Toller Nachwuchs im Sängerbund
Jugend singt und swingt wie Superstars

Gesang verbindet Völker und Nationen. Seit 1862 eint der Fränkische Sängerbund (FSB) Franken und Oberpfälzer. Die Altbayern dachten damals noch nicht an Jodel-Diplome.

Von Peter K. Donhauser

Amberg. Der langjährige musikalische Chef des FSB, der Oberpfälzer Karl Heinz Malzer, hat 1981 den Jugendchor gegründet, mit ihm trat er in St. Konrad (Ammersricht) auf und erfreute die Besucher mit einem sorgsam ausgesuchten Programm.

Bedingt durch eine Altersgrenze hat der Chor eine ständige Fluktuation aufzuarbeiten, die Segen wie Fluch sein kann. Ein Segen ist zweifellos, dass unzählige Jugendliche eine intensive, oft lebenslange Beziehung zur Musik aufbauen, ein inspirierender Gewinn an Lebenssinn, an künstlerischem Ausdruckpotenzial von Emotion und Intellekt, ein cooles Gemeinschaftserlebnis.

Diese begeisternde Inspiration war das ganze Konzert hindurch zu spüren. Musikalisch setzte der außerordentlich erfahrene Chor-Pädagoge Malzer Ansprüche. Stimmbildnerin Manuela Spitzkopf formt und pflegt alle Stimmen, Tochter Michaela Treese arbeitet in Registerproben am Detail. Erfolg kann da nicht ausbleiben: Die Besucher hörten wunderbar ausbalancierte Stimmen, von locker geführten beweglichen Bässen und schlanken Tenören bis zu ungekünstelt und rund tönenden Altistinnen und Sopranen. Geradezu selbstverständlich war die blitzsaubere Intonation der Akkorde, die einfach nur wohl tat und unter die Haut ging. Das alle Chorsätze überwölbende Klangideal war ein verschmelzender, flächiger, sich zur Romantik bekennender Chorklang.

Der Ursprung der 15 vom Umfang her überschaubaren Stücke reichte vom Jahr 1600 bis zur gemäßigten Moderne. Vier Höhepunkte: Die abgeklärte Sterbemotette von Johann Michael Bach, das ausdrucksstarke "Tristis est Anima" von György Deák-Bardo und das melancholische Abendlied op. 69/3 von Josef Gabriel Rheinberger. Mit rhythmischem Impuls swingte das Spiritual "I hear a voice a-praying" von Houston Bright, die eleganten Bässe zeigten sich da von ihrer besten Seite, und das gleich noch einmal bei der geforderten Zugabe.

Die Programmfolge (vorzüglich informativ das Programmheft) war im Wesentlichen chronologisch angelegt und von geistlicher Musik geprägt, die sich aus dem Kreis des Kirchenjahres speiste. Ähnliches galt für die meisten Instrumentalstücke, die Mitglieder des Chores zwischendrin darboten. Lediglich die kuschelweiche Filmmusik von "Ladies in Lavender" (routiniert die Flötistin Lisa-Marie Holzschuh) stand thematisch etwas abseits. Hausorganist Andreas Feyrer eilte wie im Sog durch die schnellen Teile der Dubois-Toccata G-Dur.

Sensibel und mit gekonnter Balgführung spielte Felix Hirn kurz und bündig Präludium und Fuge c-Moll von Gottfried Kirchhoff. Faszinierend waren die Klangsphären von Astor Piazollas "Tante Anni Prima" im Ineinandergreifen von Hirns Akkordeon und Anna Lottners farbenreicher Klarinette. Weiter so, es gibt also doch Alternativen zum Auftrieb und der Vorführung junger Leute bei Deutschland sucht den Superstar.
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