"Trio Elf" im Casino Saal in Amberg
Clubsounds treffen Jazz-Finessen

Die Augen geschlossen, voller Hingabe zelebrieren Gerwin Eisnhauer, Peter Cudek und Walter Lang die Songs ihrer neuen Platte "Music Box Music" im Casino Saal in Amberg. Bild: otj

"Jazz is back in town" heißt eine Konzertreihe des Kulturamts Amberg. Und am Dienstagabend im Casino Saal stimmt das nicht nur im übertragenen Sinne. "Trio Elf"-Drummer Gerwin Eisenhauer kommt aus der Oberpfalz und hat in einigen Amberger Formationen mitgetrommelt.

Mit dem Pianisten Walter Lang und dem Bassisten Peter Cudek hat er den Kunstgriff geschafft, Clubsounds à la Aphex Twin akustisch umzusetzen. So vereint das Klavier-Trio die hedonistische Leichtigkeit von Drum'n'Base und die intellektuelle Tiefe des Jazz zu einem unwiderstehlich modernen Sound.

Tempo und Entschleunigung


Die Art seine Drums zu spielen verpasst dem "Trio Elf" den Markenkern. Eisenhauer streichelt das Becken, pumpt in die Bass Drum, startet einen Beat, bricht ab und greift zur Triangel. Das Instrument bekommt so eine ganz neue Funktion, scheint eine eigene Melodie zu entwickeln, statt nur die Rhythmusfunktion zu übernehmen. Walter Langs Pianospiel schmeichelt mal superharmonisch, rast dann vorneweg und verpasst ein paar Takte später dem Song eine gute Portion Entschleunigung. Die Brücke zwischen Beats und Harmonien knüpft Peter Cudek mit seinem virtuosen Bass-Spiel. Das Ergebnis ist eine unglaubliche Homogenität des Sounds bei maximaler Autonomie der Instrumente.

Dafür werden sie von den Fans geliebt, von der Kritik gelobt und von der Fachwelt ausgezeichnet. Jüngst gab es den mit 10 000 Euro dotierten Bremer Jazzpreis. In Amberg dabei außerdem: die neue CD "Music Box Music". Die Songs schaffen das Schönste, was Musik schaffen kann - "Krumm", "Usain" oder "The Elf Police" schalten den Filmprojektor im Kopf an. Da sitzt man auf einmal im New Yorker Taxi, am Steuer: Jim Jarmusch. Verbringt einen Tag auf der Rennbahn oder erlebt in einem Song eine Nacht, in der man noch einmal mit den Kumpels um die Häuser einer Großstadt zieht. Aber das hängt wohl vom eigenen sehr subjektiven Empfinden ab.

Instrumente verschmelzen


Selbst ohne Ton wäre ein Konzert mit "Trio Elf" grandios. Es ist, als könne man ihnen dabei zusehen, wie sie in inniger Hingabe und mit geschlossenen Augen mit ihren Instrumenten verschmelzen. Auf den Sound zu verzichten, wäre allerdings grober Unfug. Der Mix aus akustisch erzeugten "Elektrobeats" und virtuosem Jazz ist so unverwechselbar wie großartig.
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