Traumfabrik am 5. und 6. Januar in Amberg
Die Poesie des Einkaufswagens

 
Die Ambergerin Carola Klaus ist eines der dienstältesten Ensemblemitglieder der Traumfabrik. Vor ihrem Heimspiel im ACC im Januar plauderte sie mit der AZ über ihre Leidenschaft fürs schwarze Theater und die Faszination der berühmten Regensburger Showtruppe. Bild: Steinbacher

Carola Klaus ist das "a" der Traumfabrik. In einer von vielen Nummern aus dem großen Repertoire erweckt sie diesen Buchstaben zum Leben. Noch lieber allerdings ist sie die Moldau. Das schwarze Theater macht's möglich. Und bringt eine besonders poetische Inszenierung von Smetanas berühmtem Werk auch heuer wieder ins ACC.

Für Carola Klaus, eines der dienstältesten Mitglieder der Traumfabrik, ist das ein Heimspiel: Die Regensburgerin mit Amberger Wurzeln lebt inzwischen wieder hier. Und arbeitet in Regensburg - auf und hinter der Bühne des berühmten Theater-Ensembles um die Gründer-Familie Pawelke. Eher zufällig ist Carola Klaus dort gelandet: 1987, als sie gerade eine Ausbildung zur Erzieherin machte, brachte sie ihre damalige Lehrerin und Traumfabrik-Gründungsmitglied Rita Lang in Kontakt mit der Schauspieler-, Tänzer- und Akrobaten-Truppe.

Licht für Alfred Biolek


Eigentlich sollte sie nur mal hineinschnuppern ins Metier, erinnert sich die heute 47-jährige Ambergerin lachend. Inzwischen ist sie seit fast 30 Jahren dabei. Angefangen hat sie "ganz unten", wie sie sagt - als Helferin hinter den Kulissen. Sie erinnert sich noch gut daran, wie sie in ihren Anfangsjahren mal einen "Spot fahren durfte" für einen prominenten Gast des Ensembles: TV-Showmaster Alfred Biolek moderierte damals ein Programm der Traumfabrik. Und Carola Klaus durfte ihn mit einem Scheinwerfer ins rechte Licht setzen. Schnell landete sie auch selbst auf der Bühne: Ihren ersten Auftritt hatte die Ambergerin 1988, in der Nummer "Die Lustigen" - dem Spiel der bunten Kriechtunnel, einem echten Klassiker des Traumfabrik-Programms.

Banales ganz erstaunlich


Das sei ganz typisch für die Philosophie des Künstler-Projekts, meint Carola Klaus: Die Spezialität der Traumfabrik sei es, aus vermeintlich Banalem, aus Dingen, die jeder zu Hause hat oder aus seinem Alltag kennt, Atemberaubendes, Erstaunliches, Poetisches zu machen. Ein Gymnastikband, ein Einkaufswagen. Oder Rettungsfolie. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieses Material nicht nur fremdes Leben bewahren, sondern auch selbst höchst lebendig werden kann, wenn sie in die richtigen, künstlerisch-kreativen Hände gerät und dadurch zum prächtigen Vogel Strauß mutiert?

Es fasziniert mich, wie da etwas auf der Bühne erscheint und wieder verschwindet - und man nicht weiß, wie's passiert ist.Carola Klaus

Diese Nummer, vor Jahren für den traditionellen Gast-Auftritt der Regensburger zur Eröffnung der Kieler Woche entwickelt, ist heute noch im Programm. Und lässt sogar alte Hasen wie Carola Klaus immer noch staunen: "Ich finde es faszinierend, wie aus den Riesen-Mengen Folie immer wieder der gleiche Vogel Strauß entsteht, der so lebendig aussieht!" Viel Zeit, solche magischen Momente selbst mitzuverfolgen, hat die Ambergerin allerdings nicht. Wenn sie gerade nicht selbst auf der Bühne steht, packt sie beim Drumherum an - angefangen vom Kartenvorverkauf bis hin zu Besorgungen in letzter Minute.

Ein klassisches Mädchen für alles. Auch das sei typisch Traumfabrik, meint die 47-Jährige, selbst wenn die Jüngeren im Team heute nicht mehr ganz so stark eingespannt sind wie es die Gründungsmitglieder waren. Dass sie beides tun kann, schauspielern und organisieren, möchte Carola Klaus nicht missen. Nur tanzen sei nicht ihr Ding, merkt sie an. Muss sie auch nicht - die Traumfabrik ist ein Team, das für alles seine Spezialisten hat, auch fürs Tanzen.

Wie machen sie das nur?


Carola Klaus' Leidenschaft ist das schwarze Theater: "Es fasziniert mich, wie da etwas auf der Bühne erscheint und wieder verschwindet - und man nicht weiß, wie's passiert ist." Deshalb muss sie auch nicht lange überlegen, welches ihre Lieblingsnummer im aktuellen Programm ist: Die Moldau - schwarzes Theater, das mit weißen Bändern Smetanas berühmte Komposition höchst poetisch zum Leben erweckt. "Das passt einfach wunderbar zusammen", schwärmt die 47-Jährige von diesem Klassiker im Programm. "Die Moldau ist, glaube ich, schon immer dabei" - sie setzt traditionell den Schlusspunkt. So, wie die Tournee der Traumfabrik für Carola Klaus seit vielen Jahren den Schlusspunkt des Jahres setzt. Weihnachten ist für sie keine besinnliche Zeit, sondern die arbeitsintensivste, mit Proben ab November und auch heuer wieder 31 Auftrittsterminen.

Natürlich muss die Familie Abstriche machen, wenn Mama wieder mal auf der Bühne steht. Oder dahinter. Aber das gehört im Hause Klaus längst ganz selbstverständlich dazu. Die drei Kinder sind damit groß geworden. Zwei von ihnen sind im November geboren. "Und zu Weihnachten war ich wieder bei der Traumfabrik dabei", verrät die Ambergerin lachend. Natürlich ist das auch heuer wieder so.

Termine und TicketsDrei Vorstellungen gibt die Traumfabrik auf ihrer aktuellen Tournee in Amberg im Kongresszentrum: am Dienstag, 5. Januar, um 20 Uhr, und am Mittwoch, 6. Januar (14 und 18 Uhr). Tickets kosten, je nach Sitzplatzkategorie, zwischen 12,90 und 44,90 Euro (Kinderermäßigung von 5 bis 16 Jahren; unter Fünfjährige kostenfrei auf dem Schoß). Karten gibt es im Internet und beim Ticket-Service der Amberger Zeitung, Mühlgasse 2, 306 230. (eik)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.