Theatergruppe Rampenfieber zeigt "Dramatische Luft"
Selbstverständlichkeit in Nöten

Eine Herausforderung für die Inszenierung und an die Schauspieler: Atmen ist konkret, Luft primär abstrakt.
 
Exponate des Luftmuseums werden zum Bühnenbild, der Ausstellungsraum zum Theater. Bilder: Hartl (2)

Luft - lebensnotwendig, allgegenwärtig, verschmutzt, inspirierend: Die Theatergruppe Rampenfieber unter der Leitung von Winni Steinl präsentierte zum Zehnjährigen des Luftmuseum die Szenenfolge "Dramatische Luft".

Das Ensemble bot mehr als windige Sprüche und bloße Luftnummern. In den elf kurzen, nur assoziativ lose verbundenen Szenen blieb den Zuschauern immer wieder die Luft weg. Sie genossen die Dramaturgie oder sie freuten sich über den Versuch der Akteure, in gemeinschaftlicher Levitation die Schwere der Erde hinter sich zu lassen, um aufsteigen zu können: in die Luft.

In Schnaufen und Prusten wurde der Atem sicht- und hörbar. Aber auch andere Stellen des Körpers dienten dem Gasaustausch - zur Erleichterung des Schauspielers und zur Erheiterung der Zuschauer. Weitgehend ungekannt hingegen war vor diesem Theaterabend die erotische Dimension des Atmens. In inniger Umarmung wird der Hauch geteilt, die Atemluft wird nicht nur in die Lungen, sondern tief in den Unterleib geführt. Die Schauspieler zeigten Hingabe und Verzückung.

Rationierung beginnt


Aber sorglos atembare Luft ist knapp. Deshalb wird sie zum Wirtschaftsgut. Beängstigend waren die Szenen, die diesen Gedanken konsequent weiterdachten, szenisch weitersponnen. "Luftasylanten" und der "Ping-Pong spielende aspirierende Chinese" riefen noch Heiterkeit hervor. Aber das Lachen blieb den Zuschauern im Halse stecken, als eine allgemeine Atemreduzierung erlassen wurde. Wie das geht konnte jeder auf der Bühne verfolgen, wie der Übergang von der staatlich geächteten, voluminösen Bauchatmung über die Sparatmung bis zur völligen Atemeinstellung gesteigert werden soll. Am Ende patrouillieren Kontrolleure, um zu überprüfen, dass sich die Menschen auch an die Atemreduktion halten. Bei Zuwiderhandlung setzt es ein saftiges Ordnungsgeld, weitere Sanktionen sind angekündigt. "Schön, dass es noch gesetzestreue Bürger gibt!", freuen sich schließlich die Kontrolleure, als eine Frau erstickt.

Die Luft als Duft


Wenn Luft zur Handelsware wird, kann das aber auch einfach lustig sein. Das beweist der maulfaule Kunde in der schicken Luftboutique. Als Geschenk zum Hochzeitstag kann er zwischen Luft mit dem Duft "Amberger Bürgerspital mit fataler Tiefgaragennote" und als Erinnerung an die Flitterwochen "Venezia nebbiola mit einem Hauch Dieselvaporetto im Abgang" wählen. Reine Luft, stellte schon ein Traktat aus dem 18. Jahrhundert fest, gibt es nur auf dem Land, während in der Stadt giftige Schwaden wabern. Aber stimmt das wirklich? Wenn man die Emissionen einer Kuh mit denen eines Autos vergleicht, stellt man fest, dass das Rindvieh ein Vielfaches an klimaschädlichen Gasen produziert. Auch das ein Aspekt, der durchaus schon mit wissenschaftlichem Ernst diskutiert wurde.

Die neun Rampenfieber-Akteure waren in immer wieder wechselnden Rollen zu sehen. Bunte Haremshosen, kombiniert mit unterschiedlichen Oberteilen, ermöglichten die einfache Anpassung an die nächste Szene, die nächste Rolle. Sie sprachen und schnauften, manchmal sangen sie auch, luftige Gstanzln oder gepresste Soli. Einige pneumatischen Installationen des Luftmuseums, etwa der aufgeblasene Thron oder die Luftdusche, spielten mit. Mehr Bühnenbild brauchte es nicht. Auch Requisiten wurden nur sparsam eingesetzt. So lebt dieser Abend vom von der Faszination des Theatralen. Und der Luft - natürlich.

"Dramatische Luft" wird noch einmal am Freitag, 4. November, 20 Uhr, aufgeführt. Karten für zehn Euro (ermäßigt sieben Euro) gibt es im Vorverkauf im Luftmuseum (09621/42 08 83).
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.