Travestie-Komödie "Rubbeldiekatz" kann in Amberg nicht ganz überzeugenüberzeugen
Schräg, hektisch und etwas dürftig

Die Leistung der Schauspieler war noch das Beste an der Aufführung der turbulenten Komödie "Rubbeldiekatz" im Amberger Stadttheater. In dieser Szene bereiten Jürgen und Basti ihren Bruder Alex in schmerzhafter Prozedur auf seine Rolle als Frau vor. Bild: Hartl
Kultur
Amberg in der Oberpfalz
04.04.2016
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Persiflage, Satire und viel Klamauk in einer hektischen Inszenierung: Als turbulent-romantische Komödie war "Rubbeldiekatz" angekündigt, als Bühnenfassung des gleichnamigen Kinofilms. Aber die Besucher trauten dieser Ankündigung wohl nicht so recht, denn das Amberger Stadttheater war nur mäßig besetzt.

"Charley's Tante", 1963 mit Peter Alexander verfilmt, ist wohl ein Maßstab für eine gelungene Travestie-Komödie. Daran gemessen, war "Rubbeldiekatz" kein großer Wurf. Wohl war die Idee dazu vielversprechend. Dass ein unterbeschäftigter Schauspieler die Chance wahrnimmt, verkleidet als Frau endlich zu einem Engagement in einem Hollywood-Film zu kommen, provoziert in der Diskrepanz zwischen "männlicher Identität" und weiblicher Darstellung komödiantische Heiterkeit.

Übers Ziel hinaus


Warum aber diese Rolle ausgerechnet die Darstellung einer BDM-Führerin sein musste, das war arg weit hergeholt. Natürlich konnte dadurch (wie originell und witzig!) ein Darsteller als hektischer, sächselnder Hitler-Verschnitt dargestellt werden, aber das war doch etwas dürftig. Die Regie schoss beim Bemühen um eine temporeiche Inszenierung meist über das Ziel hinaus. So wurde es eine Aneinanderreihung von slapstickhaften, persiflierenden, oft klamaukhaften Einzelszenen, die durch eingestreute Lichtbildprojektionen in Zusammenhang gebracht wurden.

Diese Projektionen, mal langatmig und mal spannend, gaben der Aufführung einen gewissen Touch. Auch die Musik, die - den jeweiligen Szenen gemäß - "alte" Songs und moderne Arrangements einspielte, war ein Aktivposten. Gelungen war ebenso das Bühnenbild, das durch verschiebbare Trennwände und variable Vorhänge die Wandlungen möglich machte. Turbulent war sie also, die "Komödie". Die Romantik blieb dabei etwas auf der Strecke.

Alex, noch als junger Mann, verliebt sich bei ihrer ersten Begegnung in eine attraktive junge Frau. Es kommt zu einer spontanen Liebesnacht, die dezent als "Schattenspiel" sichtbar gemacht wird. Als seine Brüder von dieser Verliebtheit erfahren, zeichnen sie mit Kreide die Buchstaben A+S auf die Wand. Unbegreiflich, warum daraus der Schriftzug "Nazis raus" formuliert wird, der stets wieder sichtbar wurde. Dass die Partnerin dieser Liebe die Hauptdarstellerin des Films, die berühmte Sarah Voss, ist, bringt "Alexandra" natürlich in heikle Situationen. Die Darstellung dieser "Romantik" ging aber in der Hektik der Set-Szenen weitgehend unter.

Persiflage, Satire nicht mit dem Florett, sondern bemüht und oft gequält mit dem Holzhammer präsentiert, hat sicher ihren Reiz, der in gelegentlichen Heiterkeitsbekundungen Widerhall fand. Insgesamt war die Reaktion des Publikums aber gespalten. Die extremsten Äußerungen in der Pause: "Ich fand das ganz gut" und "Selten ein so schlechtes Theater erlebt". Deshalb wohl blieben nach der Pause zusätzlich Plätze frei.

Aber: Wie die Schauspieler die Story umsetzten, das war einfach gut. Jan van Weyde war als Alexander/Alexandra Honk eine tolle Besetzung. Er machte die (nachhaltige) Verliebtheit zu seiner Sarah ebenso deutlich, wie er als grandios verkleidete "Alexandra" einfach brillante Momente hatte. Rosette Pedone als Sarah Voss spielte die attraktive Frau in wohltuender Zurückhaltung. Christian Kühn als Basti Honk, Alex' Bruder, konnte auch in verschiedenen anderen Rollen glänzen, hatte als Hitler-Darsteller und als Kostümbildner Harald starke Auftritte. Und Oliver Geilhardt als Alex' Bruder Jürgen, war in einigen kleineren Rollen ebenfalls überzeugend.

Beifall für Schauspieler


Natürlich gab es ein Happy End zwischen Alex und Sarah, ziemlich kitschig zwar und dramaturgisch nicht völlig überzeugend, aber so war wenigstens am Schluss "alles gut". Der doch kräftige Beifall galt denn auch den Schauspielern für die Darstellung ihrer Rollen. Es gibt Theaterstücke, bei denen man sich einen zweiten Besuch sehr wünscht. "Rubbeldiekatz" zählt sicher nicht dazu.
1 Kommentar
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Roland Breitschaft aus Fensterbach | 04.04.2016 | 11:40  
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