Temporeiche Story aus der Traumfabrik

Das Musical "City of Angels" sorgte im Amberger Stadttheater für Verwirrung, aber auch gute Unterhaltung. Bild: Steinbacher

Wer die Ohren spitzte und aufmerksam den Pausengesprächen lauschte, konnte feststellen, dass "City of Angels", das Musical, mit dem Studierende der Folkwang Universität der Künste in Amberg gastierten, das Publikum polarisierte.

Schroffe Ablehnung und helle Begeisterung waren aus den Kommentaren der Zuschauer zu hören. Dabei galt die Kritik nicht den Ausführenden, sondern mehr der Machart des Musicals und dem "Drehbuch", um es in der Terminologie des Stücks zu formulieren.

Denn der Schauplatz der Handlung, die so manchen im Parkett und auf den Rängen verwirrte, nämlich die "City of Angels" ist nichts anderes als die Filmmetropole Los Angeles, und, noch genauer lokalisiert, ihr glamouröser Stadtteil Hollywood. Dass es ums große Kino ging, zeigte schon überdeutlich die raumhohe, quergelegte Filmrolle, durch deren Einzelbilder die Skyline der Stadt wie durch Panoramafenster zu sehen war und die den Raum, in dem die Akteure zur Musik der "Angel City Band" tanzten und sangen, begrenzte. Dieses Bühnenbild war vielleicht der Anlass zu Missverständnissen. Denn es bildete den Hintergrund für die Geschichte, die auf mehreren Ebenen erzählt wurde.

Zwei Stränge

Zum einen die des hoffnungsvollen Drehbuchautors Stine, der den Auftrag für ein Skript zu einem Film noir erhalten hatte, zum anderen die Handlung eben dieses Films. Das wurde spätestens dann klar, als beide Erzählstränge gemeinsam auf einer Bühne dargestellt wurden. Der junge Schriftsteller ringt um die perfekte Szene, schreibt, verwirft, schreibt wieder. Dazu zeigen die Schauspielerinnen und Schauspieler die entworfene Szene, lassen den "Film" zurückspulen und versuchen es erneut.

Dabei rezitieren sie metaphernreiche Texte, die einem Raymond Chandler oder einem Dashiell Hammett alle Ehre gemacht hätten. Das Tempo der Inszenierung verlangte auch ein hohes Maß an Sprachsicherheit und komödiantisches Talent von den Akteuren. Sie waren von der eingangs erwähnten Zuschauerkritik ausgenommen, denn ihre Leistungen hinsichtlich Ausdruck und Textverständlichkeit - selbst bei schwierigen Gesangspassagen - waren hervorragend. Und auch tänzerisch glänzten die Nachwuchstalente. Mit viel Schwung setzten sie die Musik von Cy Coleman, die von der "Angel City Band" mit viel Rhythmus und Verve interpretiert wurde, in Bewegung um, die höchste Ansprüche an Modern Dance zufriedenstellen konnte.

Wer im ersten Teil schon Probleme hatte, der Handlung zu folgen, wurde im zweiten Teil dann völlig verwirrt. Denn dem armen Drehbuchautor erging es nicht anders als vielen seiner Kollegen: Er wurde zum Opfer der Extrawünsche von Regisseur, Produzent und Möchtegern-Stars, die sich alle im Film selbst verwirklichen wollten. Jedenfalls taugte das, was von der ursprünglichen Story, die Stine mit Überlegung und viel Herzblut ersonnen hatte, übrig blieb, nur noch für ein B-Movie.

Trotz allem unterhaltsam

Dem Ensemble ist es gelungen, dieses höchst ungewöhnliche Musical, das so ganz anders daherkommt, als die üblichen Disney- und Webber-Produktionen, mit Temperament, Professionalität und jeder Menge Charme auf die Bühne zu bringen. Was auch angesichts der Tatsache, dass jeder der Beteiligten in mehreren Rollen auftrat, nicht zu unterschätzen ist. Und wenn auch die Logik manchmal (gewollt) auf der Strecke blieb, unterhaltsam war es.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.