrer bairischen Ruhe bringen.
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