The Hilliard Ensemble trifft in der Amberger St.-Georgs-Kirche auf das Quintett Singer Pur
Himmlische Stimmen und Kammermusik

Ein solches Programm lockt die Besucher an: Die St.-Georgs-Kirche in Amberg ist am Sonntag restlos gefüllt, als sich Singer Pur und The Hilliard Ensemble zu einem gemeinsamen Konzert finden. Singer Pur, das sind fünf ehemalige Regensburger Domspatzen, die sich mit einer Sopranistin zum derzeit führenden deutschen Vokalensemble entwickelt haben.

Das Hilliard Ensemble gilt als eines der weltweit renommiertesten Ensembles vokaler Kammermusik. Beide Ensembles verfügen über ein ganz eigenständiges Profil und einen unverwechselbaren Klang. Die Hilliards verkörpern das Stimmideal des Vokalquartetts ins seiner historisch reinsten Form mit Countertenor, zwei Tenören und Bariton.

Dichte Gestaltung

Im Sextett von Singer Pur hingegen übernimmt eine Sopranistin die höchste Stimme. Im Amberger Konzert umfasst ihr Repertoire Werke vom 12. bis ins 16. Jahrhundert mit Werken der großen Meister der Renaissance, wie dem in Hahnbach geborenen Raselius, Orlando di Lasso und Gabrieli. Danach stehen Werke aus dem 20. Jahrhundert auf dem Programm, bei denen die Vorbilder der alten Meister deutlich hörbar werden. Äußerst spannend ist das Programm auch dadurch, dass beide Ensembles sowohl eigenständig sangen, sich aber auch zu bis zu zehnstimmigen Vokalwerken zusammenschließen.
Faszinierend bei allen gemeinsamen Darbietungen, wie sich der metallische, strahlende Stimmklang des Countertenors David James mit der weichen, schlank und klar geführten Sopranstimme Claudia Reinhards ergänzt, mischt und zu einer unglaublich dichten Gestaltung führt.

Dass alle Sänger ihre Stimmen perfekt beherrschen, dass die Dynamik der Interpretation nahezu akribisch variierte, ist ein weiterer Baustein zu einem begeisternden Konzert. Beeindruckend bereits der Beginn mit einem fast mysteriös zelebriertem Werk von Hildegard von Bingen. Die Solistin fesselt schon hier mit ihrer ausdrucksstarken Stimmführung und wird von dem gesamten Männerensemble mit ruhigem, generalbassähnlichem Gesang begleitet. Singer Pur glänzen mit einem grandios gesungenen Werk von Raselius, beide Ensembles zusammen mit einer wunderschön gesungenem Motette von Nicolas Gombert. Als Schluss und Höhepunkt des ersten Teils singen alle zehn Sänger die jubelnde Motette von Gabrieli, "Exsultate justi", in einer begeisternden Interpretation, bei der der strahlende Sopran leuchtend zur Geltung kommt, sich beide Ensembles wunderbar mischen.

Moderne und "Maria"

Der zweite Teil ist der Moderne gewidmet. Joanne Metcalf (geboren 1958) hat mit "Il nome del bel flor" eine klangintensive Huldigung Marias komponiert. In lautmalerischen Klangvisionen, die immer wieder die Silben "Maria" umspielen, verschmelzen aufbauende Soli mit teilweise komplizierten Intervall-Sprüngen zu zehnstimmigen Klangbildern von eindringlicher Dichte.

Eine großartige Interpretation eines starken Werkes. "The Hilliard Ensemble meets Singer Pur" lautet das Motte des Abends: Es war eine großartige Demonstration perfekter Vokalmusik.
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